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    Sulzfeld

    Viele Aufträge - zu wenig Auszubildende im Handwerk

    Etwas schaffen und stolz darauf sein: Handwerker werden überall gebraucht, es gibt aber zu viele offene Ausbildungsplätze. Foto: Regina Vossenkaul

    Die Handwerksbetriebe haben oft volle Auftragsbücher, aber es gibt immer weniger Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz. Die Industrie schöpft die guten Schulabgänger ab, der Rest verteilt sich auf das Handwerk - so wurde die Situation beim ersten Handwerkerstammtisch der Grabfeld-Allianz von den Anwesenden zusammengefasst.

    Allianzsprecher Jürgen Heusinger begrüßte Vertreter aus den Bereichen Maler/Verputzer, Kfz, Zimmerei, Heizungsbau, Schreinerei, Spedition, Kaminkehrer, Bauwesen, Bäcker, Optiker und Baumaschinen. Außerdem hieß er Hugo Neugebauer, Handwerkskammerpräsident a. D., sowie Steffen Würstl und Daniel Hinske als Vertreter des Gewerbevereins Thüringer Grabfeld (Verein G 3) willkommen. Eine Möglichkeit zum Präsentieren des eigenen Betriebs bietet bereits die Grabfelder Jobmeile, die aber offen für Industrie, Dienstleistungen und Handwerk im Umkreis von rund 20 km bleiben wird, so Heusinger. Was kann die Allianz außerdem tun, um das Handwerk zu fördern? Was ist möglich, was ist sinnvoll?

    Das Handwerk habe ein Imageproblem wurde in der zweieinhalbstündigen, lebhaften Diskussion mehrfach angesprochen. Schon im Elternhaus werde den Kindern empfohlen, keinen Beruf zu wählen, bei dem man sich die Hände schmutzig macht. Das setze sich in der Schule fort, wo die Jugendlichen, die den Sprung in die besser bezahlenden Industriebetriebe nicht schaffen, auf das Handwerk vertröstet werden. Sich in den Schulen zu präsentieren ist für Handwerksbetriebe nicht möglich, allerdings gibt es Praktikanten, überwiegend aus den Mittelschulen. Praktika finden in den Realschulen in den Ferien statt und der Bezug der Gymnasiasten zur Praxis fehlt ganz. Wer das Gymnasium nach der zehnten Klasse verlässt, hat "von nichts eine Ahnung", wurde bemängelt.

    Die Frage der Entlohnung spielt bei der Wahl des Ausbildungsplatzes natürlich eine Rolle. Das Handwerk könne nicht mit der Industrie mithalten, habe aber aufgeholt, wurde besprochen. Er brauche keinen Azubi, der nur nach dem Geld schaut, sondern einen begeisterten "Schrauber", sagte ein Vertreter des Kfz-Bereichs. Es gebe immer weniger Schulabgänger und die Azubis von heute seien heiß umworben. Vor fünf Jahren sah es noch ganz anders aus, gab Hugo Neugebauer zu bedenken. Er wies auf Imagefilme der Handwerkskammer und die Azubi-App hin und reagierte damit auf den Vorwurf eines Anwesenden, man zahle viel ein, aber es komme nichts zurück.

    Was die Handwerksbetriebe selbst in die Hand nehmen könnten, wurde im zweiten Teil des Abends besprochen. Man sollte auch "Mundwerker" sein und mit dem, was geschaffen wurde, in die Öffentlichkeit gehen, sagte der Obermeister der Malerinnung, Stefan Neuhöfer. Vorschläge wie Berichte von erfolgreichen Handwerkern in die Zeitungen bringen zwecks Imageverbesserung, Facebook und Instagram nutzen, angebotene Ausbildungs- und Praktikumsplätze in den heimischen Gemeindeblättern veröffentlichen und anderes wurde gesammelt. Zusätzliche Handwerksmessen werden vorläufig nicht anvisiert. Die Anwesenden fragten sich auch, mit welchen Inhalten das als "Jahr des Handwerks" vom Landkreis deklarierte Jahr 2019 gefüllt werden soll. Und wie kann das "Azubi-Shuttle" funktionieren, wenn zahlreiche Jugendliche fast zur gleichen Zeit zum Ausbildungsplatz oder zur nächsten Busverbindung transportiert werden sollen? Die Vertreter des Vereins G 3 berichteten von ihrer Aktion "Zukunft on Tour", bei der 20 Betriebe einen "Samstag der offenen Tür" veranstalteten. Zukünftige Schulabgänger konnten sich mit ihren Eltern oder allein per Shuttle die Ausbildungsbetriebe anschauen. So hatten sie gleich ein Bild von ihrem eventuellen Ausbildungs- oder Praktikumsplatz.

    Allgemein wurde gelobt, dass die Allianz diesen Handwerkerstammtisch organisiert hat, eine Fortsetzung, vielleicht in einem Vierteljahr, wurde gewünscht. Dazu wird Projektmanagerin Silvia Schmitt noch einmal schriftlich einladen, anschließend dann nur noch per E-Mail. Die Organisatoren baten um Nachsicht, sollte ein Betrieb keine Einladung erhalten haben, es sei wegen des Datenschutzes schwer an alle Adressen heranzukommen, wurde mitgeteilt.

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