• aktualisiert:

    Bad Neustadt

    Saaletal-Klinik räumt Reha-Einrichtungen wegen Corona

    Innerhalb von 14 Tagen müssen Bewohner der Rehaeinrichtung 'Maria Stern' in Bad Neuhaus ihre Unterkunft verlassen und sich eine neue Bleibe suchen.
    Innerhalb von 14 Tagen müssen Bewohner der Rehaeinrichtung "Maria Stern" in Bad Neuhaus ihre Unterkunft verlassen und sich eine neue Bleibe suchen. Foto: Eckhard Heise

    Die Corona-Krise fordert von jedem Menschen derzeit Opfer, doch wie es 16 Bewohnern der Rehabilitationseinrichtung Maria Stern ergeht, das führt nach Ansicht einer Betroffenen zu weit. "Wir sind regelrecht von der Leitung der Saaletalklinik vor die Tür gesetzt worden", klagt Antje B. (vollständiger Name der Redaktion bekannt). Innerhalb von 14 Tagen sollen die Teilnehmer einer Wiedereingliederung ihre Unterkunft räumen und sich selbst eine neue Bleibe suchen.

    Das Haus gehört zu den drei Einrichtungen der Haus Saaletal GmbH: der Saaletalklinik, der Klinik Neumühle in Hollstadt und eben dem Adaptionshaus Maria Stern, in denen Patienten mit Alkohol-, Medikamenten- und Drogensucht behandelt werden. Im Adaptionshaus können nach der Entwöhnungsphase Patienten noch eine drei- bis viermonatige Rehabilitation zur beruflichen Wiedereingliederung wahrnehmen. Im Zuge der Corona-Krise sollen auf Veranlassung des bayerischen Gesundheitsministeriums die drei Häuser im vollen Umfang für die Versorgung von Covid-19-Patienten zur Verfügung gestellt werden.

    Rückfall nicht ausgeschlossen

    Antje B. kritisiert auch gar nicht diese Entscheidung sondern die Art und Weise wie dabei mit den Betroffenen umgegangen wird. In der Woche vom 9. bis 15. März sei ihnen noch versichert worden, dass die Rehamaßnahme weitergeführt werde. Am Montag, 16. März, habe die Klinikleitung kommentarlos mitgeteilt, dass das Haus zum 31. März geräumt sein muss. "Kein Wort darüber, was mit uns geschieht". Sie seien gezwungen gewesen, sich innerhalb von 14 Tagen eine neue Unterkunft zu suchen.

    Ein Teil sei inzwischen bei Freunden untergekommen, ein Teil habe eine Wohnung bezogen, sie selbst habe ein Ein-Zimmer-Appartement gefunden. Vier Betroffene haben zwar Aussicht auf eine Wohnung, von der sie aber nicht wissen, ob sie sie schon am 31. beziehen können, weil sie erst noch renoviert werden muss. Außerdem stehe noch die Zusage des Job-Centers zur Übernahme der Miete aus. "Der Druck ist enorm groß, ein Rückfall wäre nicht ausgeschlossen".

    Kostenzusagen für ein Jahr

    Die Pressestelle des Rhön-Klinikums verweist hingegen auf die Allgemeinverfügung des bayerischen Staatsministeriums und stellt entsprechend alle planbaren Behandlungen zurück oder unterbricht sie. In einer Stellungnahme schreibt eine Sprecherin, dass für circa 100 bis 150 Rehabilitanden eine ambulante Behandlung komplikationslos vereinbart worden sei. "Bei den restlichen (etwa) 50 Patienten musste zunächst geklärt werden, ob eine Behandlungsunterbrechung und eine ambulante Nachsorge möglich ist. Für diejenigen, für die keine ambulante Nachsorge in Frage kommt, wurde die Möglichkeit einer unkomplizierten Wiederaufnahme nach Abklingen der aktuellen Corona-Krisensituation besprochen. Von Seiten der Reha-Leistungsträger behalten die Kostenzusagen derzeit Gültigkeit für ein Jahr. Die ambulante Nachsorge findet in Suchtberatungsstellen im Heimatort der Rehabilitanden statt – persönlich oder auch online. Wenige Einzelfälle werden in unserer Adaptionseinrichtung untergebracht. Diese Übergangslösung ist so lange denkbar, bis die Belegung der Saaletalklinik wieder möglich ist.

    Eine Verlegung, beispielsweise in eine Reha-Einrichtung nach Hessen, wo aktuell keine Ausgangsbeschränkung ausgesprochen wurde, ist möglich. Es wird also kein Rehabilitand entlassen, dessen anschließende Behandlung nicht geklärt ist".

    Antje B. nützt diese Auskunft wenig, stellt sie bedauernd fest. "Wer weiß, wie lange die Krise dauert". Betroffene mitten aus ihrer Behandlung herauszuziehen sei "absolut unangebracht". Behandlungserfolge könnten rasch zunichte gemacht werden "und dann müsste alles von vorne begonnen werden".    

     

       

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Rhön-Grabfeld-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!