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    Unsleben

    Thomas Pigor: Von Berliner Hipsterbärten bis zur Rhönhommage

    Seit 25 Jahren gemeinsam auf der Bühne. Thomas Pigor (links) und Benedikt Eichhorn.
    Seit 25 Jahren gemeinsam auf der Bühne. Thomas Pigor (links) und Benedikt Eichhorn. Foto: Thomas Nitz

    Bayerischer Kabarettpreis, Deutscher Kleinkunstpreis, Salzburger Stier. Die namhaftesten Auszeichnungen seiner Zunft hat der in Berlin lebende Kabarettist und Chansonier Thomas Pigor längst erhalten. Gemeinsam mit Pianist Benedikt Eichhorn kommt Pigor am Freitag, 6. März, in die Stadthalle auf Einladung eines ungewöhnlichen Veranstalters: Die Genossenschaft der Krone Schenke in Unsleben lädt zu dem Kabarettabend ein, und an die Krone Schenke geht auch der Erlös. Schließlich ist der gebürtige Unslebener Pigor einer der Genossen und spielt damit für einen guten Zweck. Im Interview spricht er über seinen Werdegang, sein aktuelles Programm und Pläne für die Zukunft.

    Herr Pigor, zunächst mal herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!

    Thomas Pigor: Welches Jubiläum?

    Fünfundzwanzig Jahre Zusammenarbeit mit Benedikt Eichhorn. So steht es zumindest bei Wikipedia.

    Wir arbeiten zwar schon länger zusammen, aber richtig, 1995 war Premiere für unser erstes gemeinsames Bühnenprogramm. Ich bin jedoch kein Freund von Jubiläen, weil das immer so etwas Rückwärtsgewandtes hat, ich habe es lieber, auf der Bühne geht's nach vorne.

    Am Freitag, 6. März, kommen Sie gemeinsam mit Benedikt Eichhorn in die Stadthalle zum nunmehr neunten gemeinsamen Programm "Pigor singt – Benedikt Eichhorn muss begleiten", also Volumen 9. Was gibt es Neues?

    Die Machart Pigor singt und Benedikt Eichhorn muss begleiten ist ja in den vergangenen Jahren stets gleich geblieben. Die beiden Figuren Pigor und Eichhorn haben zwar im Laufe der Zeit ihre Veränderungen erfahren, aber das alte Komikerprinzip bleibt gleich: Der herrische Sänger und der gut gelaunte Pianist, der die Sympathien des Publikums auf seiner Seite hat. Was in jedem Programm neu ist, sind die Songs. Da ich acht Jahre lang das "Chanson des Monats" für den Deutschlandfunk und weitere Sender gemacht habe, besitze ich ein großes Repertoire an aktuellen und politischen Songs. Meiner Meinung nach ist Volumen 9 unser bislang politischstes Programm. Ich glaube, gerade deshalb passt es in die Zeit.

    Verraten Sie uns ein paar Highlights aus Volumen 9?

    Wir haben einen Song über die Überbetonung der nationalen Zugehörigkeit und die Abgrenzung von Gruppen untereinander. Oder der Song "Iiiiih, ein SUV!" in dem wir fordern, dass die Gesellschaft doch bitte die SUVs genauso ächten sollte wie das Rauchen oder den Pelzmantel. Natürlich gibt es auch humorvolle Songs wie "Bärte zählen in Mitte", wo wir uns über Berliner Hipsterbärte lustig machen. Ein Lied über Europa fällt ein wenig aus dem Rahmen, weil es eher poetisch und besinnlich ist. Und eine Hommage an die Rhön ist auch dabei.

    Kennen Sie die neue Stadthalle bereits?

    Ich habe schon in der alten Stadthalle gespielt. Damals, mit dem Schulorchester des Rhön-Gymnasiums (lacht). Ich freue mich über das große und bunte Programm, das in der neuen Stadthalle geboten wird. Das ist sicher eine Bereicherung für die Stadt.

    Am 6. März spielen Sie für die Krone Schenke in Unsleben, also für ein genossenschaftliches Projekt. Was bedeutet das für Sie?

    In Unsleben hat man sich in Sachen Krone Schenke zusammengeschlossen, das Haus renoviert und die Gastwirtschaft betrieben. Ein strahlendes Beispiel für echten Bürgersinn, bewundernswert, so muss es sein auf dem Lande. Ich unterstütze dieses Projekt sehr gerne. Ich bin schließlich auch ein Genosse.

    Mit "Drei Männer im Schnee" haben Sie am Staatstheater München im heute kaum noch gängigen Format der Operette einen Riesenerfolg gelandet. Wie sind Sie darauf gekommen, diesen Stoff neu zu bearbeiten?

    Das war eine Anfrage vom Gärtnerplatztheater. Als ich das Buch gelesen und mir den Film von 1955 mit Paul Dahlke angesehen hatte, war mir klar, dass sich der Stoff sehr gut für das Musiktheater eignet. Im Musiktheater braucht man eine übersichtliche Handlung, damit man Platz hat für die Gesangs- und Tanz-Nummern. Mich hat es gereizt, ein Stück im Stil der 30er-Jahre zu schreiben, mit einer anderen musikalischen Sprache als im Kabarett. Es ist eine sehr runde Sache geworden und mit dem außergewöhnlichen Ensemble des Theaters geradezu ein Glücksfall. Die Operette war ja eine Uraufführung und zuvor noch nie auf einer Bühne zu sehen.

    Gibt es neue Theaterprojekte?

    Ja, aber darüber kann ich noch nicht sprechen.

    Volumen 10 ist aber sicher, oder?

    Ja. Das ist aber eine große Aufgabe, weil ich dafür eine Menge neuer Songs brauche. Aus meinem Pool 'Chanson des Monats' kann ich dann nicht mehr schöpfen. In Planung ist Volumen 10 aber, und mit Pigor und Eichhorn geht es auf jeden Fall weiter.

    Mit dem Jahr 2020 beginnt eine neue Dekade. Was erwarten Sie von Deutschland, von der Welt?

    Ich glaube, es wird Umbrüche geben, die sich gewaschen haben. Die Merkel-Ära ist für mich die Ära der Problemverdrängung. Der Klimawandel wird bei uns ankommen, wenn er nicht schon längst angekommen ist, die Arbeitswelt wird revolutioniert. Wir müssen uns in so vielen Bereichen neu aufstellen! Ich glaube, das wird keine gemächliche Dekade werden.

    Drei Stichworte hätte ich noch für Sie mit der Bitte um eine kurze Antwort. Stichwort 1: Vereinigte Staaten von Amerika.

    Hoffentlich wählen die nicht noch mal Trump! Aber sie haben auch George W. Bush zweimal gewählt.

    Stichwort 2: Fridays for Future.

    Ich finde es faszinierend, dass die endlich mal die Politik ein bisschen auf Trapp gebracht haben. Sie haben nicht in jeder Äußerung, aber im Prinzip zu einhundert Prozent Recht.

    Stichwort 3: Markus Söder.

    Vom Saulus zum Paulus.

    Karten für "Pigor singt – Benedikt Eichhorn muss begleiten Volumen 9" am Freitag, 6. März, um 20 Uhr in der Stadthalle gibt es im Vorverkauf im Dorfladen Unsleben und in der Stadthalle sowie an der Abendkasse.

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