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    Bad Königshofen

    Rechtslenker: Daniel Dell'Erba schaffte Umstellung mit links

    Hat sich schnell und ohne große Probleme umgestellt: Daniel Dell’Erba am Steuer seines zwölf Jahre alten Citroen Berlingo, der das Lenkrad auf der rechten Seite hat. Foto: Alfred Kordwig

    Ein 43-jähriger Bad Königshöfer fährt ein Auto mit dem Lenkrad auf der rechten Seite. Der Wagen war preiswert zu haben - und hat noch einige weitere Vorteile.

    Auf den ersten Blick sieht der kleine Kombi aus wie ein ganz normales Auto.  Vier Räder dort, wo sie hingehören, ebenso viele Seitentüren und eine Motorhaube mit einem darunter liegenden, 90 PS starken Dieselmotor - zunächst deutet nichts darauf hin, dass der 12 Jahre alte Citröen Berlingo etwas Besonderes an sich haben sollte.

    Beim näheren Hinsehen dann die Überraschung: Das Auto hat das Lenkrad nicht links, wie es in Deutschland und den meisten Ländern der Welt üblich ist, sondern befindet sich auf der rechten Seite. Fährt der Wagen los, könnte man beim flüchtigen Hinsehen meinen, dass er ohne Fahrer unterwegs ist.

    Mal kurz rechts ranfahren und sich lässig mit Passanten unterhalten: Ein Rechtslenker hat gegenüber „normalen Autos“ durchaus einige Vorteile zu bieten. Foto: Alfred Kordwig

    Rechtslenker sind in Deutschland günstiger

    Der Rechtslenker-Pkw gehört Daniel Dell’Erba. Er hat hat sich den Wagen vor einem Jahr gekauft. „Mich hat es schon immer gereizt, einmal ein Auto mit Rechtslenkung zu fahren“, so der Bad Königshöfer, der aus dem Gastronomie-Fach kommt und momentan aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann. „Außerdem kostet so ein Auto in Deutschland deutlich weniger als eines mit Linkslenkung „erzählt der Vater von zwei Kindern, der seit fünf Jahren in der Badestadt lebt. In Zahlen ausgedrückt: Als Linkslenker hätte der gebrauchte Berlingo rund 3000 Euro gekostet. Für seinen Wagen musste Daniel Dell’Erba dagegen nur 2000 Euro hinblättern und konnte somit 1000 Euro an Anschaffungskosten sparen.

    Umstellung war kein Problem

    Die Umstellung auf den Rechtslenker war für den 43-Jährigen nach eigener Aussage kein Problem. „Das hat schnell und gut geklappt.“ Auch dass er jetzt mit der linken anstatt der rechten Hand schalten muss, daran habe er sich mittlerweile gewöhnt. Trotzdem würde er sich beim nächsten Mal einen Rechtslenker mit Automatikgetriebe kaufen. „Das ist einfach bequemer und vor allem dann hilfreich, wenn man wie ich immer wieder auch einmal mit einem Linkslenker-Auto unterwegs ist.“

    Für Daniel Dell’Erba halten sich die Vor- und Nachteile seines vor über zehn Jahren erstmals in England zugelassenen Autos die Waage. Problematisch ist zum Beispiel das Überholen. „Wenn man genügend Abstand hält, klappt das aber ganz gut“, meint der Bad Königshöfer. Weitere Herausforderung: das Ziehen eines Parkhaustickets oder das Anfahren eines Drive-In. Das funktioniert in der Regel nur,  wenn der Halter eines Rechtslenkerautos aussteigt oder einen Beifahrer mit an Bord hat.

    Hat die Anschaffung nicht bereut: Daniel Dell’Erba ist zufrieden mit seinem Rechtslenker, den er sich vor einem Jahr gekauft hat. Foto: Alfred Kordwig

    Briefe einwerfen ohne auszusteigen

    Den Kauf seines Wagens, mit dem er schon über 10 000  Kilometer zurückgelegt hat, hat Daniel Dell’Erba bislang trotzdem nicht bereut. Das liegt an einigen Vorteilen, die so ein Auto mit Rechtslenkrad eben auch hat. Muss der Fahrer nach dem Weg fragen und fährt dafür rechts heran, ist das deutlich einfacher zu bewerkstelligen als bei einem Linkslenker. Auch das Einwerfen von Briefen oder das Ziehen von Zeitungen ist vom Steuer aus möglich. Deutlich leichter ist zudem der Schulterblick für die Fahrradfahrer beim Rechtsabbiegen oder beim Überholen auf der Autobahn. „Schön ist es auch, dass ich nach dem Aussteigen sofort auf dem Gehweg stehe, wenn ich rechts am Straßenrand parke“  nennt der Rechtslenker-Fan eine weitere Annehmlichkeit seines Autos.

    Leute schauen ungläubig hinterher

    Wie viele Rechtslenker-Autos im Landkreis Rhön-Grabfeld unterwegs sind, kann Daniel Dell’Erba nicht einschätzen. „Viele werden es jedenfalls nicht sein“, meint er. Auch die Zulassungsstelle im Landratsamt in Bad Neustadt kann darüber keine Auskunft geben, da  die Fahrzeuge dort nicht gesondert erfasst werden. Dass der Wagen des Bad Königshöfers ein echter Exote ist, daran gibt es aber keinen Zweifel. „Wenn ich durch die Stadt fahre, schauen mir immer noch viele Leute ungläubig hinterher“, sagt Dell’Erba. Zu 100 Prozent ht er sich noch nicht an seinen Rechtslenker gewöhnt, wie er schmunzelnd zugibt:  „Manchmal passiert es mir immer noch, dass ich auf der linken Seite in mein Auto einsteigen will.“

    Linkslenker und Rechtslenker
    Als Rechtslenker wird ein mehrspuriges Kraftfahrzeug bezeichnet, das für den Linksverkehr ausgelegt ist, weil sich das Lenkrad auf der rechten Seite befindet. Entsprechend heißt ein Fahrzeug für den Rechtsverkehr Linkslenker. Der Anteil von Rechtslenkern an der weltweiten Fahrzeugproduktion macht nur 25 Prozent aus. Die größten Märkte sind Großbritannien, Australien, Japan, Indien und Südafrika, in denen bis auf Australien auch die größten Hersteller von Rechtslenkern lokalisiert sind. In fast allen Ländern haben Fahrzeuge das Lenkrad auf der Seite der Straßenmitte, damit der Fahrer die Straße besser überblicken kann. Aus Sicherheitsgründen haben manche Länder den Verkauf oder Import von Fahrzeugen mit dem Lenkrad auf der gemäß den Verkehrsregeln in diesem Land verkehrten Seite verboten. Andere Länder, so auch Deutschland, verlangen keine Umrüstung, aber zumindest eine Umstellung der Fahrzeugscheinwerfer, damit der Gegenverkehr nicht geblendet wird. Quelle: Wikipedia

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