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    Meiningen: "Wahnsinn, Wende, Wiedervereinigung"

    Stehende Ovationen gab es für die gestische Performance der Schauspielkurse der Kunstschule an der Vhs Meiningen. Foto: Hanns Friedrich

    Rhön-Grabfelds Landrat Thomas Habermann konnte sich nicht daran erinnern, das ein Jahrestag zur Grenzöffnung so emotional gefeiert wurde wie der zum 30. in diesen Tagen. Bereits bei der Feier am Skulpturenpark, dem ehemaligen Grenzübergang Eußenhausen-Meiningen, habe man sich, wie vor 30 Jahren, umarmt, obwohl man sich nicht kannte. Hingewiesen hat er auf eine Unterschriftenaktion von dem Berliner Aktionskünstler Jimmy Fell, der für den Friedensnobelpreis die Montagsdemonstrationen in der ehemaligen DDR vorschlägt. Der Landrat zeigte sich davon begeistert: "Dem könne wir alle nur zustimmen, eigentlich auch die ganze Welt!"

    Habermann stellte immer wieder den Mut und das Durchhaltevermögen der DDR-Bürger in den Vordergrund, die 1989 den Fall der Mauer erreichten. Dafür müsse man noch heute dankbar sein. Der Landrat war der Festredner bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Wahnsinn, Wende, Wiedervereinigung". Bereits zuvor hatte die Landrätin von Schmalkalden-Meiningen Peggy Greiser den Titel als treffend bezeichnet. Sie fügte allerdings ein viertes "w" hinzu: "wunderbar". Der Titel der Ausstellung fasse den Geist und die Stimmung damals gut zusammen. Ihr Dank ging an Kreisarchivarin Angelika Hoyer, die mit ihrem Team rund 1000 Bilder auf  26 Informationstafeln zusammenstellte.

    Freundschaften entstanden rasch

    Die Landkreise Schmalkalden-Meiningen und Rhön-Grabfeld seien schnell zusammengewachsen. Das sei den Landräten Dr. Fritz Steigerwald und Ralf Luther, aber auch Thomas Habermann zu verdanken. Sehr schnell seien nicht nur Partnerschaften, sondern auch Freundschaften entstanden. Dies gelte aber auch für die Bevölkerung, die alte Kontakte wiederbelebte, Nachbarschaft lebte und verwandtschaftliche Besuche wieder aufnahm.

    Landrat Thomas Habermann war der Festredner bei der Ausstellungseröffnung "Wahnsinn, Wende, Wiedervereinigung" im Landratsamt Meiningen. Foto: Hanns Friedrich

    Peggy Greiser erinnerte an die Brisanz der Montagsdemonstrationen. Vor allem dem damaligen russischen Präsidenten Michael Gorbatschow sei es zu verdanken, dass kein Blutbad angerichtet wurde. Die Grenzöffnung nannte die Landrätin eines der größten Geschenke für die Menschen. Beim Blick in die Zukunft verwies sie sorgenvoll auf die politische Entwicklung und auch fremdenfeindliche Töne, die vermehrt aufkommen. Die Ausstellung mache deutlich, was geschieht, wenn statt Demokratie Diktatur in einem Land herrscht. "Die Präsentation ist den mutigen Menschen gewidmet, die vor 30 Jahren mutig auf die Straße gingen." Dies unterstrich auch Landrat Thomas Habermann. Die deutsch-deutsche Geschichte müsse gerade deshalb in den Schulen intensiver behandelt werden.

    "Mauersegler trauern nicht"

    Beeindruckend war dann die gestische Performance der Schauspielkurse der Christophine-Kunstschule an der VHS Meiningen, die unter dem Titel "Mauerseglern trauern nicht." stand. Aufgearbeitet wurde darin, teils auch mit Filmeinspielungen, die Zeit der DDR-Grenze aber auch die Zeit des Aufbruchs und der Wiedervereinigung. Stehende Ovationen zeigten den Schauspielern, dass sie viele Erinnerungen und Emotionen ausgelöst hatten. Musikalisch gestaltet wurde die Feier vom Polizeimusikkorps Thüringen.

    Die Ausstellung ist Montag bis Mittwoch von 10 bis 16 Uhr, Donnerstag von 10 bis 18 Uhr. Freitag von 10 bis 15.30 Uhr und Samstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Als nächstes steht eine erste Podiumsdiskussion an und zwar am Mittwoch 13. November, um 19 Uhr. Thema: "Leben hinter Stacheldraht und Minenfeldern." Zu Wort kommen Augenzeugen wie Bürgermeister, Grenzsoldaten und Bürger. Moderator ist Kreiskulturreferent Hanns Friedrich. Der Eintritt ist frei.

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