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    Bad Königshofen

    Tischtennis: Junge Talente senden die Bundesliga in die Welt

    „Unter Strom stehe ich deswegen nicht. Aber einen gewissen Druck verspüre ich schon je mehr es darauf zugeht“, sagt der 22-jährige Andre Ankenbrand, Steuerfachangestellter aus Bad Königshofen, zu seiner Aufgabe bei den Bundesliga-Heimspielen des TSV Bad Königshofen. Er sitzt in der Shakehands-Arena am Steuerpult ins weltweite Netz.

    Am Sonntag findet das siebte Heimspiel des Tabellenachten TSV Bad Königshofen gegen Grünwettersbach statt. Zum siebten Mal sitzt auch Andre Ankenbrand vor einem Rechner und zwei Monitoren, inmitten der Verkabelung zu den Kameras. Einen Blick für das Live-Geschehen in der Box hat er kaum. Er beobachtet konzentriert das Geschehen auf dem Bildschirm. Sein Job: verantwortlicher Livestreaming-Operator.

    Selbst mal aktiver Tischtennisspieler

    Andre selbst hat früher mal Tischtennis gespielt. Als er auf Vermittlung seiner Schwester Elena, die schön länger zum Helferteam in der Catering-Abteilung gehört, von Manager Andy Albert angesprochen wurde, zögerte er nicht lange. Er  wusste, dass es eine nachhaltige Aufgabe sein würde, aber auch, dass sie ihm auf den Leib geschneidert sein könnte. Technische Vorkenntnisse hatte er sich selbst angeeignet.

    Wer immer zweifelt, ob junge Leute aus Idealismus heraus Aufgaben unentgeltlich für andere übernehmen, dem sei ein Gespräch mit Andre Ankenbrand und dem 14-jährigen Linus Türk empfohlen. Auch Linus, Andres Assistent, ist ähnlich gestrickt und spielt selbst in einer Jugendmannschaft des TSV. Ankenbrand: „Er ist für mich der ideale Partner bei diesem Job, weil er technisch sehr fit ist, über längere Zeit konzentriert arbeiten kann und ungeheuer zuverlässig ist.“

    Und zusätzlich noch live tickern

    Die Spiele der Tischtennis-Bundesliga werden auf mehreren Plattformen live im Netz übertragen: über die Website der TTBL und über „sportdeutschland.tv“. Zusätzlich bieten die TTBL und der DTTB (Deutscher Tischtennisbund) je einen Liveticker an, der von den beiden zusätzlich bedient wird. Das heißt, solange die Spiele laufen, also bis zu dreieinhalb Stunden, müssen beide hellwach und konzentriert sein. „Wir haben bei jedem Heimspiel zwei Kameras im Einsatz“. erklärt Andre. „Die eine, an einem so genannten Steiger fest installierte Hauptkamera, überträgt aus einer Höhe von gut sieben Metern mit dem totalen Blickwinkel auf den Spieltisch. Und seitlich versetzt hinter einer der beiden Schiedsrichterboxen befindet sich die Zweitkamera, von der die Zeitlupen-Aufnahmen geliefert werden.“

    Der Aufbau findet parallel zum Aufbau der Boxen und Tribünen schon, wenn möglich, am Samstagabend statt. An einem normalen Spieltag wird am Sonntag zwei Stunden vor Spielbeginn die Technik ausprobiert. Eine Stunde vor Spielbeginn startet der Livestream. "Davor schließen wir uns telefonisch kurz mit einem TTBL-Verantwortlichen und von sportdeutschland.tv, ob alles passt.  Dann kann´s losgehen.“ Weil meistens noch Zeit ist, hilft das Livestream-Team mit beim Aufbau der Musik-Technik und der Leinwand für die Bild- und Video-Einblendungen. Für diesen Bereich sind Andres Schwester Elena und Christina Raab zuständig.

    App wird in Echtzeit bedient

    Die Liveticker-App auf einem Tablet bedient Linus Türk ganz alleine und in Echtzeit. „Sobald ein Punkt von den Schiedsrichtern angezeigt wird, drückt Linus auf den Button. Das erscheint dann über eine Doppelschnittstelle in den beiden Livetickern und im Livestream gleichzeitig.“ Die Entscheidung über den Slomo-Einsatz trifft Andre Ankenbrand allein, spontan und intuitiv. Da ist es von Vorteil, dass er selber Tischtennisspieler war: „Ich muss entscheiden, ob der Ballwechsel soeben ein herausragender war, der eine Zeitlupen-Wiederholung wert ist. Bei kurzen Ballwechseln wie Aufschlag, Topspin-Return und höchstens noch ein Block nehme ich den Vier-Sekunden-Trailer, bei einer längeren Rallye den mit acht Sekunden. Wichtig ist, dass die Wiederholung und das Live-Spielgeschehen sich nicht überschneiden.“

    Nach sechs Einsätzen haben Andre und Linus bereits Erfahrungswerte. „Wir sind relativ eingespielt und es läuft.“ Krasse Fehler, wie sie in anderen Hallen immer wieder mal zu beobachten sind, haben die beiden bisher nicht erlebt, sonst hätten sie diese im Feedback von den Auftraggebern mitgeteilt bekommen.

    Höchste Konzentration gefordert

    Zwischendurch mal aufs Klo gehen oder Kaffee-Trinken geht nicht. „Nein, unter Strom bin ich nicht, aber im Tunnel schon und fokussiert auf die Sache.“ Emotionen könne sich nicht erlauben. "Wenn ich einen Fehler mache, sehen das einige Tausend Zuschauer in Deutschland und irgendwo auf der ganzen Welt, besonders in Japan, wo unser Mizuki und Sponsor Kotani herkommen, live oder aus der Mediathek.“

    Ob bei solcher Beanspruchung inzwischen Reue Einzug gehalten habe, diesen Job angenommen zu haben? „Ganz im Gegenteil. Es ist schön zeigen zu können, was man kann. Das macht einen auch ein bisschen stolz, ein kleines Rädchen in dem großen Projekt Tischtennis-Bundesliga im kleinen Bad Königshofen sein zu dürfen."

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