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    Bad Neustadt

    Rhöner Lebenshilfe schmückt Baum im Berliner Abgeordnetenhaus

    Bezug zur Rhön: Der Weihnachtsbaum im Paul-Löbe-Haus in Berlin wird mit kleinen Schäfchen geschmückt. Im Wohnheim in Unterweißenbrunn erhalten die Schafe ihr weißes Fell. Foto: Annette Scheuring

    Die gute Nachricht kam per Telefon. Bei der Lebenshilfe Rhön-Grabfeld staunte man nicht schlecht, als ihre Bundesvereinigung aus Berlin anrief und fragte, ob man in diesem Jahr den Weihnachtsbaum im Paul-Löbe-Haus schmücken möchte. Ohne Zögern sagte Vorsitzende Brunhilde Hergenhan zu. "Selbstverständlich machen wir das."

    Das bedeutet eine große Herausforderung für den Verein. Bis 15. November müssen rund 400 Anhänger für den Baum im Berliner Abgeordnetenhaus gebastelt und in die Bundeshauptstadt geschickt werden. Die Belohnung folgt dann am 29. November. 35 Schützlinge und ihre Betreuer dürfen nach Berlin fahren und bei der feierlichen Übergabe des Baumes dabei sein.

    Im Wohnheim in Hohenroth ist man mit Spaß und Freude dabei, kleine Päckchen zu packen. Foto: Franziska Kneuer

    Große Auszeichnung für die Lebenshilfe

    "Wir empfinden das als eine große Auszeichnung der Lebenshilfe", betont Geschäftsführer Jens Fuhl. Immerhin gibt es zirka 250 Kreisverbände. Und da sei es aller Ehren wert, wenn die Wahl auf Rhön-Grabfeld gefallen ist. Die Arbeiten an dem Christbaumschmuck haben schon begonnen. Fuhl und Hergenhan freuen sich über den Eifer aller Beteiligten. Die Menschen mit Behinderung und die Mitarbeiter seien hochmotiviert und voller Elan bei der Sache. "Das ist eine tolle Möglichkeit, auf uns aufmerksam zu machen und eine Bestätigung dafür, wie vielfältig wir hier sind", so Jens Fuhl.

    So sah der von einer Lebenshilfe gestaltete Weihnachtsbaum im Paul-Löbe-Haus im vergangenen Jahr aus. Foto: Deutscher Bundestag/Achim Melde

    Es hat Tradition. Seit einigen Jahren bekommen die Abgeordneten im ­deutschen Bundestag immer kurz vor dem ersten Advent einen schön geschmückten Weihnachtsbaum von der Lebenshilfe. Damit will der Verband allen Politikern, die sich für Inklusion einsetzen, danken. Jedes Jahr wird ein anderer Kreisverband ausgewählt. Die Initiative geht in der Regel von Abgeordneten selbst aus. Der Rhön-Grabfelder Verein wurde von Dorothee Bär vorgeschlagen. Die Bundesvereinigung der Lebenshilfe nahm die Empfehlung positiv entgegen und trug diese nach Bad Neustadt weiter.

    Kugeln, Schäfchen und Sterne

    In der Tagesförderstätte in Mellrichstadt werden fleißig Sterne ausgeschnitten und bemalt. Foto: Juliane Werner

    Dort wird nun fleißig gewerkelt. Unter der Federführung von Annette Scheuring, Leiterin der Wohnstätte in Unterweißenbrunn, entstehen derzeit in den Einrichtungen der Lebenshilfe kleine Kunststücke. In Unterweißenbrunn basteln die Menschen mit Behinderung und ihre Betreuer Schäfchen mit echter Schafwolle. Damit soll der Bezug zur Rhön hergestellt werden, erläutert Brunhilde Hergenhan. In der Herbert-Meder-Schule in Willmars werden Kugeln angefertigt sowie Engel angemalt, die ebenfalls ein weiches Kleid aus Schafwolle erhalten. Die Vorsitzende selbst faltet Engel aus Gebetsbüchern ("Schließlich leben wir in einer gläubigen Region") und die Betreuten in der Förderstätte und im Wohnheim in Mellrichstadt schneiden Sterne aus Bierdeckeln aus und schmücken diese mittels Serviettentechnik.

