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    Bad Neustadt

    Rhöner Arbeitsmarkt: Nach wie vor mehr Lehrstellen als Bewerber

    Dagmar Hildebrandt übernimmt ab 2020 die Leitung der Agentur für Arbeit Bad Neustadt. Vorgestellt wurde die neue Leiterin vom Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, Thomas Stelzer (rechts) und Berufsberater Wolfgang Schmitt. Foto: Stefan Kritzer

    Die Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit in der Kreisstadt bekommt zu Beginn des neuen Jahres eine neue Leitung. Dagmar Hildebrandt wird ab 1. Januar offiziell der Geschäftsstelle vorstehen. Das gab Thomas Stelzer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, am Rande eines Pressegesprächs bekannt. Das eigentliche Thema das Gesprächs war die Situation auf dem Ausbildungsmarkt im Landkreis im Lehrjahr 2018/19.

    Bereits seit Juni 2017 ist Dagmar Hildebrandt vertretungsweise für den damaligen Geschäftsstellenleiter Christian Koos im Einsatz. Jetzt übernimmt die 41-Jährige aus Ostheim offiziell die Leitung der Agentur für Arbeit in Bad Neustadt. Dagmar Hildebrandt hat eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei Mannesmann Sachs in Schweinfurt und anschließend ein Pädagogikstudium mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung und außerschulische Jugendbildung in Würzburg absolviert. Seit 2007 ist sie als Arbeitsvermittlerin in Bad Neustadt aktiv. Vor zwei Jahren übernahm sie erstmals Führungsaufgaben in der Geschäftsstelle.

    Rosige Zeiten für Ausbildungsplatzsuchende

    Die offizielle Vorstellung als Geschäftsstellenleiterin wurde in die jährliche Pressekonferenz zur Situation auf dem Ausbildungsmarkt integriert. Schließlich kann die Agentur für Arbeit hier ebenfalls erfreuliche Nachrichten verkünden. Erfreulich aber mehr für Ausbildungsplatzsuchende als für Firmen, die oftmals Lehrstellen nicht besetzen können.

    Trotz einer sich leicht abkühlenden Konjunktur und etwas weniger Ausbildungsplätzen als im vergangenen Jahr ging die Schere zwischen Bewerber und offenen Lehrstellen noch weiter auseinander. Im Landkreis Rhön-Grabfeld verzeichnete die Agentur für Arbeit 849 Ausbildungsstellen, aber lediglich 532 Bewerber. So weit waren in den vergangenen Jahren die Zahlen noch nie auseinander gewesen. "Insbesondere wegen der gestiegenen Zahl der Ausbildungsstellen und der sinkenden Bewerberzahlen ist die Chance, einen Ausbildungsplatz zu erhalten, weiterhin gut", sagte Thomas Stelzer.

    Sicherung von Fachkräften ist essentiell

    Auf der anderen Seite müssen Betriebe laut Stelzer jede sich bietende Gelegenheit nutzen, um künftige Fachkräfte zu sichern. Die von der Arbeitsagentur verzeichneten Ausbildungsplatzsuchenden stammen vornehmlich aus den Mittel- und Realschulen des Landkreises. Lediglich 33 Gymnasiasten suchten 2019 über das Arbeitsamt eine Lehrstelle, ein neuer Minusrekord. Nach wie vor zieht es viele erfolgreiche Realschüler aber an weiterführende Schulen. Berufsberater Wolfgang Schmitt berichtete von Realschulklassen, aus denen die Hälfte der Schüler nach der Mittleren Reife weiterhin die Schulbank drücken will. Was die Zahl potentieller Lehrlinge nach wie vor niedrig hält.

    Von den verzeichneten Ausbildungsplatzsuchenden konnten 69 Prozent (369 Schülerinnen und Schüler) in eine Berufsausbildung vermittelt werden. "Damit liegen wir über dem bayernweiten Schnitt", sagte Thomas Stelzer. Neben dem direkten Lehrstellenbeginn gibt es zudem Möglichkeiten für junge Leute, erstmal in den Beruf reinzuschnuppern. Zum Beispiel über eine Einstiegsqualifizierung, in der das erste Lehrjahr auf Probe als Berufsvorbereitung genutzt werden kann. Die Agentur für Arbeit hält hier verschiedene Modelle für Bewerber bereit.

    Geringe Nachfrage an Lehrstellen im Baugewerbe und Lebensmittelbereich

    Nach wie vor werden Lehrstellen im Baugewerbe oder dem Bereich Lebensmittel wenig nachgefragt. Höher im Kurs bei jungen Leuten stehen Ausbildungsplätze in Tourismus und Sport, in der Verwaltung, der Unternehmensorganisation oder der Softwareentwicklung. Hier gibt es weniger Lehrstellen als Bewerber. Die am meisten nachgefragten Wunschberufe für eine Lehrstellen sind bei den Männern der Industriemechaniker und der (Kfz-) Mechatroniker, bei den Frauen die Industriekauffrau und die medizinische Fachangestellte. In den vergangenen Jahren angestrengte Verfahren, um vornehmlich "männliche" Berufe Frauen schmackhaft zu machen, wie zum Beispiel der "Girl's Day", zeigen aber nach Auskunft der Agentur für Arbeit kaum Wirkung.

    Die Unterstützung, Vorbereitung und Begleitung junger Menschen in eine Ausbildung lässt sich die Agentur für Arbeit viel Geld kosten. Im Agenturbezirk Schweinfurt wurden im vergangenen Ausbildungsjahr 5 Millionen Euro investiert. Der Hauptteil der terminierten Beratungen findet vor Ort in den Schulen statt, bestätigt Wolfgang Schmitt: "Wir gehen raus in die Schulen, damit niemand verloren geht!"

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