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    MELLRICHSTADT

    Warnung vor Gruppenzwang und Verführern

    Dennis schleppt den Koffer mit dem gestohlenen PC nach Hause, von schlechtem Gewissen geplagt, so, als sähen alle Leute ihm den Diebstahl an. Links: Lauren Donovan und Hannah Abbot; rechts Ian Archdeacon als Polizist.
    Dennis schleppt den Koffer mit dem gestohlenen PC nach Hause, von schlechtem Gewissen geplagt, so, als sähen alle Leute ihm den Diebstahl an. Links: Lauren Donovan und Hannah Abbot; rechts Ian Archdeacon als Polizist. Foto: Fred Rautenberg

    So sollte Jugendtheater öfters sein: Das, was die vier Schauspieler vom White Horse Theatre am vergangenen Dienstag an Action, Wirbel, Abwechslung und schauspielerisch-pantomimischer wie auch rhetorischer Kunst auf der Bühne der Mellrichstädter Ignaz-Reder-Realschule präsentierten, das kam bei dem jungen Publikum der 7. und 8. Jahrgangsstufe hervorragend an. Und „lehrreich“ war das Schauspiel auch, wie es eine der Schülerinnen auf den Punkt brachte.

    Die Botschaft war jugendgerecht: Warnung, dem unguten „Peers-Druck“, dem Gruppenzwang, nachzugeben und sich zu kriminellen Taten verleiten zu lassen. Der Verführte ist in dem Stück „Light Fingers“ (etwa „leichtfertige Finger“ oder freier: „Langfinger“, verfasst von Peter Griffith) der pubertierende Dennis. Er glaubt, unbedingt einen neuen PC haben zu müssen. Nachdem sein Vater den alten noch für gut genug hält, versucht sich Dennis durchs Arbeiten Geld zu verdienen. Nach einer Woche gibt er seinen Job jedoch schon wieder auf. Seine Schulkameraden Zack und Gina stacheln ihn auch noch an, ein Parfum zu stehlen, wenn er „cool“ sein wolle – was er auch tut. Das schlechte Gewissen verfolgt ihn aber wie der Geruch des Duftwassers. Im PC-Laden sticht ihm der teuerste Computer ins Auge. Gina reizt ihn diesmal, den PC zu klauen, um sie zu beeindrucken. Das Mädchen hilft ihm dabei, indem sie den Verkäufer ablenkt. Grotesker Höhepunkt und Riesengaudi: Schüsse fallen (von wem, ist nicht klar, angeblich von Gangstern), Gina tut, als sei sie getroffen, Dennis haut ab mit dem Computer. Dem Vater erzählt er, dass er den PC in einer Lotterie gewonnen habe. Aber das schlechte Gewissen bohrt in dem Jungen. Schließlich wird er als doppelter Dieb entlarvt, wird von der Polizei verhört und zu fünfzig Stunden sozialnützlicher Gemeindearbeit verdonnert. Das Stück endet, wie es begann: Dennis muss malochen, diesmal aber ohne ein einziges Pfund dabei zu verdienen.

    Das White Horse Theatre feiert mit seinen Gastspielen besonders in Deutschland großen Erfolg. Seine Anfänge erlebte das Theater in England, jetzt sitzt es in Soest. Es bezeichnet sich selbst als Europas größtes pädagogisches Tournee-Theater. Jedes Jahr trete es mit sechs Tournee-Gruppen vor über 400 000 Schüler auf – auch im europäischen Ausland.

    In Mellrichstadt spielen die vier Profi-Schauspieler Hannah Abbott, Lauren Donovan, Oliver Aitchison und Ian Archdeacon mehrere Rollen zugleich – besonders sichtbar am einfachen Kleider- oder Requisitenwechsel. Die turbulente Szenen grenzen ans Akrobatische. Die verschiedenen Handlungsorte werden mit einfachen Mitteln wie Musikeinblendungen, sparsamer Beleuchtung und einer symbolträchtigen Barcode-Rückwand schnell und mit Leichtigkeit gewechselt. Das alles war höchst fesselnd und garantierte durchgehenden Aufmerksamkeit bei den Schülern – trotz der Barriere der englischen Sprache, in der das Stück aufgeführt wurde.

    Bereits vor der Aufführung wurden die Schülerinnen und Schüler im Unterricht von ihren Englischlehrern sprachlich und inhaltlich vorbereitet. Einige von ihnen stellten den vier Akteuren nach dem Stück Fragen.

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