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    Bad Neustadt

    Rhöner Industrie: Mundschutz wird Management-Thema

    Schwierige Zeiten für die Rhön-Grabfelder Industrie-Unternehmen. Kurzarbeit droht oder wird schon praktiziert. Aber auch in der Krise gehen die Geschäftsideen nicht aus.
    Der Chinesische Drache war willkommen bei der Eröffnung des neuen Pia-Hauptstandortes im Gewerbegebiet Altenberg in Bad Neustadt. Das Corona-Virus, das seit Jahresbeginn von China aus die Welt derzeit in Atem hält, beeinträchtigt aber die Arbeit vieler Industriebetriebe in Rhön-Grabfeld. 
    Der Chinesische Drache war willkommen bei der Eröffnung des neuen Pia-Hauptstandortes im Gewerbegebiet Altenberg in Bad Neustadt. Das Corona-Virus, das seit Jahresbeginn von China aus die Welt derzeit in Atem hält, beeinträchtigt aber die Arbeit vieler Industriebetriebe in Rhön-Grabfeld.  Foto: Hubert Herbert

    "Wir werden von Nachfragen überrollt", sagt Ute Adelmann. Ein schöner Satz, den man in Zeiten der Corona-Krise nicht oft hört. Ute Adelmann ist die Pressesprecherin von Pia Automotive in Bad Neustadt. Die Nachfrage, von der sie spricht, betrifft eine Montagelinie für die Hochgeschwindigkeitsfertigung von chirurgischen Mundschutzmasken. Pia bietet die an - und alle Welt will sie haben.

    Über 20 dieser Systeme wurden bereits weltweit geordert. In den Pia-Werken in Amberg, China und Amerika werden diese Montagelinien nun gefertigt und sichern Arbeitsplätze im Unternehmen. Wenn die Nachfrage wächst, könnte auch Bad Neustadt davon profitieren. Jede Anlage wird eine Quantität von 140 000 Masken pro Tag liefern können und mehrere Produktvarianten von zwei-, drei- oder vierschichtigen Einwegmasken abdecken. 

    Kurzarbeit

    Das ist die gute Nachricht aus dem Hause Pia. Die schlechte ist, dass hier trotzdem auch Kurzarbeit gefahren wird. An der Coronakrise allein dürfte es nicht liegen. Schon seit Ende letzten Jahres gibt es etwas Knarzen im Gebälk des Anlagen-Herstellers, der nicht mehr Teil von Preh ist, aber zur chinesischen Joyson-Gruppe gehört. 

    "Wir haben alle Vorkehrungen getroffen, die dem Schutz und Wohl unserer Mitarbeiter dienen, also Homeoffice, regelmäßige Info, Schichtbetrieb etc. und führen die Geschäfte soweit wie möglich fort. Alle Maßnahmen, die dem Standort gut tun, setzen wir ein, z.B. Kurzarbeit und eine zweiwöchige Betriebsruhe", so Ute Adelmann von der Pia-Unternehmenskommunikation.

    Schrittweise Kurzarbeit bei Preh

    Im einstigen Mutterhaus Preh geht der Weg schrittweise in die Kurzarbeit. Durch die Coronakrise ist man in allen Verwaltungsbereichen auf Homeoffice übergegangen, seit dem 25. März geht es auch schrittweise in die Kurzarbeit. Geplant ist sie vorerst bis Ostern, dann wird man im Konzern weiter sehen, wie es von Michael Roesnick aus der Geschäftsführung heißt.

    Kurzarbeit ist bei Siemens in Bad Neustadt noch nicht konkret, aber ebenfalls Teil der Überlegungen. "Wir wollen den Betrieb nach Möglichkeit am Laufen halten, aber wir prüfen verschiedene Optionen, dazu gehört auch Kurzarbeit", heißt es von Seiten des Betriebsrates wie von der Betriebsleitung. Konkrete Entscheidungen gibt es diesbezüglich nicht. Man sei auch gegenüber reinen Autozulieferern im Vorteil durch die breitere Aufstellung, heißt es weiter von einem Betriebsratssprecher.

