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    Strahlungen

    SuedLink-Trasse: Bürgermeister wollen mitreden

    In solchen Gräben werden die Gleichstromkabel verlegt. Foto: Bildrechte: Tennet

    SuedLink, die unterirdische Stromtrasse, die Strom vom Norden der Republik in den Süden transportieren soll, trifft auf Mellrichstädter Gemarkung auf den Landkreis Rhön-Grabfeld. Bei Strahlungen verlässt sie ihn wieder. Beide Male führt die Route durch Wälder. Schneisen müssen geschlagen werden, die auch nach der Verlegung der Kabel auf einer Breite ungefähr 50 Metern von Baumbewuchs freigehalten werden müssen. 

    Die Zeit ist knapp

    In Strahlungen geht es um zehn Hektar Wald (hauptsächlich Privatwald), in Mellrichstadt  um fünf Hektar (Stadtwald) und in Rannungen um 13 Hektar (Privat- und Kommunalwald). In einem Gespräch mit dieser Redaktion erläutern Strahlungens Bürgermeisterin Karola Back und ihr Stellvertreter Johannes Hümpfner, Mellrichstadts Bürgermeister Eberhard Streit und Rannungens Bürgermeister Fridolin Zehner, warum dieses Pläne ihnen Bauchschmerzen bereiten, und was sie dagegen zu unternehmen gedenken. Die Zeit ist knapp. Bis 24. Juni müssen die Einwendungen gegen die Trassenplanung von Tennet und Transnet  formuliert und bei der Bundesnetzagentur eingereicht werden, sonst finden sie keine Berücksichtigung.

    Back und Zehner für Alternative 4

    Allen Bürgermeistern ist klar: Es ist unwahrscheinlich, dass die von Tennet präsentierte Vorzugstrasse noch große Veränderungen erfahren wird. Dennoch werden Back und Zehner beantragen, dass die Planer die Alternative 4 nochmals in Augenschein nehmen. Diese Strecke führt unter einer bereits bestehenden Hochspannungsleitung von Wollbach über Bad Neustadt, Hohenroth und Niederlauer nach Burghausen im Landkreis Bad Kissingen. Verworfen wurde sie von den Planern, weil es bei Hohenroth eine Engstelle von 45 Metern gibt, die angeblich nur schwer zu queren wäre.

    Back und Zehner favorisieren die Alternative 4, weil die ohne zusätzliche Waldrodungen auskommen würde. Zudem müssten Strahlungen, Münnerstadt, Maßbach und Oerlenbach keine zusätzlichen Flächen zur Verfügung stellen. Beiden ist klar, dass man ihnen vorwerfen wird, ihr Problem nach dem Sankt-Florians-Prinzip einfach anderen Gemeinden aufs Auge drücken zu wollen. Das sei nicht so, betonen die beiden. Sie wollen nur, dass alle Alternativen objektiv geprüft werden.

    Die SuedLink-Trasse soll entlang der Autobahn verlaufen. Die Pläne sind am Montagabend Thema im Strahlunger Gemeinderat. Foto: Grafik: Christopher Walter

    Vorbehalte in Strahlungen

    Gleichzeitig richten sich die Bürgermeister darauf ein, dass die von Tennet bevorzugte Trasse von der Bundesnetzagentur befürwortet wird. Entsprechend werden sie ihre Einwendungen für dieses Gebiet formulieren.

    Auf Strahlunger Gebiet könnten die Waldstücke Tannig, Lange Lohe und Buchenwald betroffen sein. Die Vorbehalte, die Karola Back gegen die Trasse vorbringt, sind vielschichtig:  Da ist zum Einen der Bau der A 71. Schon damals mussten Landwirte und Waldbesitzer Flächen hergeben. Die Betroffenen sehen nicht ein, warum sie nun schon wieder belastet werden sollen. "Die Leute verlieren ihren Wald und haben entlang der Trasse nur Ödland", gibt Hümpfner zu bedenken. Dieses könne man nicht sinnvoll bewirtschaften. Völlig offen sei, wie die Entschädigung aussehen soll. Sind ein Flächentausch oder -kauf vorgesehen? Und, wo sollen etwaige Ausgleichsflächen liegen? "Unsere Landwirte geben nichts mehr her", vermutet Back.

    Geplant sei, die Trasse möglichst nah entlang der A 71 zu verlegen. Das sei in weiteren Bereichen nicht möglich, vermutet der stellvertretende Bürgermeister, weil dort viele Regenrückhaltebecken liegen, die umgangen werden müssten. Johannes Hümpfner macht auch darauf aufmerksam, dass alleine der Bau der Trasse die Straßen bei Strahlungen über Gebühr belasten würden. Die Straßen seien tonnagebeschränkt. Alleine die Rollen für die Gleichstromkabel seien schon so schwer, dass die Transportlaster Belag und Unterbau beschädigen würden.

    Bedenken in Mellrichstadt

    Bürgermeister Eberhard Streit zweifelt die Sinnhaftigkeit der Stromtrasse nicht an. Er will aber unbedingt erreichen, dass die geplante Trasse, die auf einer Breite von rund 50 Metern innerhalb des jetzt vorgeschlagenen 1000 Meter breiten Korridors verläuft, nur Waldstücke und Ackerflächen auf Mellrichstadts Gemarkung berührt, die nicht hochwertig sind.  In diese Feinplanung wollen die Bürgermeister von Beginn an eingebunden werden. "In Absprache mit uns muss der unschädlichste Weg gefunden werden", fordert Streit.   Und: "Die Flur darf nachher nicht schlechter aussehen als vorher."

    Streit ist ein gebranntes Kind: Schon zweimal hat er erleben müssen, dass Tennet Pläne auf Mellrichstädter Gemarkung festklopfte, ohne sich mit ihm abgesprochen zu haben. Und das, obwohl das Unternehmen größtmögliche Transparenz zugesagt hatte. Das will er nicht mehr erleben. Deshalb wollen er und Karola Back von Anfang an mitreden, dabei sein und und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Unterstützung und Solidarität fordern sie von den Landkreisgemeinden, an denen der SuedLink-Kelch vorübergegangen ist, beispielsweise in Hinblick auf mögliche Ausgleichsflächen für Rodungen. 

    Landrat Thomas Habermann hat den Bürgermeistern im Kreisausschuss bereits die Unterstützung seiner Behörde zugesagt. Das begrüßen Back und Streit. "Wenn der Landrat dahinterhängt, dann ist die Wucht größer", hoffen sie. 

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