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    IRMELSHAUSEN

    Rittersaal ist jetzt das Wohnzimmer

    Wohnen in einem Schloss – was sich so romantisch anhört, ist in Wirklichkeit mit hohen Investitionen und Verzicht auf Bequemlichkeit verbunden. Das wurde den 110 Besuchern schnell klar, die sich am Wochenende zur Besichtigung des Wasserschlosses Irmelshausen eingefunden hatten. Karl Graf und Anna Gräfin von Stauffenberg hatten dazu eingeladen, der Erlös kommt der Tafel in Bad Neustadt zugute.

    Er habe nicht gewusst, dass in einem Landkreis wie Rhön-Grabfeld eine Tafel notwendig ist, berichtete Graf Stauffenberg. Er habe die dort wirkenden Ehrenamtlichen besucht und war beeindruckt von ihrer Tätigkeit zugunsten der Bedürftigen. So entstand der Plan, durch eine Schlossführung Geld in die Kasse zu bringen und die gute Sache zu unterstützen.

    Erste Informationen

    Im Schlosshof mit seinem historischen Pflaster gab es erste Informationen. Die ältesten Gebäudeteile, die Fundamente der Türme, errichteten die Grafen von Henneberg wahrscheinlich im 11. Jahrhundert. Anfangs eine Veste, wurde das Gebäude von den nachfolgenden Besitzern weiter ausgebaut und verändert und gilt heute als die schönste Wasserburg Frankens. Der älteste bewohnte Teil, die „Hansestuben“, wurden von Hans von Bibra Anfang des 16. Jahrhunderts gebaut. Die jüngsten Teile, ein Fachwerk-Aufbau und eine Garage, entstanden um 1890.

    Besitz wurde geteilt

    Geteilt ist der Besitz, seit zwei Söhne jeweils die Hälfte des Schlosses geerbt haben. Karl Schenk Graf von Stauffenberg kam in den Besitz seiner Hälfte, weil seine Großtante, Renate Freifrau von Bibra, ihren Teil an seine Mutter, Elisabeth Schenk Gräfin von Stauffenberg, geborene Freiin von und zu Guttenberg, Ehefrau des Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg, vererbte. Diese übergab den Besitz an ihren Sohn Karl, der mit seiner Familie dort 2014 eingezogen ist. Die andere Hälfte bewohnt weiterhin die Familie von Bibra, deren Wappen im Innenhof mehrmals zu sehen sind. Das schönste Portal des Innenhofs führt in den großzügig ausgestalteten Pferdestall, das ist wohl ungewöhnlich, zeigt aber den hohen Stellenwert der Tiere im Mittelalter.

    „Erbe ist auch Verpflichtung“, sagte Graf Stauffenberg und berichtete von den Auflagen des Amtes für Denkmalschutz am Beispiel der Dachziegel, die bisweilen von den Dohlen auf der Suche nach Nistplätzen hochgehoben werden. Fällt ein Ziegel herunter und der Ersatzvorrat ist nicht mehr vorhanden, müssen die Ziegel extra gebrannt werden. Wasserprobleme hat das Schloss, ein Teil des Grabens ist ausgetrocknet, was bei den Mauern aus Sandsteinen zur Rissbildung und zu statischen Problemen führt. Auch das Holz des Fachwerkbaus arbeitet.

    Es wird nicht warm

    Der ehemalige Rittersaal im ersten Stock ist jetzt das Wohnzimmer der Familie von Stauffenberg. Das Amt für Denkmalpflege hatte gestattet, durch zusätzliche Innenfenster die energetische Situation zu verbessern, im Winter herrschen dort trotz Zentralheizung nie mehr als 17 Grad, verriet der Hausherr. Durch die angrenzende Kaminstube gelangt man durch eine „Hochzeitstür“ in einen Raum, dessen nicht sehr kunstgerechte Wandbemalung dem Hausherrn gar nicht gefällt. Sie muss jedoch erhalten bleiben. Seit Anfang der 80er-Jahre darf in der sogenannten goldenen Stube nichts mehr verändert werden. An Risse und Wasserflecken darf nur ein Restaurator Hand anlegen. Eine Falltür zeugte davon, dass dieses Zimmer wohl ursprünglich zum Scheunentrakt über dem Pferdestall gehörte und irgendwann umgebaut wurde. Im Kaminzimmer befindet sich ein großer Kamin, eine Hochzeitsgabe eines der Hausherren, reich verziert mit Wappen der beiden Familien, die durch die Vermählung zusammengeführt wurden.

    1000 Euro für die Tafel

    Die Besucher hatten auch Gelegenheit durch den Park zu laufen, das ganze (halbe) Anwesen von außen zu betrachten und die Baukunst der Vorfahren zu bewundern. Jeder Besucher spendete mindestens fünf Euro, am Ende der Führung am Sonntag konnten an Romy Straub, Vorsitzende des Vereins Bad Neustädter Tafel, die in Begleitung einiger ehrenamtlicher Helfer an der Führung teilnahm, 842,50 Euro überreicht werden. Durch eine facebook-Veröffentlichung erklärte sich ein Mann aus Ebern spontan bereit den Betrag auf 1000 Euro aufzurunden.

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