    Im Wohnheim in Hohenroth schließlich werden aus Medikamentenschachteln und anderen geeigneten Utensilien kleine Päckchen mit Weihnachtspapier beklebt. Das alles ist echte Handarbeit und wird in den fränkischen Farben Rot und Weiß sowie Gold gehalten sein. Den fünf bis sechs Meter hohen Baum in Berlin schmückt dann das Personal des Paul-Löbe-Hauses.

    Das Paul-Löbe-Haus in Berlin. Foto: Deutscher Bundestag/Friederike Schleinitz

    Ulla Schmidt und Claudia Roth

    Somit erwartet am Freitag, 29. November, ein Baum im Festtagskleid die Besucher aus Rhön-Grabfeld. Für die Feierlichkeit in Berlin ist folgender Ablauf vorgesehen: Die offizielle Begrüßung obliegt Ulla Schmidt, ehemalige Gesundheitsministerin und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe. Ein oder zwei Menschen mit Behinderung übergeben den Baum symbolisch an die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, die eine Ansprache halten wird. Die musikalische Umrahmung liegt in den Händen der Vertreter der Lebenshilfe. Vier Musikstücke werden präsentiert, darunter zwei traditionelle Weihnachtslieder. "Wir haben uns für 'Es ist für uns eine Zeit angekommen' und 'O du fröhliche' entschieden. Vor allem bei Letzterem kann jeder mitsingen", führt Brunhilde Hergenhan aus. Nach dem offiziellen Teil können noch bei Früchtepunsch und Weihnachtsgebäck entspannt Gespräche geführt werden. Zu Mittag gegessen wird in der Kantine des Paul-Löbe-Hauses. Das organisiert Bezirksrätin Karin Renner. Dem folgt noch eine kleine Besichtigung des Bundestages, bevor es mit dem Bus wieder nach Hause geht. Am Tag darauf, am Samstag, wartet schließlich zu Hause schon das nächste große Ereignis, die Weihnachtsfeier der Lebenshilfe.

    Auch wenn die Fahrt nach Berlin finanziell unterstützt wird, wird bei einer Beteiligung von 35 Personen - davon 17 Menschen mit Behinderung - einiges an Kosten bei der Lebenshilfe Rhön-Grabfeld hängen bleiben. Aber das ist es dem Verein wert. Über die eine oder andere Spende zur Unterstützung des Vorhabens wäre die Lebenshilfe dennoch froh. Deren Schützlinge freuen sich nun bereits darauf, den ein oder anderen Politiker, den sie sonst nur aus den Nachrichten kennen, vielleicht persönlich zu treffen. "Sie fiebern dem Ereignis schon entgegen", so Jens Fuhl, "und haben sogar die Hoffnung, einen Blick auf Angela Merkel werfen zu können". 

    In der Herbert-Meder-Schule in Willmars erhalten Engel ein Kleid aus Wolle. Foto: Sandra Büttner

    Alle ziehen an einem Strang

    Brunhilde Hergenhan und Jens Fuhl loben die Menschen mit Behinderung und die Mitarbeiter. "Alle waren sofort mit Freude dabei und es gab nur positive Reaktionen", so die Vorsitzende und der Geschäftsführer ergänzt: "Das bestätigt, dass die Lebenshilfe eine Familie ist. Der Zusammenhalt ist sehr groß und alle ziehen an einem Strang." Dankbar äußern sich beide auch gegenüber der Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär, die die Rhön-Grabfelder empfohlen hat und gegenüber Dr. Angelika Magiros, die in Berlin bei der Bundesvereinigung der Lebenshilfe für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. 

    Jede Menge Sterne entstehen im Wohnheim in Mellrichstadt. Foto: Petra Achtziger

    Nun steigt bei allen Beteiligten die Vorfreude auf Berlin. "Der Baum wird toll aussehen", ist Hergenhan schon jetzt überzeugt. Und er wird ein fränkisch-rhöner Botschafter in Berlin sein - mit goldenen Engeln, roten Päckchen und Schäfchen mit weißer Wolle aus der Rhön.

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