• aktualisiert:

    Bad Neustadt

    Stadtwerke: Stromverbrauch wird bald digital gemessen

    Eine moderne Gesellschaft ist ohne elektrischen Strom nicht denkbar. Alle erwarten, dass elektrische Energie immer und überall zur Verfügung steht. Bezahlt wird Strom nach Verbrauch. Den registrieren Stromzähler, indem sie die verbrauchten Kilowattstunden zählen. Bisher geschieht das meist noch mit den sogenannten Ferraris-Zählern. Das sind die mit dem Rädchen, das sich je nach momentanem Verbrauch schneller oder langsamer dreht. Das wird aber nicht mehr lange so sein, denn jetzt steht die Ablösung durch digitale Stromzähler bevor.

    Energiewende

    Grund dafür ist die Energiewende, wie Ulrich Leber, der Geschäftsführer der Stadtwerke in Bad Neustadt, erklärt. In ihrem Zug hat der Gesetzgeber den Ersatz der alten Rädchen-Zähler durch digitale Messgeräte festgelegt. Deswegen haben die Stadtwerke Bad Neustadt dieser Tage ihre Stromkunden benachrichtigt, dass die demnächst mit einem Austausch ihrer alten Zähler rechnen müssen. 

    Da gibt es dann prinzipiell zwei Möglichkeiten - eine einfache und eine kompliziertere. Wenn der Jahresverbrauch nicht über 6000 Kilowattstunden liegt, und das ist bei einem normalen vierköpfigen Haushalt in der Regel der Fall, dann wird der alte Zähler einfach durch eine sogenannte "moderne Messeinrichtung" ersetzt. Das ist die einfache Lösung. Diese "moderne Messeinrichtung" ist eigentlich nichts anderes als der bisherige Zähler, nur ohne Rädchen. Der Stromverbrauch wird digital erfasst und digital angezeigt. Ablesen muss der Kunde seinen Verbrauch wie bisher immer noch selbst, so Leber. Oder, wie es Roland May von City-Use bezeichnet: Alter Wein in neuen Schläuchen.  

    Gemeinsam Gedanken gemacht 

    City-Use ist ein Zusammenschluss von 16 unterfränkischen Stromversorgern, zu denen die Stadtwerke Bad Neustadt gehören. Die haben sich gemeinsam unter dem City-Use-Dach Gedanken über die gesetzlich geforderte Umsetzung der Digitalisierung bei den Stromzählern gemacht.    

    Liegt der Jahresverbrauch bei über 6000 Kilowattstunden oder betreibt jemand eine Photovoltaik-Anlage, die mehr als sieben Kilowatt Leistung hat, dann sollen die alten Zähler eigentlich durch sogenannte "intelligente Messsysteme" ersetzt werden. Diese Smart Meter haben zusätzlich ein Kommunikationsmodul, erläutert Leber. Das speichert und verarbeitet Daten über den Stromverbrauch des jeweiligen Haushalts, die dann unter anderem dem Stromanbieter und dem Netzbetreiber über das  Handynetz zur Verfügung gestellt werden sollen.  

    Smart Meter: zu wenig Anbieter

    Das ist derzeit allerdings noch Theorie, wie May erklärt.  Denn bisher gibt es laut Leber und May erst einen Anbieter, der ein solches Smart-Meter nach den gesetzlichen Vorgaben anbietet. Drei verschiedene Anbieter müssten es aber sein, um eine entsprechende Auswahl treffen zu können.  Wann das so weit sein wird, da wagen weder Leber noch May eine Prognose. Mit dem Austausch habe es schließlich bisher ja auch schon deutliche Zeitverschiebungen gegeben. Eigentlich sollte nach den gesetzlichen Vorgaben bereits 2017 mit dem Zähleraustausch begonnen werden, erklären sie.

    Dass es mit den Smart Metern mit Sendemodul nicht so recht vorangeht, könnte mit strengen datensschutzrechtlichen Auflagen zu tun haben, vermuten Leber und May. Der Schutz der Kunden vor Datenklau müsse gewährleistet sein. Den Kunden bieten Smart-Meter-Modelle einen genauen Überblick über ihren Stromverbrauch, zum Beispiel für einen Tag oder eine Woche. So sei ganz im Sinn der Energieersparnis zu erkennen, wann die größten Stromfresser im Haushalt laufen. Ein Ablesen des Stromverbrauchs durch die Kunden sei dann nicht mehr nötig. Den meldet der Smart Meter automatisch. Das, so May, geschieht allerdings nicht kontinuierlich, sondern nur zu bestimmten Zeiten.    

    Austausch bis 2032

    Wie Leber erklärt, werden jetzt nicht innerhalb kürzester Zeit alle Zähler ausgetauscht. Zunächst einmal werden bei Stromzähleranlagen in Neubauten die einfachen "modernen Messeinrichtungen" eingebaut. Und immer, wenn sowieso ein Wechsel des Stromzählers ansteht, wird ein analoger durch einen digitalen Zähler ersetzt. So ein Wechsel steht bei den alten Zählern alle 16 Jahre an. Bei den modernen verkürzt sich dieser Zeitraum auf acht Jahre. Bis spätestens 2032 muss der Austausch abgeschlossen sein, so sieht es laut Leber das Gesetz vor. Gegen einen Austausch könne man sich außerdem nicht wehren, dass sei eine gesetzliche Vorgabe.  

    Für die Kunden ist der Austausch kostenlos, sagt Leber. Allerdings werden für den Betrieb jährliche Zahlungen fällig. Die Obergrenze dafür hat der Gesetzgeber mit 20 Euro pro Jahr für die einfachen "modernen Messeinrichtungen" festgelegt. Das ist nach Angaben von Leber in etwa so viel, wie bisher schon für den analogen Stromzähler angesetzt war. Dieser Betrag war in den monatlichen Grundgebühren einkalkuliert. Das soll bei den Stadtwerken auch so bleiben. Deshalb wird sich nach dem Wechsel auf den digitalen Zähler an der Grundgebühr zunächst einmal nichts ändern.

    Kosten schwanken stark

    Anders wäre es,  wenn die jetzt noch nicht zur Verfügung stehenden Smart Meter eingebaut würden. Da würden die jährlichen Kosten je nach Verbrauch zwischen 23 Euro und 130 Euro schwanken. Aber die sind ja derzeit noch nicht verfügbar. Kosten könnten außerdem entstehen, wenn durch den Einbau eines neuen digitalen Zählers Umbauarbeiten am Zählerschrank notwendig würden. Das könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn es jetzt schon im Zählerschrank mit dem alten Zähler ziemlich eng zugeht, wie Antonio Carrillo-Fernandez, der Netzmeister der Stadtwerke, erklärt.    

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Anmelden