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    Bad Neustadt

    Probleme am ZOB: Die Stadt greift nun ein

    Mit einem Maßnahmenbündel will die Stadt die Sicherheit am Busbahnhof erhöhen. Foto: Christian Hüther

    Herausgerissene Edelstahlhaltegriffe, Schmierereien, massive Beschädigung von Fließen und Schaltern im Inneren oder auch eingetretene Türen. Rund alle ein bis zwei Wochen wird von bislang unbekannten Tätern blinde Zerstörungswut an der neuen und modernen Toilettenanlage am Zentralen Omnisbusbahnhof (ZOB) ausgelassen. Dabei ist die Anlage noch nicht einmal ein Jahr in Betrieb. Der Gesamtschaden bewegt sich mittlerweile schon im fünfstelligen Bereich - rund 10 000 Euro bislang. 

    Nicht nur Michael Weiß, geschäftsleitender Beamter der Stadt, und Fabian Helmerich, Leiter des Ordnungsamtes, schütteln ob dieser Zerstörungswut den Kopf und sind sauer. Hinnehmen wollen sie diesen Zustand nun aber nicht mehr. "Wir haben bislang noch keinen Täter dingfest machen können und handeln nun", sagt Weiß bei einem Gespräch am Ort des Geschehens. Nachdem der vordere Bereich des ZOB bereits seit längerer Zeit videoüberwacht wird, sollen bald auch zwei Kameras im Eingangsbereich der Toilettenanlage installiert werden. "So können wir zumindest einmal feststellen, in welchem zeitlichen Zusammenhang solche Beschädigungen passieren und wer die Täter sein könnten", hofft Weiß.

    Der Eingangsbereich der noch recht jungen Toilettenanlage am Busbahnhof soll nach mehrmaliger Zerstörungswut künftig mit zwei Kameras videoüberwacht werden. Foto: Christian Hüther

    Schadenssumme übersteigt Kamerakosten schon deutlich

    Die Polizei habe für diese Stelle eine entsprechende Gefährdungsbeurteilung abgegeben. Die ist eine zwingende Voraussetzung für eine Videoüberwachung. Da auch die Datenschutzbeauftragte des Landkreises für die Installation bereits grünes Licht gegeben hat, rechnen die Verantwortlichen mit einem Start schon in diesem Sommer. "Denn die Größenördnung der Schäden übersteigt in dieser kurzen Zeit jetzt schon das Vierfache von dem, was die Kameras kosten", rechnet Michael Weiß vor. 

    Beschleunigungsrennen in den Abendstunden

    Ein weiteres, aktuelles Problem spielt sich laut Fabian Helmerich nur wenige Meter entfernt von der Toilettenanlage ab. Vornehmlich junge Erwachsene würden in den Abendstunden über die lange Gerade des Parkplatzes am Volksfestplatz rasen. Der vorhandene Gummiabrieb an verschiedenen Stellen ist noch jetzt eine sichtbare Spur. Und der kommt nicht vom normalen Anfahren. Im Gegenteil: Stattdessen werden dort offenbar immer häufiger sogenannte Beschleunigungsrennen veranstaltet. Dazu wird nach dem Aufenthalt der Müll nicht entsorgt, sondern einfach auf den Boden geworfen.

    Gummiabrieb als deutliche Spur: Die Stadt will den gefährlichen Beschleunigungsrennen von Jugendlichen am Busbahnhof Herr werden - beispielsweise mit Lasermessungen durch die Polizei. Foto: Christian Hüther

    Tempo-30-Zone kommt wohl

    Als Konsequenz steht laut Helmerich dort eine neue Verkehrsregelung kurz vor dem Abschluss. Die Stadt will den Bereich in Zukunft als Tempo-30-Zone ausweisen. "Wir haben das mit der Polizei auch aus Sicherheitsaspekten abgewogen, da wir hier einen deutlichen Besucherzustrom haben", erklärt Helmerich. Um der Raser-Problematik Herr zu werden, wird die Polizei außerdem in Zukunft auf dem Parkplatz über Monate hinweg mit der Laserpistole die Geschwindigkeit kontrollieren. "Davon versprechen wir uns einen abschreckenden Charakter", so der Leiter des Ordnungsamtes. In seinen Augen sei es schwierig, als Alternative dort eine dauerhafte Wache einzurichten, die nach dem Rechten sieht. Neben diesen beiden Mitteln sind zudem die Pläne für die Einführung eines Kommunalen Ordnungsdienstes weit fortgeschritten.

    Würden sich die Jugendlichen dort normal verhalten, hätte Michael Weiß damit laut eigenen Aussagen auch kein Problem. Er wolle die Jugendlichen auch nicht vertreiben, sagt er. Der Spaß höre aber auf, wenn Angst verbreitet werde. "Eine Frau hat mir erzählt, dass sie eines Tages an einem Abend aus der Stadt kam und zu ihrem Auto gelaufen ist, als sich die Jugendlichen dort an ihren Fahrzeugen befanden und Musik hörten. Plötzlich haben diese die Scheinwerfer ihrer Autos eingeschaltet und das Licht auf die Frau gerichtet. Diese hat daraufhin Angst gehabt. Da ist dann eine Nummer, die geht nicht", so Weiß. "Sobald eben Dritte davon negativ betroffen sind, sind wir aufgerufen zu reagieren", pflichtet ihm Helmerich bei.

    Verdrängungseffekt droht

    Der Gefahr, dass nach dem Eingreifen der Stadt am Busbahnhof eine Art Verdrängung stattfinde und dass sich die jungen Menschen dann einen anderen Platz suchen könnten, ist sich Weiß bewusst. Das zeigen Beispiele von anderen Orten, zum Beispiel am Brendufer, am Spielplatz der Jahnstraße oder im Innenhof der Grundschule. Auch, dass die Stadt des Öftern den Problemen hinterher laufen muss. Aber das ändere nichts daran, dass man etwas machen müsse.

    "Die Sicherheit ist ein teures Gut. Aber das soll für die Bevölkerung ein Signal sein, dass wir sie nicht alleine lassen und nicht nur zusehen", ergänzt Fabian Helmerich im Hinblick auf die nicht wirklich geringen Kosten, die mit den Maßnahmen einhergehen. "Das muss man auch so benennen. Denn anders werden wir dem nicht mehr Herr".

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