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    Waldberg

    Waldberger Schmiede auf dem Weg nach Fladungen

    Die alte Schmiede Waldberg in Waldberg wird abgebaut. Über den Fortgang der Arbeiten beraten sich (von links) Michael Weber, Museumsleiterin Ariane Weidlich, Thilo Mann und Joachim Werner. Foto: Thomas Pfeuffer

    Vor einigen Jahren hat der "Benno" noch in seiner alten Schmiede in Waldberg  noch gewerkelt und manche defekte Gerätschaften von Bauern aus der Region repariert. Inzwischen ist er gestorben. In etwa zwei Jahren aber soll die alte Schmiede wieder in Betrieb gehen. Dann allerdings nicht an ihrem angestammten Platz in der Premicher Straße, sondern im Freilandmuseum Fladungen. Dieser Tage wurde damit begonnen, das Gebäude abzubauen und Teil für Teil nach Fladungen zu transportieren.

    Der alte Dachstuhl ist zur Abfahrt nach Fladungen bereit. Foto: Thomas Pfeuffer

    Das Dach ist schon verschwunden, die noch nutzbaren Ziegel abtransportiert, die Hölzer des Dachstuhls auf einem Pritschenwagen verstaut. Jedes davon mit einem "Abbundzeichen" versehen, wie sie von Zimmerleuten schon seit Jahrhunderten genutzt werden, um sie wieder schnell und sicher zusammensetzen zu können. Joachim Werner und Thilo Mann haben auf der Decke des Gebäudes eine Folie angebracht, um es über Nacht vor möglichen Niederschlägen zu schützen. Auch die Holzschindeln, mit denen das 27 Quadratmeter kleine Gebäude verkleidet war, Fenster und Türe haben sie schon entfernt und abtransportiert. Mit Michael Weber gehören die beiden zu der erfahrenen Handwerker-Truppe des Museums, die solche Arbeiten nicht zum ersten Mal erledigen.

    Nichts bezahlt

    Entsprechend erinnern sie sich, wie viel schwieriger es früher war, ein solches Projekt abzuwickeln. In der Vergangenheit musste ein Gebäude vor dem Abtragen sehr aufwändig vermessen werden, um es später wieder aufbauen zu können. Heutzutage erledige ein Ingenieurbüro das Aufmaß mit einem 3D-Scan – und das sehr genau und in kurzer Zeit, loben die Fachleute.

    Die Waldberger Schmiede habe sich für einen Umzug geeignet, da es sich um ein einzelstehendes, kleines und kompaktes Gebäude handle, was so oft nicht vorkomme, betonte Museumsleiterin Ariane Weidlich, die sich vor Ort einen Eindruck von den Abbauarbeiten verschaffte. Das habe auch zur Folge, dass sie zu überschaubaren Kosten „transloziert“ werden kann. Den finanziellen Aufwand des Projekts schätzt Weidlich auf grob 120 000 Euro. 

    Apropos Kosten. Die Museums-Chefin legt großen Wert auf die Feststellung, dass das Freilandmuseum kein Geld für den Ankauf von Gebäuden zahle. In Waldberg kursierende Gerüchte von großen Summen, die für die alte Schmiede geflossen wären, seien schlicht falsch.

    Ungewöhnliche Konstruktion: Ariane Weidlich und Michael Weber analysieren die Bauweise der Gebäudedecke. Foto: Thomas Pfeuffer

    Michael Weber schätzt, dass die Arbeiten in Waldberg vielleicht noch einmal zwei Wochen in Anspruch nehmen werden.  Zunächst sollen Decken-Elemente ausgebaut und dann ebenso wie später die Wände mit einem Kran herausgehoben und abtransportiert werden. Zuvor müssen die Teile allerdings jeweils aufwändig voneinander getrennt und in mehrere Schichten aus Dämmplatten, Spanplatten und Kanthölzern verpackt werden. Dann werden die gebeilten Sockelbalken und der Steinsockel abgebaut, und es muss untersucht werden, ob der Bodenbelag für den Umzug tauglich ist. Das komplett abgetragene Gebäude wird dann über den Winter in Fladungen eingelagert werden.

    Altes Handwerk

    Ins dortige Depot hat das Fladunger Spezialisten-Team bereits das alte Inventar der Schmiede, Werkzeuge, Esse oder Amboss gebracht. Das Besondere an der Werkstatt von 1934 war nämlich nicht das Bauwerk an sich, sondern die vollständig erhaltene Ausstattung aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die soll aber in Fladungen nicht nur gelagert, sondern restauriert und vor allem wieder betriebsfertig gemacht werden.

    Thilo Mann (links) und Joachim Werner sichern die Decke des Gebäudes ab. Foto: Thomas Pfeuffer

    Wenn die Schmiede wieder aufgebaut ist, soll sie nämlich auch in Betrieb gehen, kündigte Museumsleiterin Weidlich an. Neben der Büttnerei aus Sulzthal soll die Waldberger Schmiede das nächste Gebäude im Museum sein, in dem ein Handwerk und ein Stück dörflichen Lebens präsentiert wird, das heute so nicht mehr zu finden ist. Durch regelmäßige Vorführungen solle die Schmiede zu einem Publikumsmagnet in Fladungen werden: "Arbeit mit Feuer ist immer publikumsträchtig.“ 

    Ein neuer Standort für die Schmiede in Fladungen ist auch schon gefunden. Da sich ein ähnlicher gestalteter Hang wie der, auf dem sie jetzt steht, zwischen der Büttnerei und dem Backhaus findet, kann sie hier ohne größere Erdarbeiten wieder aufgebaut werden.

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