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    RHÖN-GRABFELD

    Rhönkauz: Des Radlers Lohn

    Rhönkauz: Volksgesundheit
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    Der Rhönkauz gibt es gerne zu: Er fährt am liebsten Rad. Und das schon von Kindesbeinen an. Dies mag vielleicht daran hängen, dass er in einem kleinen Rhöner Dorf aufgewachsen ist, das den Öffentlichen Nahverkehr erst seit 1976 erleben durfte. Zuvor gab es nur einige Autos und eben das Rad als unkompliziertes Fortbewegungsmittel.

    Mittlerweile hat sich das grundlegend geändert. Es gibt viele, um nicht zu sagen sehr viele Autos, Busse, die zumindest zweimal am Tag durch den Ort fahren – und eben Fahrräder.

    Doch die sind mit den quietschenden Vehikeln von damals überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Das Alltagsrad ist mindestens vorne gefedert, hat eine Scheibenbremse und einen Bluetooth-Zugang zum Herzfrequenzmesser seines Fahrers. Sporträder gibt es in Renn- und Bergform. Beide sind gewichtsoptimiert, vollgefedert und so stabil wie früher die Schulbusse.

    Mittlerweile – und das sagen dem Radfreund Rhönkauz nicht nur die Zahlen der Eurobike in Friedrichshafen, auf der gerade alle Innovationen dieses riesigen Marktes gezeigt werden – sind diese bunten Sportgeräte auf dem aussterbenden Ast. Das E-Bike rückt vor, unaufhaltsam.

    Vor Tagen schrieb eine bedeutende Münchner Zeitung vom Ende der Schwerkraft. Und meinte damit, dass in den Bergen momentan Menschen in Höhen vordringen, die sie mit ihrer körperlichen Schaffenskraft alleine nicht bewältigen könnten. Am Kreuzberg, dem liebsten Fahrrad-Treff weit und breit, macht sich dieser Trend auch stark bemerkbar.

    Und da keimte die Diskussion auf unter des Rhönkauzes Radfreunden, wie sinnvoll das Sporttreiben mit E-Unterstützung sei.

    In den Alpen komme man sich als normaler Mountainbiker schon vor wie der Ötzi des Radsports, schrieb die große Münchner Zeitung als Fazit ihrer Beobachtungen in der Szene. Eine illustre Truppe aus der Rhön, die sich vor Tagen über Zehntausende von Höhenmetern in deutschen, österreichischen und Südtiroler Bergen mit reiner Manneskraft hinweggesetzt hat, ist zu einem ganz anderen Schluss gekommen: „Mir kann keiner erzählen, dass den E-Bikern das Bier auf der Hütte genauso gut schmeckt wie uns!“

    Ein wahres Wort. Zur Wahrhaftigkeit gehört aber auch die Bekenntnis des Rhönkauzes, dass er sich gerne auf das E-Bike seiner Frau setzt.

    Aber nur, um damit den Weg zur Arbeit zu bewältigen. Und da trinkt er kein Bier.

    Michael Nöth redaktion.rhoen-grabfeld@mainpost.de

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