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    Stockheim

    Retter-Medaille für die Stockheimer Helden

    Die drei Stockheimer, die Pfarrer Andreas Hutzler am 6. Februar aus dem brennenden Pfarrhaus gerettet haben, wurden am Montag im Haus der Regierung von Unterfranken mit der Medaille "Patrona Bavariae" und einer Urkunde ausgezeichnet. Im Bild (von links) der stellvertretende Landrat Peter Suckfüll, Bürgermeister Martin Link, Regierungspräsident Eugen Ehmann, Sonja Mühlfeld, Sabine Tzscheutschler, Daniel Krause und der Landtagsabgeordnete Paul Knoblach. Foto: Nicolas Rupp/Regierung von Unterfranken

    Als am 6. Februar das Stockheimer Pfarrhaus lichterloh brannte, zögerten Sabine Tzscheutschler, Sonja Mühlfeld und Daniel Krause keine Sekunde und retteten Pfarrer Andreas Hutzler mit einer Leiter aus dem Fenster seines Schlafzimmers im Obergeschoss, wo er von den Flammen eingeschlossen war. Eine Heldentat, die belohnt werden musste, dessen war sich Bürgermeister Martin Link sofort bewusst.

    Wenige Tage nach dem Brand setzte er sich mit der Regierung von Unterfranken in Verbindung und fragte nach einer Möglichkeit, die drei Retter auszuzeichnen. Am Montagnachmittag erhielt das Trio nun in Würzburg die Medaille "Patrona Bavariae", eine staatliche Auszeichnung für die Rettung von Menschen aus Lebensgefahr. Eine Anerkennung für ihren mutigen Einsatz, der ihrer Meinung nach "einfach selbstverständlich" war. 

    Stolz auf die Lebensretter

    Sabine Tzscheutschler hatte kurz nach 4 Uhr am 6. Februar beim Gassi gehen mit ihrem Hund die Hilferufe des Pfarrers aus dem brennenden Pfarrhaus gehört und Feueralarm ausgelöst. Nachbar Daniel Krause war ebenfalls gleich vor Ort. Er stürmte zurück in seinen Hof, schnappte sich eine zufällig bereitstehende Leiter und rannte wieder zum Brandort. Sonja Mühlfeld, die vis à vis zum Pfarrhaus wohnt, stand da schon parat, erklomm die Leiter und half Pfarrer Hutzler, aus dem Fenster zu klettern. Am Boden wurde ihnen erst bewusst, wie dramatisch die Lage war: Der Dachstuhl des Pfarrhauses brannte da schon lichterloh.

    Am Montag haben die Sanierungsarbeiten am Pfarrhaus in Stockheim begonnen – acht Monate nach dem Brand geht nun der Wiederaufbau los. Als erstes wird der Dachstuhl erneuert. Foto: Simone Stock

    "Ich bin sehr stolz auf die drei Retter, die ihr Leben für den Pfarrer riskiert haben", sagt Bürgermeister Martin Link. Als Anfang August die Nachricht bei ihm eintraf, dass die drei für die Medaille "Patrona Bavariae" auserkoren wurden, freute er sich umso mehr. Sabine Tzscheutschler, Sonja Mühlfeld und Daniel Krause wurden von der Nachricht der Ehrung völlig überrascht und wollten diese zunächst gar nicht annehmen. "Wir haben einfach schnell reagiert und das Richtige getan", sagt Sabine Tzscheutschler bescheiden. Nach und nach machte sich dann aber doch Freude über die Auszeichnung, die Regierungspräsident Eugen Ehmann vornahm, breit. 

    Schnell und mutig gehandelt

    "Ich freue mich besonders darüber, dass Sie die Situation sofort erkannt haben und dann schnell und umsichtig gehandelt haben. Die größte Ehrung für Sie alle als Retter ist freilich, dass Sie einem Menschen in seiner Not helfen konnten und ihm das Leben gerettet haben", sagte Ehmann in seiner Laudatio, bevor er den Rettern die Medaille "Patrona Bavariae" mitsamt einer Urkunde überreichte.

    Bürgermeister Martin Link lud seine Helden am Montag zunächst zum Essen ein, um sich auch vonseiten der Gemeinde noch einmal erkenntlich zu zeigen. Nach der Verleihung der Medaille klang der Tag für die Stockheimer gesellig aus.

    Arbeiten am Pfarrhaus haben begonnen

    Martin Link hatte am Montag noch einen weiteren Grund zur Freude: Passend zur Ehrung haben die Sanierungsarbeiten am Pfarrhaus in Stockheim begonnen – acht Monate nach dem Brand geht nun der Wiederaufbau los. Als erstes wird der Dachstuhl erneuert, über die Wintermonate soll der Innenausbau erfolgen. Das Gebäude ist innen völlig entkernt – der Brand und auch das Löschwasser hatten die Gebäudesubstanz stark in Mitleidenschaft gezogen, Decken und Wände waren eingebrochen.

    Die Schäden im Innern des Pfarrhauses in Stockheim sind enorm. Das Gebäude gleicht einem Rohbau. Foto: Eva Wienröder

    Das lange Warten auf die Sanierung war laut Martin Link zahlreichen Verhandlungen geschuldet, die unter anderem mit der Gebäude-Eigentümerin, der katholischen Pfarrpfründestiftung mit Sitz in Regensburg, und dem Denkmalamt zu führen waren. Die Behörde hat bei der Sanierung des Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäudes ein Wörtchen mitzureden.

    Gemeinde übernimmt das Pfarrhaus

    Da die politische Gemeinde Stockheim als Versicherungsnehmer ohnehin die Verantwortung für den Wiederaufbau des Pfarrhauses trägt, hat Martin Link mit dem Ordinariat verhandelt und Nägel mit Köpfen gemacht. Die Gemeinde kauft das ortsbildprägende Gebäude, saniert es und stellt es dann wieder als Pfarrhaus zur Verfügung. 

    Als Mitglied der Streutalallianz kann die Gemeinde bei der Sanierung von der Städtebauförderung profitieren. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung die dafür notwendige Bedarfsmitteilung beschlossen. Etwa ein Jahr werden die Arbeiten am und im Gebäude dauern, schätzt Link, bis Pfarrer Hutzler wieder einziehen kann.

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