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    Trappstadt

    Viel Lob für die Trappstädter Ortschronik

    Anstehen zum Signieren: Viele Bürger ließen sich von Michael Böckler einen Gruß in die neue Chronik schreiben, hier ist es Mathias Gerstner. Foto: Regina Vossenkaul

    Einen guten "Dreipfünder" nannte Autor Michael Böckler seine Dorfchronik, die passend zur 750-Jahrfeier von Trappstadt erschienen ist und nun der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Vollbesetzt war das Gästehaus, was das große Interesse der Bevölkerung wiederspiegelt, darüber freute sich auch Bürgermeister Michael Custodis, der sich bei Böckler für die unzähligen investierten Stunden bedankte. Die Faschingssänger hatten selbst gedichtete Liedtexte vorbereitet und trugen sie während der Veranstaltung zu bekannten Melodien vor.

    750 Jahre bewegte Geschichte

    Böckler stellte die Chronik mit dem Titel "Trappstadt - 750 Jahre bewegte Geschichte" vor, die 528 Seiten und 989 Bilder umfasst und 1700 Gramm wiegt, das Umschlagbild stammt vom verstorbenen Künstler Erich Husemann. Eine Chronik sei eine Zeitreise von der Steinzeit bis in die Gegenwart, erklärte der Autor. Ihm war es wichtig, nicht nur die Geschichte der Herrschenden zu erzählen, sondern auch die des "kleinen Mannes".

    Dabei halfen ihm eine vorhandene Chronik aus früheren Jahren von Josef Sperl, Aufsätze und Broschüren sowie Dokumente aus Archiven und aus der Kirchturmkugel. Trappstädter Bürger, Bezirks- und Kreisheimatpfleger sowie Pressevertreter haben ihm Materialien zur Verfügung gestellt, dafür bedankte er sich. Besonderer Dank galt Theo Albert, der alle Buchseiten professionell gesetzt hat. "Theo, du bist ne Wucht", kommentierten die Faschingssänger das Lob. Gedruckt wurde bei der Druckerei Mack.

    Mal katholisch, mal evangelisch

    Trappstadt ist sicher älter als 750 Jahre, eher 1200 Jahre, wie Ausgrabungen beweisen, stellte Böckler fest. Auf einer Urkunde, die in der Staatsbibliothek Bamberg liegt, wird 1269 ein Zeuge namens "Conradus de Trappstat" genannt. Dieses Datum gilt als offizielles Gründungsdatum. Viele adlige und klösterliche Grundherren hatten Besitz im Ort, 1544 bis 1628 war das Dorf teilweise evangelisch, davor und danach katholisch, je nach Besitzverhältnissen. Das habe Trappstadt im Dreißigjährigen Krieg oftmals bewahrt, "denn die Leute konnten sich zum evangelischen oder katholischen Glauben bekennen, wie es gerade passte", berichtete Böckler. Trotzdem gab es Verwüstungen und Gräueltaten, dazu kam die Pest. Nach dem Krieg waren von 99 Hofstellen nur noch 39 vorhanden.

    Zu Fuß nach Paris und zurück

    Zum Blick in die Vergangenheit gehören auch die Trappstädter, die in die Kriege ziehen mussten, darunter Valentin Bauer, der am deutsch-französischen Krieg 1870/1871 teilnahm und ein Tagebuch verfasst hat. Er lief zu Fuß bis nach Paris und danach wieder zurück, das sind rund 1800 Kilometer. Brauchtum, Sagen, Vereine, Flurnamen, bekannte Persönlichkeiten und Künstler aus Trappstadt, die Geschichte der Juden und vieles mehr haben im Buch eigene Kapitel.

    Besondere Ausdrücke aus dem Trappschter Dialekt werden erklärt, hier hat eine Mundart-AG mitgeholfen, bestehend aus Mathias Gerstner, Evi Böckler, Alfons Weikert und Marlene Bauer. Gerstner trug in Mundart eine Beschreibung seiner Jugendzeit vor, als die Kinder bis zum Dunkelwerden draußen spielten oder Schlitten fuhren und es noch drei Wirtschaften und Geschäfte im Dorf gab.

    Die Faschingssänger hatten Liedtexte gedichtet und begleiteten musikalisch durch Programm. Foto: Regina Vossenkaul

    Kreisheimatpfleger Reinhold Albert lobte die Chronik und versicherte, dass man sich unter den Heimatgeschichtsfreunden aushelfe und sich gegenseitig Informationen zur Verfügung stelle. Es gebe kein Konkurrenzdenken. Er bedankte sich bei allen Trappstädtern, die altes Bildmaterial herausgesucht haben, denn ohne Bilder und Skizzen sei ein Buch eine Bleiwüste. Das historische Bildmaterial habe ihn begeistert, so Albert.

    Die Trappstädter Chronik ist gleichzeitig Band 46 der vom Verein für Heimatgeschichte seit 1989 herausgegebenen Schriftenreihe. Bezirksheimatpfleger Dr. Klaus Reder stellte fest, dass es keine Region mit einer derartigen Dichte an Ortschroniken gibt wie im Grabfeld. Die Chroniken seien ein Denkort und ein Lernort, weil man durch die Vergangenheit mit Krisen, Kriegen, Verfolgungen und Katastrophen die Gegenwart besser verstehe und die Zukunft andres gestalte.

    Gleich eine signierte Chronik mitgenommen

    Stellvertretender Landrat Josef Demar freute sich über das große Interesse der Bürger an der Publikation, dankte Gemeinderat und Bürgermeister, dass sie die Finanzierung übernommen haben und sprach allen Mitwirkenden seinen Respekt aus. Er schloss sich den vielen Bürgern an, die gleich eine Chronik mit nach Hause nehmen wollten und diese vom Autor signieren ließen.

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