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    Bad Königshofen

    Schön, aber ungeeignet: Aus dem Trinkhorn gelingt kein Schluck

    Nichts wird es mit dem Getränketest aus der Kopie des Trinkhorns aus Salz. Das Gefäß ist löchrig wie ein Schweizer Käse. Foto: Michael Petzold

    Was für eine Sensation war das damals: Fast 1500 Jahre lang lag das Trinkhorn aus Glas tief in der Erde verbuddelt, bis es im Jahre 2000 bei archäologischen Grabungen nahe Salz gefunden wurde. Seither ist das gute Stück aus der Zeit des fränkischen Königsgeschlechts der Merowinger ein beliebtes Ausstellungsstück, wie der für die bayerischen Zweigmuseen zuständige Dr. Mathias Will von der archäologischen Staatssammlung München weiß.  Was nicht weiter wundert, gibt es von Gläsern dieser Art doch in ganz Europa gerade einmal 40 Stück.

    Zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt wurde es 2004 bei der Bayerischen Landesausstellung in Forchheim zum Thema Franken im Mittelalter. Fast 200 000 Besucher waren damals gekommen. Danach wurde das Trinkhorn immer wieder von der Landeshaupstadt aus auf die Reise geschickt. Seit der Wiedereröffnung des Museums Schranne Mitte Mai ist das Prunkstück in Bad Königshofen beheimatet. 

    In der Vitrine im Museum Schranne liegt nur eine Kopie

    Derzeit liegt in der Vitrine allerdings nur eine Kopie, weil das Original Bestandteil der Landesausstellung "100 Schätze aus 1000 Jahren" im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg ist. Bis zum 8. März nächsten Jahres ist die Ausstellung terminiert. Genau genommen verfügt das Museum in er Schranne über zwei Kopien aus Kunststoff.  Das habe den Vorteil, dass Besucher bei Führungen auch etwas in die Hand nehmen können, sagt Museumsleiter Andreas Rottmann. Vor allem natürlich bei jüngerem Publikum kommt das gut an. Rottmann war selbst einmal vor vielen Jahren mit dem  Transport der gläsernen Kostbarkeit zu einer großen Ausstellung in Berlin betraut, wo archäologische Highlights aus ganz Deutschland gezeigt wurden.

    Auch die Trinkhorn-Kopie ist löchrig wie ein Schweizer Käse 

    Die Versuchung, zumindest einmal aus einer der Kopien einen guten Wein zu testen, um wenigstens einen Schluck lang den Versuch zu unternehmen, sinnlich in die längst vergangene Epoche einzutauchen, ist zwar groß, der Versuch aber von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Hergestellt wurden die beiden Kopien nämlich mit einem 3D-Drucker, was zur Folge hat, dass jede kleine Einzelheit dem Original entspricht. Das gilt auch für die zahlreichen kleinen Löcher, die dafür verantwortlich sind, dass jede Flüssigkeit nach allen Seiten aus dem Trinkhorn spritzt. 

    Der Besitzer des gläsernen Horns war mit Sicherheit eine höher gestellte Persönlichkeit, denn aufwendig gefertigte Trinkgefäße dieser Art waren im 5. oder 6. Jahrhundert nach Christus natürlich purer Luxus. Mathias Will ist sich sicher, dass das gute Stück im Rheinland gefertigt wurde.  Im Umfeld der ehemaligen Kaiserstadt Köln, wo sich die römische Glastradition länger erhalten hatte.  Außerdem habe man in seinem Grab neben anderen Dingen auch eine kleine Waage gefunden, die man zum Abwiegen von Edelmetall benutzt hatte, so Will weiter, der es für möglich hält, dass der Trinkhorn-Besitzer ein Gesandter des Königshofes war.  

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