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    Mellrichstadt

    Mellrichstadt: Der Waldumbau ist in vollem Gange

    Derzeit kein schöner Anblick: die Fichtenschonungen im Mellrichstädter Stadtwald (Bild von der Forstbegehung im September 2019). Der Waldumbau hin zu vielen Baumarten ist aber laut Forstdirektor Wilhelm Schmalen in vollem Gange.
    Derzeit kein schöner Anblick: die Fichtenschonungen im Mellrichstädter Stadtwald (Bild von der Forstbegehung im September 2019). Der Waldumbau hin zu vielen Baumarten ist aber laut Forstdirektor Wilhelm Schmalen in vollem Gange. Foto: Eckhard Heise

    Eine langfristige Betriebsplanung als rechtliche Vorgabe für den Körperschaftswald muss alle 20 Jahre durchgeführt werden und wird Forsteinrichtung genannt. Zur Halbzeit informierte Forstdirektor Wilhelm Schmalen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei der Tagung des Land- und Forstwirtschaftsausschusses in Mellrichstadt Bürgermeister Eberhard Streit und das Gremium über den Stand der Dinge.

    Der Forstbetriebsplan für Mellrichstadt stamme aus dem Jahr 2010. Jetzt sei eine Zwischenrevision vorgenommen worden, um zu sehen, in welche Richtung sich der Wald entwickelt. Forstsachverständiger Markus Schömig stellte die Ergebnisse seiner Arbeit vor. Der Stadtwald Mellrichstadt hat eine Gesamtfläche von rund 1225 Hektar, davon 1145 Hektar Holzboden, knapp 40 Hektar Nichtholzboden und 40 Hektar sonstige Flächen. Am Flächenstand hat sich nichts geändert, der freiwillige Landtausch habe allerdings zu Änderungen geführt.

    Buchen, Tannen und Douglasien erhöhen die Artenvielfalt 

    Die Artenvielfalt im Stadtwald sei gut, so Schömig. Der obere Wald sei von Fichten und Kiefern geprägt, mit Buchen, Tannen und Douglasien wurde die Artenvielfalt erhöht. Der Zuwachs des Holzvorrates pro Hektar Holzboden im regelmäßigen Betrieb liegt bei 24 Erntefestmetern, was rund zwölf Prozent entspreche. Der jährliche Zuwachs pro Hektar liegt bei 6,7 Festmetern, im Stadtwald in der Summe bei 7000. Bei der Verteilung des Zuwachses nach Baumarten dominieren die Fichte mit 29 Prozent und die Buche mit 22 Prozent. Eine nachhaltige Brennholzversorgung, die Schömig mit 1945 Ster im Jahr bezifferte, sei möglich.

    Als Arbeitsschwerpunkte wurden das Fortsetzen der aktiven Verjüngungsarbeit unter Beimischung von Buche, Edellaubhölzern, Douglasie und Tanne festgelegt. Auch die Sicherung eines breiten Artenspektrums mit Blick auf die Klimaveränderung, die konsequente Pflege der Eiche zur Sicherung ihres Naturverjüngungspotentials sowie die waldverträgliche Regulierung der Reh- und Rotwildbestände stehen im Fokus. Markus Schömig machte auf die Verbissproblematik aufmerksam. Der Kommunalwald werde stichprobenartig daraufhin überprüft, inwieweit entsprechende Maßgaben eingehalten würden. Die Zielvorstellungen der Stadt Mellrichstadt sollen mit dem weiteren Umbau der (Nadelholz-)Wälder zur Verbesserung der Stabilität und Widerstandsfähigkeit umgesetzt werden, sagte Schömig abschließend.

    Im Wald nicht an die Substanz gegangen

    Bürgermeister Streit fasste zusammen: „Wir sind im Wald nicht an die Substanz gegangen, wir haben Vorräte. Viel geerntet werden muss dann, wenn es viel zu verdienen gibt", so der Stadtchef. "Wir können mit dem Wald wirtschaften, jedoch müssen Pflegerückstände aufgeholt werden", fügte er an. Zu achten sei auch auf den Wildverbiss, wobei Abschusspläne mit den Behörden besprochen werden müssen.

    Forstdirektor Schmalen stellte klar, dass die Abschussplanung nicht Sache des Amts sei, sondern eine Vereinbarung des Grundbesitzers mit den Jägern ist. Das Amt gebe nur Empfehlungen ab. Das gelte auch für Rotwild in der Hegegemeinschaft. Schmalen bilanzierte, dass der Stadtwald sehr gut da stehe und Vorräte birgt. Die Entwicklung des Waldes hin zu vielen Baumarten sei bereits in Gange, müsse aber noch weiter vollzogen werden, gab er als Losung für die kommenden Jahre aus.

    Artenhilfsprogramm für die Kreuzotter vorgestellt

    Der Biodiversitätsbeauftragte der Regierung von Unterfranken, Christian Salomon, informierte bei der Tagung des Land- und Forstwirtschaftsausschusses das Gremium abschließend über die außerhalb des Alpenraums vom Aussterben bedrohte Kreuzotter. In Unterfranken komme das Reptil in der Rhön und im Spessart vor. In einem Artenhilfsprogramm werde das aktuelle Vorkommen in den beiden Regionen derzeit überprüft.

    Die Kreuzotter (Vipera berus) ist die einzige Giftschlange Bayerns und gehört damit zu den interessantesten Tieren unserer Heimat, aber auch zu den seltensten. Außerhalb des Alpenraums gilt sie als vom Aussterben bedroht.
    Die Kreuzotter (Vipera berus) ist die einzige Giftschlange Bayerns und gehört damit zu den interessantesten Tieren unserer Heimat, aber auch zu den seltensten. Außerhalb des Alpenraums gilt sie als vom Aussterben bedroht. Foto: Christian Salomon/ Regierung von Unterfranken

    Im Landkreis Rhön-Grabfeld wurden laut Salomon mehrere Tiere nachgewiesen. Um sie zu schützen, hatte er mehrere Vorschläge in petto, etwa einen freiwilligen Artenschutzbeitrag, die Schaffung lichter Waldstrukturen mit vollständigem Nutzungsverzicht oder ein Ökokonto. Rein wirtschaftlich gesehen hätte solch ein Schutzprogramm keine Vorteile, sondern bedeute eher Mehraufwand und Kosten, es erzeugte aber ein gutes Gewissen beim aktiven Artenschutz, sagte der Biodiversitätsbeauftragte. Zudem diene die Kreuzotter ganzen Lebensgemeinschaften.

    Bürgermeister Streit sah in den Artenschutzforderungen Probleme, zumal es noch keine langjährige Erfahrung mit dem Programm gebe, wie Christian Salomon auf eine entsprechende Frage gestand. Denn im Mellrichstädter Wald seien schon 100 Hektar als Kernzone ausgewiesen worden, machte Streit deutlich, in diesen Waldflächen ist keine Nutzung und Bewirtschaftung möglich. Im Herbst dieses Jahres soll aber über das Artenhilfsprogramm mit dem Forstausschuss und den Revierleitern noch einmal gesprochen werden, kündigte er an.

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