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    Bad Neustadt

    Rhön-Grabfeld: Aufsteiger mit rosigen Zukunftsaussichten

    Der Landkreis Rhön-Grabfeld entwickelt sich laut des aktuellen Prognos-Zukunftsatlases weiterhin überdurchschnittlich positiv, allen voran im Bereich "Wettbewerb und Innovation". Eine Innovation ist die 2017 eröffnete "Arena der Digitalisierung" im Siemens-Elektromotorenwerk in Bad Neustadt (im Bild).   Foto: Stefan Kritzer

    Geografisch gesehen liegen zwischen dem Landkreis Rhön-Grabfeld und dem Kreis Kassel beziehungsweise der Stadt Leipzig einige Kilometer. In einer aktuellen Statistik sind alle drei genannten eng beieinander und ganz weit vorne. Der jüngst veröffentlichte Prognos-Zukunftsatlas 2019 weist das Trio im Vergleich zur ersten Erhebung im Jahr 2004 als die besten Aufsteiger aus - der Landkreis Rhön-Grabfeld rangiert auf Platz 3.

    Im Vergleich aller 401 untersuchten kreisfreien Städte und Landkreise in ganz Deutschland liegt Rhön-Grabfeld mit Platz 115 im vorderen Drittel - in direkter "Nachbarschaft" mit den Landkreisen Fulda und Augsburg. Bei der vergangenen Statistik vor drei Jahren stand noch Rang 122 zu Buche. Laut Landrat Thomas Habermann fällt damit immer wieder auf, dass sich der Landkreis Rhön-Grabfeld überdurchschnittlich positiv entwickelt

    29 Indikatoren aus vier Bereichen

    Aber anhand welcher Kriterien stellt die Schweizer Prognos AG alle drei Jahre den Zukunftsatlas auf? Die Zukunftsperspektiven der Regionen werden in Anlehnung an zahlreiche Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung anhand eines Zukunftsindex bestimmt. Dieser Index beruht auf insgesamt 29 makro- und sozioökonomischen Indikatoren aus vier Bereichen: Demografie, Arbeitsmarkt, Wettbewerb und Innovation, Wohlstand und Soziale Lage. Alle Indikatoren unterteilen sich jeweils noch in Stärke- und Dynamikindikatoren und ergeben schließlich ein Gesamtergebnis für jede untersuchte Stadt oder Region. Größeneffekte wurden laut Prognos relativiert, so dass große Standorte durch ihre hohe Einwohnerzahl nicht bevorzugt werden.

    Beim Blick auf den Landkreis Rhön-Grabfeld fällt auf, dass er vor allem mit einem starken 44. Platz (Platz 86 im Jahr 2016) in der Kategorie "Wettbewerb und Innovation" punkten kann. "In den letzten 12 Jahren konnten viele Systemtransformationen und Innovationen in Gang gesetzt werden, bei dem wir in Rhön-Grabfeld überdurchschnittlich bewertet werden", freut sich Thomas Habermann. Digitalisierung, Standorttreue, Breitbandausbau, Forschungsaktivität, ökologische Themen, Arbeitsmarktentwicklungen und Bildungsinfrastruktur seien laut Landrat demnach nur wenige der Themen, die im Landkreis nicht nur statistisch, sondern auch klar räumlich ins Auge stächen.

    In Rhön-Grabfeld herrscht eine hohe Dynamik

    Deutlich steigende Zukunftschancen werden dem Landkreis auch bei der Demografie attestiert (Anstieg von 362 auf 288), es herrsche eine hohe Dynamik (Anstieg von 288 auf 196) und eine fast gleichbleibende Stärke (99 auf 97).

    Abstriche machen muss der Landkreis diesmal in den Bewertungen der Kategorien Wohlstand (Abstieg von Rang 60 auf nun 120) und Arbeitsmarkt (von Rang 157 im Jahr 2016 auf 198 in diesem Jahr). Laut Dr. Jörg Geier, Leiter der Stabstelle Kreisentwicklung am Landratsamt Bad Neustadt, konnte der Landkreis in Sachen Demografie in den letzten drei Jahren der Hochkonjunktur feststellen, dass wieder vermehrt Menschen zwischen 20 und 50 zum Arbeiten herziehen. Das verbessert schließlich den Wanderungs- und Zuzugssaldo - verschlechtert zudem die Saldi der Herkunftsregionen. "Die flüchtlingsbedingten Bewegungen sind in der Statistik regional nicht signifikant und spielen daher keine Rolle", so Geier. 

