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    Bad Neustadt

    Wachswetter bei Hitzegraden in Rhön-Grabfeld?

    Allerhand Blühendes und natürlich auch im feuchten Nass. Foto: Bernd Heim

    Der kalendarische Sommerbeginn am 21. Juni präsentierte sich wettermäßig voll sommerlich. Und an den Folgetagen bis zum Monatsende brachten uns die Hochs "Ulla" und "Vera" schwülheiße Tropentage, so dass der Juni insgesamt viel zu trocken und zu warm war. Der sich aktuell vollziehende Klimawandel macht das Wetter immer unberechenbarer und extremer.

    Viele Menschen fragen sich nun, wie das diesjährige Juliwetter wird. Im römischen Kalender wurde dieser Monat nach dem Feldherrn und Staatsmann Gajus Julius Cäsar benannt, der übrigens im Jahr 46 unserer Zeit auch den Julianischen Kalender einführen ließ. "Heumonat" beziehungsweise "Heumond" nannten unsere Vorfahren diesen gewöhnlich wärmsten Jahresmonat, war doch einst zu dieser Zeit das Heumachen und -einfahren angesagt. Die mittelalterlichen Kalendermacher ließen die Beobachtungen von Bauern, Schäfern, Förstern und Schiffsleuten, die durch ihre Berufsarbeit besonders vom Wetter abhängig waren und das ja heute noch immer sind, nach damaliger Sitte rechteinprägsam in Versform in ihre Kalendarien einfließen.

    Bauernregeln wurden jeweils weitergegeben

    Allgemein "Bauernregeln" genannt, spiegeln sie Jahrhunderte alte Erfahrungen zwischen Mensch und Natur wider. Man hat diese von Generation zu Generation weitergegeben und sie haben sich bislang noch als ziemlich treffsicher erwiesen. Jedoch kann ein Teil dieser alten Wetterregeln heute nicht mehr auf den Tag genau angewendet werden, weil der Julianische Kalender im Jahr 1582 revidiert wurde sowie außerdem in unserer Gegenwart noch die Wirkungen der Erderwärmung zu berücksichtigen sind.

    Wetterkapriolen und -extremen wird es nach den Aussagen der Klimaforscher statistisch viel häufiger und damit öfters als bislang geben. Landläufige Meinung war und ist es noch immer: "Was Juli und August nicht kochen, kann der September nicht braten". Auftretende Gewitter sind jetzt nicht zu unterschätzen. Nach den alten Bauernregeln soll sich vom Juliwetter auch auf das Wetter im kommenden Herbst und Winter schließen lassen. Nicht von ungefähr sagten so die Altvorderen: "Wenn großblumig im Juli wir Disteln erblicken, will Gott gar guten Herbst uns schicken" beziehungsweise "Bringt uns der Juli heiße Glut, gerät auch der September gut" sowie "Juli schön und klar, gibt ein gutes Jahr". Jedoch: "Macht der Juli uns heiß, bringt der Winter viel Eis".

    Lostage und Hundstage

    Besonders beliebt waren einst die Lostagsregeln. Diese bezogen sich auf bestimmte Namenstage von katholischen Kirchenheiligen, an denen das "Los", also das künftige Wetterschicksal, angeblich bestimmt würde. Der 8. Juli, Tag des Heiligen Kilian, gilt seit alters her als Beginn der Getreideernte, denn: "Kilian, der heilige Mann, stellt die ersten Schnitter an". Und die Wetterregel für den Tag der Heiligen Margarete (20. Juli), der Patronin der Feldfrüchte, lautet: "Wenn es an St. Margret regnet, regnet es noch zwei Wochen." Und der Monat endet mit den so genannten "Hundstagen", die vom 23 Juli bis zum 23. August dauern und in Mitteleuropa im Allgemeinen das heißeste Wetter des Jahres bringen. Diese Zeit wird durch den Aufgang des Hundssterns (Sirius) im Sternbild des Großen Hundes bestimmt: "Hundstage hell und klar, zeigen an ein gutes Jahr; doch wenn Regen sie bereiten, kommen nicht die besten Zeiten."

    Für den 23. Juli soll gelten: "Klar muß Apollinaris (der Tag wurde nach dem katholischen Kirchenheiligen Apollinaris von Ravenna benannt, der anfangs des 2. Jahrhunderts lebte und wirkte) sein, soll sich der Bauer freu'n". Für den 25. und den 26. Juli, also den Tag des Heiligen Jakobus und den Tag der Heiligen Anna - damals begann früher die Haupternte - galt: "Sankt Jakob und Sankt Anna nehmen hinweg alle Not, bringen Kartoffeln und frisch Brot" sowie "Ist Sankt Anna klar und rein, wird bald das Korn geborgen sein." Auch prognostizierte man: "Jakobi hell und warm, macht im Winter den Ofen arm", "Ist's heiß am Jakobitag, bringt der Winter große Plag'" sowie "Jakobi klar und rein, wird's Christfest kalt und frostig sein." Weiterhin soll gelten: "Werfen die Ameisen auf am Annentag, ein strenger Winter folgen mag" und: "Ist Sankt Anna erst vorbei, kommt der Morgen kühl herbei." Ein weiterer gängiger Erfahrungswert der Altvorderen war: "Baut im Juli die Ameis' groß den Hauf', folgt ein strenger Winter drauf."

    Hundertjähriger Kalender

    Schenkt man den Aussagen des Hundertjährigen Kalenders Glauben, soll es vom 1. bis 7. Juli heiß und gewittrig sein, danach vom 8. bis 12. Juli regnerisch werden, der 13. Juli schön sein, vom 14. bis 20. Juli wieder Regen geben, es vom 21. bis 26. Juli etwas kühler werden, am 27. und 28. Juli gewittrig sein und die restlichen Juli trübe und kühle Witterung herrschen. Danach soll es vom 22. bis 27. Juli heiter und dann bis zum Monatsende recht warm sein. 

    Bernd Heim

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