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    ROTH

    „Multikulti ist bei uns normal“

    Maarten Baars (Mitte) vom Rhön-Park-Hotel will mit einem innovativen Integrationskonzept dem Personalmangel entgegensteu... Foto: Tonya Schulz

    Personalmangel ist für das Rhön-Park-Hotel bei Roth kein Problem, sondern eine politische Herausforderung. Direktor Ben Baars öffnet sein Haus für alle, ob Einheimischer oder Flüchtling, Quereinsteiger oder Fachkraft, heißt es in einer Pressemitteilung des Aktiv Resorts. Die Herkunft ist egal – Hauptsache, die Mitarbeiter sind motiviert, freundlich und gastorientiert, wird Baars zitiert.

    Bereicherung für das Team

    „Multikulti ist bei uns normal“, sagt der Direktor. 17 Mitarbeiter stammen aus der Ukraine, Russland oder Rumänien. Zehn kommen momentan aus Afghanistan. „Diese Menschen haben einen Kriegshintergrund“, betont der Manager. Für ihn und sein Team sei Integration keine Pflicht, sondern Menschenaufgabe. Die Erfahrungen von Ben Baars und seinem Sohn Maarten sind positiv: „Unsere Jungs sind eine echte Bereicherung fürs Team.“

    Jobs gibt es reichlich

    Jobs gibt es in der Hotelstadt auf der Rother Kuppe reichlich. Bis zu 1000 Urlauber und Tagungsgäste wollen in Spitzenzeiten ihren Aufenthalt in der Rhön genießen. 152 Mitarbeiter sind dafür im Einsatz – von der Animation über Housekeeping, Technik, Schwimmbad und Restaurants bis zur Verwaltung. Entlastend wirkt die Digitalisierung, kaum ein Arbeitsplatz kommt ohne Handy oder Tablet aus. Das mache die Arbeit auf dem 26 000 großen Quadratmeter großen Gelände deutlich komfortabler, so die Geschäftsführung.

    Auseinandersetzung mit Behörden

    Eine neue Aufgabe finden die jungen Menschen zum Beispiel im Housekeeping, in der Küche und im Schwimmbad. Maarten Baars checkt die Unterkünfte, besorgt Möbel, hilft beim Umzug und füllt Arbeitsanträge bei Ausländerbehörden und der Agentur für Arbeit aus. „Das ist eine unglaubliche Menge an Papier“, so Baars. Zudem scheut er sich nicht, mit den Behörden zu diskutieren – „bei Abschiebungen trotz Klagen leider vergebens“, wie er sagt. „Dabei schreit Deutschland doch nach Personal. Diese Jungs haben Lust zu arbeiten, wollen ein neues Ziel im Leben, und wir sind dankbar für helfende Hände im Hotel.“

    Deutlich mehr ausländische Mitarbeiter

    „Der Anteil ausländischer Mitarbeiter wird weiter steigen“, ist sich die Geschäftsführung sicher. Die Gesellschaft sei im Wandel. Für den Chef eine Riesenchance auf Veränderung. „Klar gibt es auch bei uns mal kulturbedingte Konflikte“, so Ben Baars. Diese würden aber im persönlichen Gespräch bereinigt.

    Unterstützung für die Belegschaft

    Rund zwei Drittel der Belegschaft kommen aus der Region. Ben Baars will seinen Angestellten mit außergewöhnlichen Leistungen Mehrwert bieten. „Wir unterstützen Mitarbeiter, wo wir nur können, damit sie einen guten Job machen können“; sagt er. Wer will, fährt mit dem Jobrad auf die Rother Kuppe. Weil der Arbeitsplatz auf 700 Höhenmetern liegt, hat es Elektroantrieb. Wer keine Wohnung hat, findet einen Platz im Personaltrakt. Im Moment überlegt Baars, Immobilien in den umliegenden Rhöndörfern anzumieten oder zu erwerben. Das ist dann auch gleich Leerstandsmanagement. Ziel ist, auf dem Gelände moderne Unterkünfte für die Crew zu realisieren.

    Dienstzeiten möglichst ohne Schicht

    40 statt 42 Wochenstunden stehen im Vertrag, ebenso 26 Urlaubstage und familienfreundliche Dienstzeiten möglichst ohne Schicht, wirbt Ben Baars um Mitarbeiter für sein Haus. Gesundheitsangebote und Sportkurse sind gratis, im Angebot sind Yoga, Autogenes Training und Nordic Walking. Momentan laufen Rückentrainings in jeder Abteilung gemeinsam mit der AOK. Nicht zu vergessen die Saisonabschluss-Partys, bei denen die Mitarbeiter dann mal Gäste sein dürfen.

    Karriere im Hotel machen

    Wer auch geistig fit bleiben möchte, der hat volle Unterstützung bei Aus- und Weiterbildung, Auslandsaufenthalten und Studium. „Bei uns kann jeder Karriere machen“, so der Direktor des Rhön-Park-Hotels. Er ist sich sicher: „Wer gute Leute will, muss sich als Arbeitgeber anstrengen.“ Engagierte Mitarbeiter für seine Dienstleistungsbranche zu finden und zu binden, ist eine große Aufgabe für den Manager: „Ich bin wirklich stolz auf mein Team, das pro Jahr 250 000 Gäste versorgt. Daher versuche ich, wo ich kann, zu helfen, zu unterstützen oder zu beraten.“

    Das gilt auch für den Nachwuchs. Dennoch sind im Rhön Park Hotel bei weitem nicht alle Ausbildungsplätze belegt. „Ein schwieriges Thema“, sagt der sonst stets optimistische Niederländer dazu. Doch vielleicht fällt ihm auch hier noch etwas ein.

    Bearbeitet von Simone Stock

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