    Kurzarbeit bei Jopp und Mundschutz-Produktion im ungarischen Zweigwerk

    Bei Jopp ist die Lage angespannt. "Viele der Kunden aus dem Automobilbereich haben ihre Werke geschlossen und damit auch alle Aufträge kurzfristig storniert", berichtet Geschäftsführer Martin Büchs. Die Lage in der Branche sei auch vor Corona schon anstrengend gewesen. Nun würden zusätzlich große Teile des Umsatzes kurzfristig wegbrechen. Wie es in einer Pressemitteilung heißt, ist die Montage schon seit einer Woche geschlossen, seit dieser Woche auch der Bereich der Sintertechnik. In der Drehtechnik werden noch vereinzelt Aufträge abgewickelt. Eine komplette Werksschließung sei aber nicht erforderlich, da es immer noch Lieferungen an Kunden gäbe, die weiterfertigen würden, so zum Beispiel Kunden aus Asien.

    Statt Lederteile für Autoinnenräume werden im ungarischen Jopp-Werk jetzt Mundschutz-Artikel produziert. Die Jopp-Variante ist sogar waschbar und somit kein Wegwerfprodukt.
    Statt Lederteile für Autoinnenräume werden im ungarischen Jopp-Werk jetzt Mundschutz-Artikel produziert. Die Jopp-Variante ist sogar waschbar und somit kein Wegwerfprodukt. Foto: Steve Barthelmes/Jopp GmbH

    Neben der Zentrale in Bad Neustadt unterhält Jopp zehn Werke weltweit. In China habe man die Krise weitgehend überwunden, während in den anderen Regionen, insbesondere in Tschechien und Ungarn, ebenfalls deutliche Rückgänge zu verzeichnen sind.

    Die meisten Mitarbeiter von Jopp haben im April ganz oder teilweise Kurzarbeit, inzwischen auch in den Entwicklungsbereichen. Nicht betroffen von Einschränkungen ist die Schwesterfirma turbocut Jopp, die Produkte für die Fleischverarbeitung liefert.

    So sieht eine Produktionsanlage für die Mundschutz-Fertigung aus, wie sie Pia Automotive anbietet. Bisher wird sie im Werk Amberg montiert, bei wachsender Nachfrage könnte auch der Standort Bad Neustadt profitieren.
    So sieht eine Produktionsanlage für die Mundschutz-Fertigung aus, wie sie Pia Automotive anbietet. Bisher wird sie im Werk Amberg montiert, bei wachsender Nachfrage könnte auch der Standort Bad Neustadt profitieren. Foto: Pia Automotive

    Nebenbei versuche man auch zu helfen, wo es geht. Geschäftsführer Richard Diem erläuterte: „Innerhalb von wenigen Tagen haben wir es geschafft, unsere Lederverarbeitung in Ungarn auf das Nähen von dringend benötigten Mund-Nase-Masken umzustellen." Hiermit kann Jopp eigene Mitarbeiter und einige medizinische Einrichtungen unterstützen. Die Maske ist waschbar und deshalb viel umweltschonender als Wegwerfmasken, so Diem.  Man erwarte einen Nachfrageschub, wenn in Deutschland die Tragepflicht kommen sollte, heißt es weiter von Jopp, wo insgesamt mehr als 1900 Mitarbeiter weltweit beschäftigt sind.

    Der teilweise Produktions-Stopp bei Autoherstellern wirkt sich auch auf den Autozulieferer Reich GmbH aus, wie Oliver Thiele von der Unternehmenskommunikation mitteilt. Auftragseingänge seien reduziert beziehungsweise Aufträge verschoben worden. "Allerdings trifft das in der Reich GmbH derzeit nicht flächendeckend zu. Einzelne Bereiche sind von Reduzierungen derzeit nicht betroffen. Aus diesem Grund wird derzeit nur in einzelnen Bereichen Kurzarbeit gearbeitet beziehungsweise in weiteren Bereichen nur an einzelnen Tagen", so Thiele gegenüber dieser Redaktion. Die Situation und deren Entwicklung wird täglich überwacht, um zeitnah reagieren zu können, heißt es abschließend aus Mellrichstadt.

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