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    STOCKHEIM

    Nostalgie für die Ohren

    Pianist Michael Lörcher und Tenor Sebastian Köchig entführten im Rahmen des Eröffnungskonzerts der 17. Stockheimer Kultur- und Oldtimertage mit Filmtiteln und Schlagern in die „gute alte Zeit”. Foto: Tanja Heier

    Je älter der Mensch wird, desto mehr Erinnerungen hat er. Wer die Zeit des Wirtschaftswunders am eigenen Leib erleben durfte, der fühlte sich am Samstagabend im Hof des historischen Centhauses ganz besonders wohl. Hier passte einfach alles: Ein lauer Sommerabend, leckeres Essen, nette Bedienungen – dazu zwei Künstler, die ihr Handwerk verstehen.

    Gerne waren Pianist Michael Lörcher und Tenor Sebastian Köchig der Einladung Wolfgang Klösels zum Eröffnungskonzert der 17. Stockheimer Kultur- und Oldtimertage gefolgt. Im Rahmen seiner Begrüßung versprach der Initiator beste Unterhaltung mit Filmtiteln der 1930-er bis 1960-er Jahre.

    Ein charmanter Conférencier

    Robert Stolz' Schellackschlager „Adieu mein kleiner Gardeoffizier“ sorgte sogleich für wippende Füße und gute Laune. Dank seiner wundervollen Stimme verzauberte Sebastian Köchig besonders die Damen. Manch eine hätte sich vermutlich gewünscht, dass sein charmant dahin gehauchtes Versprechen „Ich werde jede Nacht von ihnen träumen“ aus dem Film Gasparone der Wahrheit entspräche. Auch als Conférencier, der durch das nostalgische Programm führte, machte Köchig eine ausgezeichnete Figur. Gebannt hing das Publikum an seinen Lippen. Die Aussage „Heut ist der schönste Tag in meinem Leben“ glaubte man ihm aufs Wort.

    Schlager und der Zeitgeist

    Informativ klärte der Tenor über den Bezug des Schlagers zum jeweiligen Zeitgeist seiner Entstehung auf. In den Kriegsjahren bedurfte es dringend der sogenannten „Durchhalteschlager“, welche den Menschen Mut machten und sie nicht verzweifeln ließen. Große Gefühle spielten in allen Jahrzehnten eine Rolle in der Unterhaltungsmusik. Mit „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau'n“, verabschiedete sich das Duo in die Pause.

    Wirtschaftswunder

    Danach drehte sich zur Abwechslung mal nicht alles um die Liebe. „Geh'n sie mit der Konjunktur“ – willkommen in der Wirtschaftswunderzeit. Der „Badewannentango“ durfte als Hommage an Peter Alexander verstanden werden; auch der Song von den „Süßesten Früchten“ ließ den beliebten Entertainer noch einmal lebendig werden. Bill Ramsey wird „weißer Sänger mit schwarzer Stimme“ genannt. Das Publikum sang begeistert mit, als Sebastian Köchig dessen „Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe“ seinen eigenen Stempel aufdrückte. Die Pointe am Schluss wirkte dank Köchigs schauspielerischem Talent besonders erheiternd – war die attraktive Dame doch keine orientalische Schönheit, sondern ganz ernüchternd Elfriede aus Wuppertal.

    Sehnsucht nach dem Meer

    Freddy Quinn und Hans Albers verkörperten bei ihren Auftritten die Sehnsucht nach dem Meer. Dem Conférencier gelang es, diese Emotion mit „La Paloma“ und „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ in die Rhön zu holen. Von Hamburg ging die musikalische Reise weiter nach Österreich. „Im Prater blüh'n wieder die Bäume“, eine Liebeserklärung an die Stadt Wien. Mit dem Chiantilied verabschiedeten sich Michael Lörcher und Sebastian Köchig von der Bühne. Nicht enden wollender Applaus brach sich Bahn. „Sie haben es ja nicht anders gewollt“, witzelte der Tenor, bevor die Musiker ihr begeistertes Publikum mit Rudi Schurickes „Caprifischern“ in die hereinbrechende Nacht entließen.

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