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    Burgwallbach

    Pokalkracher in Burgwallbach: Navi, Plastikbecher und ein Tiefschlag

    Den Pokalkracher gegen den großen FC Ingolstadt wollten sich viele Zuschauer am Dienstagabend in Burgwallbach nicht entgehen lassen.  Foto: Anand Anders

    Die erste Runde im Verbandspokal des Bayerischen Fußballverbandes hat dem SV Burgwallbach I/Bad Neustadt ein Highlight beschert. Gast auf dem nagelneuen Fußballplatz des SV war der FC Ingolstadt, die "Schanzer" aus der 3. Liga. Und der lokale Berichterstatter durfte bei diesem Event direkt mit dabei sein. Die Stimmung ein wenig einfangen und vor allem die Augen aufmachen und die Ohren spitzen, das wurde mir von der Redaktion aufgetragen: "Das Sportliche, das machen dann schon die, welche was davon verstehen", soweit die Ansage aus der Redaktion. Und sportlich setzte sich auch der haushohe Favorit aus Ingolstadt erwartungsgemäß mit einem 8:1-Auswärtssieg durch.

    Zurück zum "Nicht-Sportlichen". Ich habe mich rechtzeitig auf den Weg in die Burgwallbach-Arena gemacht. Ich habe es ja nicht so weit, gerade mal über den Berg rüber von Schönau und um 17.15 Uhr war ich an Ort und Stelle. Beginn des Spiels um 18.30 Uhr, genug Zeit mich umzuhören. Wie viele Zuschauer werden kommen? "Schwierig zu sagen. Mit einer vierstelligen Zahl wären wir schon zufrieden", die ersten Aussagen waren da recht optimistisch. Dann wurde mir sogar eine Stadionzeitung in die Hand gedrückt mit der Vorstellung der beiden Mannschaften und dem Wunsch der Burgwallbacher an den Gegner für ein "faires Spiel und viel Erfolg in der aktuellen Saison".

    Die "Schanzer" sind da. Es soll das Spiel des Jahres für den SV Burgwallbach gegen den FC Ingolstadt werden. Und brav packen die Spieler des FC die Container mit den Trikots aus dem Bus. Foto: Manfred Zirkelbach

    Mit dem Navi Burgwallbach gefunden

    Da ist eher die Vorfreude auf ein freundschaftliches Zusammentreffen statt eines rassigen Pokalfightes herauszulesen. Respekt für den höherklassigen Gegner ist nicht zu übersehen. Um 17.30 Uhr ist es noch relativ ruhig rund um das Sportgelände und es kommt erst so richtig Bewegung auf bei den ankommenden Fans, als der Bus mit den "Schanzern" auf den Parkplatz vor dem Sportheim einbiegt. Ob sie denn Burgwallbach gleich gefunden haben? Der Busfahrer lächelt überlegen. "Für was ham mer denn ein Navi?" Na also. Was für eine dumme Frage aber auch.

    Aufgeregt warten die Einlaufkinder auf ihren großen Moment, um die Spieler aus Ingolstadt und Burgwallbach auf das Spielfeld zu begleiten. Foto: Manfred Zirkelbach

    So nach und nach kommen die Fans dann doch. Die Einlaufkinder sind da, die Mütter sind aufgeregter als die Knirpse. Aus allen umliegenden Fußballvereinen wurden sie eingeladen, wird mir gesagt. Und sie sind auch ganz stolz auf ihren Einsatz. "Ein Tipp zum Ergebnis?" "4:0 für Ingolstadt", meint einer von ihnen: "Nee, 4:1, ein Tor schießen wir schon auch", ist der Nachbar schon optimistischer. Und die Einlaufmädels? "3:1, ganz sicher!" Da bin ich aber mal gespannt.

    "Wir wern se scho satt kriegen"

    "Noch ne Bratwurscht?" Fußball macht hungrig. Die Burgwallbacher hatten gleich vier Buden mit Bratwurst und Bier aufgebaut und versorgten die Fans während des munteren Spiels mit gegrillten Leckereien. Foto: Manfred Zirkelbach

    Inzwischen sind die Bratwurstgrills angefahren. Die ersten Bratwurstjäger sind auch schon unterwegs. "Wir wern se scho satt kriegen", so Jürgen Schäfer aus Leutershausen, der aus der Bratwurstbude grinst. Inzwischen sind die beiden Mannschaften auf dem Platz um sich warm zu machen. Für Stadionsprecher Florian Balling auf der Terrasse des Sportheimes wird es ernst. Er checkt schon mal den Spielbericht für seine Ansage: "Ham mer denn einen richtigen bekannten Spieler bei den Schanzern dabei?"

    Ich bin halt mal neugierig und guck dem Florian über die Schulter. Der Kerschbaumer ist mir auf jeden Fall bekannt, der war schon in der 1. Bundesliga aktiv, das weiß ich, auch wenn es mit meinem Fußballverstand nicht so weit her ist. Sagt jedenfalls die Redaktion. Und dann noch der absolute Tiefschlag. "Mensch, Manfred, du und Fußball. Des musste mir erklär!" Der Fredi Breunig grinst über alle Backen. Na ja, zugegeben, so viel Zeit hab ich zuletzt weiß Gott nicht auf Sportplätzen zugebracht.

    Der Ehrentreffer als absolutes Highlight des Spiels

    Fast pünktlich um 18.35 Uhr geht es los. Jeder Angriffsversuch in Richtung Ingolstädter Tor wird mit Beifall registriert. Und die Zuschauer nehmen es schon fast demütig hin, als die ersten Tore wie reife Früchte im Burgwallbacher Netz landen. Beim Stand von 0:4 dann das absolute Highlight des Spiels. Ein richtig fein herausgespielter Konter landet zum 1:4 im Netz der Ingolstädter. Es bleibt der einzige Treffer für die tapfer kämpfenden Burgwallbacher an diesem Abend. Aber er war sehenswert.

    Der Bernhard hat alles im Blick. Gut gelaunt aber mit kritischem Blick verfolgt Bernhard Fleckenstein von der Terrasse des Sportheims das Spiel seines SV gegen die doch haushoch überlegenen Gäste aus Ingolstadt. Foto: Manfred Zirkelbach

    So sieht es auch Bernhard Fleckenstein oben auf der Terrasse des Sportheims. Und Winfried Mölter ist da ganz seiner Meinung: "Wenns nicht zweistellig wird, dann ist das ein gutes Ergebnis". Sein Wunsch geht auch tatsächlich in Erfüllung. Pünktlich pfeift Schiri Steffen Ehrwald das Spiel beim Stand von 1:8 ab. "Gut gemacht", "gut mitgespielt", "flottes Spielchen", das waren die absolut positiven Kommentare zum Schluss. Da konnte man sich schon noch ein Bierchen aus dem Plastikbecher gönnen. 

    Gewöhnungsbedürftige Plastikbecher

    Dabei kamen die Verantwortlichen in Sachen Getränke zunächst mächtig ins Rudern. Denn der Getränkelieferant hatte versehentlich Glasflaschen geliefert. Diese wurden schließlich auch anfänglich in den Umlauf gebracht. Aufgrund einer Regelung des Fußballverbandes mussten die Getränke aber schließlich in einen Plastikbecher umgefüllt werden. Na ja, für einen gestandenen Rhöner doch "e weng gewöhnungsbedürftig".

    "Was die Großen können, können wir auch". Die Einlaufkinder haben sich einen Fußball geschnappt und während die Großen auf Torejagd gehen, sind die Kinder voll in ihrem Element. Foto: Manfred Zirkelbach

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