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    Bad Neustadt

    Mit "Strom & Wasser" gegen Rassismus

    Bei einem Konzert im Juze Bad Neustadt wird die Band "Strom & Wasser" am 25. Oktober Flagge gegen Rassismus zeigen. Foto: Björn Hein

    Die Stimmung ist hasserfüllt. Finster dreinblickende, dunkle Gestalten sind auf dem Marsch, die Schilder, die sie hochhalten, verheißen nichts Gutes. Doch einen Lichtblick gibt es: Ein Einzelner hält ein Schild hoch, auf dem ein Herz prangt. 

    Zu sehen ist diese gezeichnete Szene auf dem Cover des Albums "Herzwäsche" der Band "Strom & Wasser". Und auch in Bad Neustadt ist das Bild auf Plakaten abgedruckt. Denn die Band spielt am 25. Oktober im Juze in Bad Neustadt. Der Auftritt findet im Rahmen der Aktion "Eine Million gegen rechts" statt. Bandleader Heinz Ratz und seine Mitstreiter wollen dabei im Rahmen von 100 Konzerten in ebenso vielen Städten diese Summe für bedrohte Jugendhäuser sammeln. Auch wenn dieser Betrag wohl nicht erreicht werden wird: Die selbsternannte "musikalische Eingreiftruppe für Menschlichkeit und Demokratie" macht in ihren Veranstaltungen auf ein Thema in der Gesellschaft aufmerksam, das auf den Nägeln brennt. Nämlich auf den Rechtsruck in der Gesellschaft.

    Die Band „Strom & Wasser“ steht für Toleranz. Das ist auch auf dem Cover der CD „Herzwäsche“ zu sehen. Mit dieser Grafik wird auch das Konzert im Juze beworben. Foto: Björn Hein

    Bad Neustadt so etwas wie eine Insel der Seligen

    Bad Neustadt ist dabei fast so etwas wie eine Insel der Seligen. "Wir sind als Jugendzentrum schon sehr privilegiert", findet Oliver Trabert, Beisitzer im Vorstand der "initiative for music and youth culture nes e.V.". "Wir müssen nicht für unseren Erhalt kämpfen, die Stadt unterstützt uns sehr" sagt er. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht überall so ist, wohnt er unter der Woche doch in einer größeren Stadt in Sachsen. Den Namen will er lieber nicht nennen. "Hier wurde versucht, ein autonomes Zentrum zu gründen. Die Stadt zahlte dafür nichts", berichtet er. Anderswo im Osten würden Jugendzentren geschlossen. Es sei eine Erosion im Gang: Die Gesellschaft rücke weiter nach rechts, AfDler haben den Weg in die Politik gefunden. "Da sind selbstverwaltete Zentren, in denen eher linksliberale Ideen gepflegt werden, natürlich ein Dorn im Auge", meint Trabert.

    Hand in Hand Flagge gegen rechts zeigen

    Im Juze sei man weltanschaulich neutral, betont Kassier Daniel Weipert. Bei der Bewerbung der Veranstaltung habe man eng mit der Stadt zusammengearbeitet. So unterstützte das Stadtmarketing die Aktion und am Abend wird Landrat Thomas Habermann sowie Bürgermeister Bruno Altrichter beim Konzert mit dabei sein. Landkreis und Stadt sind finanzielle Träger des Konzertabends. "Wir positionieren uns mit dem Konzert klar gegen rechts", betont die stellvertretende Vorsitzende, Jule Göppner. Ihr war es wichtig, dass man den um sich greifenden Rassismus verurteilt. Hass und rechtes Gedankengut hätten in einer Demokratie nichts verloren. Aus diesem Grund sei das Konzert eine gute Chance, Flagge zu zeigen.

    Die Anzahl von Auftritten im Rahmen der Aktion wird die Zahl von 100 wohl übersteigen, meint Heinz Ratz, Frontmann und Initiator. Vor einiger Zeit habe man bereits die 100 000 Euro-Marke geknackt. Im Fokus der Aktion liege besonders die Unterstützung für ostdeutsche Jugendzentren. "Hier ist eindeutig ein Rechtsruck im Gang. Oft werden Fördergelder hintenherum in Frage gestellt", erläutert er. Die Folge: Veranstaltungen könnten nicht mehr stattfinden, Gehälter für Sozialarbeiter würden wegbrechen. Aus diesem Grund bezahle man mit der Initiative teilweise auch die Gehälter. "Die Rechten sind im Osten besonders stark, sie prägen dort teilweise das Erscheinungsbild. Das ist alles eine sehr unheimliche Geschichte", weiß der Frontmann aus Erfahrung. Besonders auf dem Land beobachte er eine immer stärkere Einflussnahme von rechts. Was wohl auch daran liege, dass die Dörfer strukturschwächer seien.

    Erfahrungsaustausch und Aufklärung sind wichtig

    Doch nicht nur der Anlass für das Konzert im Juze ist besonders, sondern auch das Programm. So wird nicht nur Musik gespielt: Es werden auch Erfahrungen ausgetauscht, philosophische Gedanken und Kabarett ergänzen sich zu einem Gesamtkunstwerk. In Bad Neustadt wurde man mit der Initiative mit offenen Armen aufgenommen. "Die Unkosten für Übernachtung, Fahrtkosten und so weiter werden vom Landrat und vom Bürgermeister übernommen". Dass man ihnen auch finanziell unter die Arme greift, das haben "Strom & Wasser" eher selten. Doch bei ihrem Kampf gegen rechts geben sie nicht auf: Zu viel stehe dabei auf dem Spiel.

    Der Auftritt von "Strom & Wasser" findet am 25. Oktober um 21 Uhr im Juze Bad Neustadt statt. Anschließend spielt eine Newcomer-Band aus Bad Neustadt funkig-angehauchten Folk. Der Eintritt ist frei, weitere Informationen gibt es unter www.musicandyouthculture.de.

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