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    MELLRICHSTADT

    Neuseeland - 200 Tage am schönsten Ende der Welt

    VHS-Geschäftsführer Klaus Schemmerling freute sich über den atemberaubenden Film, in dem die Reisejournalisten Petra und Gerhard Zwerger-Schoner aus Innsbruck Neuseeland vorgestellt haben Foto: Gbureck Brigitte

    Die Oskar-Herbig-Halle war am Freitagabend fast bis auf den letzten Platz besetzt. Die Reisejournalisten Petra und Gerhard Zwerger-Schoner und ihre Erzählungen über das Traumland Neuseeland waren ein attraktiver Anziehungspunkt.

    Petra Zwerger-Schoner filmt, Gerhard fotografiert, dabei finden sie eine Symbiose. Unpraktisch für eine Reisejournalistin ist, dass Petra Flugangst hat, meinte ihr Partner, denn 24 Stunden dauert der Flug nach Neuseeland. Im ersten Teil wollten sie die nördliche Insel, im zweiten die südliche beleuchten. Kein Land der Erde ist weiter von Europa entfernt als Neuseeland, über 20.000 km Luftlinie. Es ist dünn besiedelt und hat ca. viereinhalb Millionen Einwohner, die zumeist in den Großstädten leben. 12 Stunden Zeitverschiebung liegen zwischen Neuseeland und Europa. Auckland, der Ausgangspunkt der Reise, wurde 1840 gegründet, über 1,5 Millionen Menschen aus aller Welt sprechen über 20 verschiedene Sprachen. Es ist das am dichtesten besiedelte Gebiet Neuseelands. Mit ihrem Zuhause auf vier Rädern haben beide Freiheit und Unabhängigkeit. Der Vertrag von Waitangi, der ersten Station, ist die älteste Verfassungsurkunde Neuseelands, unterzeichnet in Englisch und Maori.

    Eine martialische Begrüßungszeremonie der Maori ist zu sehen. Am 90 Mile Beach düsten die Reisenden mit einem Geländewagen entlang, wo sich die Muscheln türmen. Auf dem Surfbrett glitt Petra über den Sand und landete am Cape Reinga, einem heiligen Ort der Maori, gekrönt mit einem weißen Leuchtturm. Die Coromandel Halbinsel, der Badestrand von Auckland, war vor einigen hundert Jahren der Schauplatz für den Goldrausch schlechthin. Ein anderer Schatz ist Hot Water Beach, wo Thermalwasser an einem eng begrenzten Abschnitt des Sandstrandes austritt. Ein Besuchermagnet im Landesinneren ist eine Tour zum Hobbiton Movie Set, der einst Schauplatz für den „Herrn der Ringe“ war. Hier liegt die Farm der Familie Alexander, die im Hobbit-Style ausgebaut wurde. Pasha Croes, ein kalifornischer Schauspieler, führte im selbst genähten Hobbit-Kostüm durchs Abenteuerland. 12.000 Schafe gehören zur Alexander-Farm. Schafzucht ist Familientradition. Zweimal pro Jahr werden sie auf den großen Weiden zusammengetrieben und geschoren. Viel Geblöke ist da beisammen. Der Australier Joe Taylor, mittlerweile Show-Scherer, ist eigens zur Schafschur hergeflogen. Weil man aber mit der Schafzucht nicht reich wird, ist die Farm auf die lukrative Rinderzucht umgestiegen.

    Neuseeland ist am Ende des pazifischen Feuerrings, wo ein Großteil von Vulkanen liegt. White Island hat einen sehr aktiven Vulkan. Die Thermalregion Rotarua ist dagegen dicht bewaldet. Sie ist Hotspot für heiße Quellen und Geysire, ein Knotenpunkt für den Massentourismus. Weiter ging die Reise zum Taranaki Nationalpark, einer der regenreichsten Regionen des Landes. Hier sind die Wahrzeichen des Landes zu finden: der Farn und der Kiwi. Dazu wurde die Aufzuchtstation von Eric Fox besucht, der früher Zoodirektor war. Bei Cape Kidnappers ging es die Steilküste entlang bis zur Vogelkolonie, wo 800 Paar Tölpel ihre Jungen aufziehen. 85 Buchstaben hat der längste Ortsname der Welt für einen 305 m hohen Hügel. Und dann ging es in die Hauptstadt Wellington am südlichen Ende der Nordinsel, eine bunte Kunst- und Kulturstadt und eine der sichersten Städte der Welt, wo 500.000 Menschen leben. Wegen starker Windströmungen hat sie den Spitznamen „Windy City“. Hauptstadt und Verkehrsknotenpunkt der Südinsel ist Christchurch. Einst eine touristische Attraktion, richtete ein schweres Erdbeben 2011 Schäden in Höhe von 10 Milliarde Euro an. Mehr als die Hälfte der historischen Gebäude wurde zerstört.

    Gerade beim Filmen gab es wieder Erdstöße. Extrem windig ist die Strecke nach Marlborough Sounds, es regnete in Strömen, auch vier Tage später war keine Besserung in Sicht. Regen, Wind, Schnee und Kälte, ganz selten Sonne, so wird das Klima für Neuseeland beschrieben. Wenn der Regen aufhört, kommen allerdings die lästigen Sandflies, da hilft nur die chemische Keule oder ein Lagerfeuer. Marlborough Sounds mit seiner Fjordlandschaft ist eine sehr einsame Region. Abel Tasman mit seinen Pelzrobben ist nur mit einem Motorboot und dann weiter mit Kanus zu erreichen.

    Die Westküste bietet ein riesengroßes Überraschungspaket: die Pancake Rocks, die Südalpengipfel mit Mt. Tasman, Aoraki/Mt. Cook. Vier Alpen-Nationalparks bilden ein Schutzgebiet. Fjordland-Nationalpark, unerschlossen und unzugänglich, Catlins, unterstes Ende der Welt, und Bay Otago mit einer Kolonie von Gelbaugpinguinen gehören dazu. Mystische Steinkugeln, 50 Moeraki Boulders, sind südlich von Oamaru zu finden.

    Am Ende des beeindruckenden Films tut Petra etwas gegen ihre Flugangst: im Tandem springt sie mit Gerhard und dem Fallschirm aus dem Flieger und zieht das Fazit, dass ihre Flugangst besser wurde und sie sich in die beiden Inseln verliebt hat.

    Das entsprechende Rahmenprogramm zu diesem außergewöhnlichen Abend boten im Foyer die Eine-Welt-Gruppe mit ihren fairen Waren, Bernd Rösner bot landestypische Speisen wie Neuseeländischen Egg-Bacon-Pie mit Kirchererbsen-Erdnuss-Salat an, auch „typisch deutsche“ Snacks waren im Angebot und Hans-Werner Link stellte seine Outdoor-Utensilien aus. Bei einer Verlosung konnten sich die Gewinner über gesponserte Preise freuen.

    Von Brigitte Gbureck

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