    Erklärung für rückläufige Werte

    Die Werte für Wohlstand und Arbeitsmarkt lassen sich Geier zufolge dahingehend interpretieren, dass sich die Lohnsituation andernorts (besonders in Ballungsgebieten) noch dynamischer entwickelt hat. Wenn man die Preisentwicklung bei Mieten und Eigentum vergleicht, relativiert sich das so stark, dass sich diese Faktoren nicht allzu negativ in der Gesamtbilanz auswirken.

    Nachdem sich der Zukunftsatlas vor drei Jahren noch speziell dem Thema Digitalisierung gewidmet hatte, wurde diesmal die Wohnungsbaulücke unter die Lupe genommen. Anhand des sogenannten Immobilienatlas herrschen in Rhön-Grabfeld "Entspannte Wohnungsmärkte ohne Wohnungsbaulücke".  Das ist beispielsweise in der Stadt Schweinfurt anders, die in der Studie als einzige Stadt in Mainfranken angespannte Wohnungsmärkte mit einer überdurchschnittlichen Lücke aufweist.

    Im Vergleich zu den Nachbarlandkreisen muss sich Rhön-Grabfeld (Rang 115)  im Zukunftsatlas keineswegs verstecken. Mit Rang 24 schneidet die Stadt Würzburg am besten ab, es folgt die Stadt Schweinfurt (112), die Landkreise Würzburg (149), Bad Kissingen (214), Schweinfurt (229) und die Haßberge (245). 

    Habermann: "Ausgezeichneter, regionaler Mannschaftsgeist"

    Die insgesamt guten Zukunftsaussichten des Landkreises Rhön-Grabfeld erklärt sich Landrat Thomas Habermann aber nicht anhand von vereinzelten Bemühungen. Vielmehr "ist es das Resultat eines ausgezeichneten, regionalen Mannschaftsgeistes, der uns hier in Rhön-Grabfeld auszeichnet". Unternehmen, Ehrenamtliche, Bürger, Verbände und die Politiker mit den jeweiligen Verwaltungen hätten gemeinsam an dieser Entwicklung mitgearbeitet. "Darauf können wir alle gemeinsam stolz sein", so endet die Laudatio des Landkreischefs. 

    Dieser Artikel wurde am 23.07.2019 (09:35 Uhr) aktualisiert.

    Der aktuelle Zukunftsatlas 2019 sagt dem Landkreis Rhön-Grabfeld "hohe Chancen" voraus. Bundesweit gesehen ist er im Vergleich der vergangenen 15 Jahre einer der Aufsteiger deutschlandweit. Foto: Grafik: Prognos/Annette Päsler
    Der Prognos-Zukunftsatlas
    Wie gut sind Deutschlands Kreise und Städte für die aktuellen Wachstums- und Veränderungsprozesse sowie die Zukunft gewappnet? Wie schneiden sie im Standortranking ab? Das ermittelt die Schweizer Prognos AG alle drei Jahre in ihrem Zukunftsatlas - das einzige deutschlandweite Ranking, das regionale Entwicklungen bereits seit mehr als 15 Jahren sichtbar macht. Dem Landkreis Rhön-Grabfeld kann demnach eine positive Entwicklung bescheinigt werden. Lag er im Jahr 2007 beispielsweise noch im hinteren Drittel auf Rang 318, folgte drei Jahre später der Sprung auf 151. Die beste Platzierung gab es 2013 mit Rang 106 und schließlich Rang 122 im Jahr 2016. Dabei machte sich laut damaliger Aussage von Dr. Jörg Geier, dem Leiter der Stabstelle Kreisentwicklung am Landratsamt, unter anderem der Verkauf von 40 Kliniken der Rhön-Klinikum AG bemerkbar.
    Sieger im diesjährigen Ranking ist wenig überraschend Stadt und Landkreis München, wobei das Feld der 401 Kreise und kreisfreien Städte laut Prognos erstmals seit Jahren wieder etwas näher zusammen gerückt ist. 

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