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    Ostheim

    Musik mit einem ganz besonderen Zauber

    Die Konzertbesucher waren fasziniert von dem Künstler und seinen Glasinstrumenten und nutzten die Gelegenheit, von Martin Hilmer (recht) mehr über die Glasmusik zu erfahren. Foto: Eva Wienröder

    Glasmusik bekommt man nicht alle Tage zu hören. Jörg Schindler-Schwabedissen, der Leiter des Orgelbaumuseums, freute sich, mit Martin Hilmer einen international bekannten Meister dieses Musik-Genres im Schloss Hanstein begrüßen zu können. Der Künstler wusste denn auch mit seinem Spiel zu faszinieren. Die Zuhörer waren begeistert von diesem außergewöhnlichen Konzert, das der Museumsleiter zudem mit Klängen des Harmoniums zusätzlich bereicherte.

    Martin Hilmer stellte während des Konzertes seinem interessierten Publikum seine Instrumente und ihre Funktionsweise vor und gab dabei einen Einblick in die Geschichte der Glasmusik. Trinkgläsern durch Anschlagen oder durch Reibung mit angefeuchteten Fingerspitzen am Glasrand Töne zu entlocken - diese Form der Glasmusik gibt es vermutlich schon so lange, wie es Gläser gibt. Glasmusik hat eine lange Tradition, wie viele alte Quellen belegen. Einer der frühesten Nachweise in Europa für Musikinstrumente aus Glas findet sich Ende des 15. Jahrhunderts mit dem italienischen Komponisten Franchino Gaffurio.

    Gläserspiel hat eine lange Tradition

    Wie Hilmer erklärte, lassen sich Glasinstrumente in drei Arten einteilen: das Gläserspiel, die Glasharmonika und das Verrophon. Das Gläserspiel ist wohl das Glasinstrument mit der ältesten Tradition. Es ist ein Idiophon, das aus mehreren in Reihen angeordneten Trinkgläsern besteht, die durch kreisende Bewegungen mit dem nassen Finger am Rand zum Klingen gebracht werden Daraus entwickelte der Stuttgarter Bruno Hofmann in den 1980er Jahren die sog. Glasharfe. Die Gläser dafür wurden eigens angefertigt und erzeugen einen sehr hellen und zarten Klang.

    Mit der Erfindung der Glasharmonika im Jahre 1761 durch keinen geringeren als Benjamin Franklin, einem der Gründer der USA, begann die Blüte der Glasmusik. Das Instrument besteht aus unterschiedlich großen, ineinandergeschobenen Glasglocken, die auf einer gemeinsamen waagerechten Achse lagern, die wiederum durch ein Pedal in Rotation versetzt werden kann. Zur Tonerzeugung berührt der Musiker die Glockenränder mit angefeuchteten Fingern.

    Eine ungeahnte Tonvielfalt

    Das Verrophon (von franz.: verre = Glas) ist das jüngste Glasinstrument. Es wurde Anfang der 1980er-Jahre  von Sascha Reckert erfunden. Dabei werden Glasrohre senkrecht angeordnet und am verschmolzenen Rand mit den nassen Fingern angestrichen. Die Tonhöhe wird hierbei also nicht durch den Umfang, sondern durch die Länge der Röhren bestimmt, ähnlich wie bei einer Orgel oder Panflöte.

    Es war faszinierend, Martin Hilmer bei seinem Spiel zuzusehen, wie seine Finger zart und geflissentlich über die Gläser glitten und diesen eine ungeahnte Tonvielfalt entlockten. Die Glasmusik mit ihren sphärischen Klängen hat wahrlich einen ganz besonderen Zauber, der auch die Besucher im Schloss Hanstein in seinen Bann zog.

    Die Glasinstrumente für sich bieten ein außergewöhnliches Hörerlebnis, aber auch im Zusammenklang mit dem Harmonium, einem ebenfalls ganz besonderen Instrument, dem das Orgelbaumuseum im Übrigen nunmehr einen eigenen Ausstellungsbereich widmet. Jörg Schindler-Schwabedissen begleitete Martin Hilmer bei einigen Stücken und erfreute obendrein mit weiteren Kompositionen am Harmonium.

    Im Zusammenspiel mit dem Harmonium ein musikalischer Hochgenuss

    Der Museumsleiter und sein Gast wussten den Konzertbesuchern einen musikalischen Hochgenuss zu bescheren, darunter Werke und Bearbeitungen von Mozart, Bach, Reichardt und Schnaubelt. Das Publikum war voller Begeisterung und würdigte die Darbietungen mit reichlich Applaus. Zur Krönung dieses bemerkenswerten Musikereignisses gab es sehr zur Freude der Zuhörer dann sogar noch drei Zugaben.

    Die Glasinstrumente und die virtuose Spielkunst Martin Hilmers fanden große Beachtung bei den Besuchern, die im Anschluss an das Konzert noch die Gelegenheit nutzten, den Künstler zu befragen und die Instrumente näher in Augenschein zu nehmen.

    Der international bekannte Glasmusikkünstler Martin Hilmer (hier am Verrophon) war zu Gast im Orgelbaumuseum Schloss Hanstein in Ostheim. Foto: Eva Wienröder
    Museumsleiter Jörg Schindler-Schwabedissen am Harmonium und Martin Hilmer mit seinen Glasinstrumenten boten ein bemerkenswertes Konzert im Schloss Hanstein. Foto: Eva Wienröder

    Bearbeitet von Eva Wienröder

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