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    Warum der Bundorfer Forst ideales Wildkatzengebiet ist

    Den Startschuss zum neuen Wildkatzen-Monitoring gaben im Bundorfer Forst (von links) Eric Fischer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bad Neustadt, Landrat Thomas Habermann, Landrat Florian Töpper, Landrat Wilhelm Schneider, Hannah Heither vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Heiko Stölzner, Forstbetriebsleiter Bad Königshofen von den Bayerischen Staatsforsten und der Koordinator vor Ort, Jürgen Thein.
    Den Startschuss zum neuen Wildkatzen-Monitoring gaben im Bundorfer Forst (von links) Eric Fischer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bad Neustadt, Landrat Thomas Habermann, Landrat Florian Töpper, Landrat Wilhelm Schneider, Hannah Heither vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Heiko Stölzner, Forstbetriebsleiter Bad Königshofen von den Bayerischen Staatsforsten und der Koordinator vor Ort, Jürgen Thein. Foto: Regina Vossenkaul

    "Einfach und genial" nannte Jürgen Thein, Koordinator für das neue Wildkatzenprojekt in den Haßbergen, die Lockstockmethode, um den Bestand der scheuen Tiere und ihre Bewegungsmuster zu erforschen. Im Bundorfer Forst, wo die Landkreise Rhön-Grabfeld, Haßberge und Schweinfurt aneinander stoßen, trafen sich Landräte, Vertreter der Forstbehörden und der Bayerischen Staatsforsten mit Hannah Heither vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die für die Durchführung des Projekts zuständig ist.

    Staatsministerin Michaela Kaniber schickte ihre Grüße und zeigte sich stolz darüber, dass die Wildkatze mit rund 700 Exemplaren wieder vermehrt in Bayern heimisch ist. Durch das neue Forschungsprojekt der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft wolle man feststellen, ob die Wildkatze nicht nur den Wald als Lebensraum nutzt, sondern auch das Offenland. 18 000 Euro werden dafür zur Verfügung gestellt. Das klingt wenig, wenn man weiß, wie teuer die entsprechenden Genuntersuchungen der Haare sind, die von den Lockstöcken abgesammelt und ins Labor geschickt werden, wurde vor Ort diskutiert. Tatsächlich setzt das Projekt bei der Ausführung auf Freiwillige, wie Jürgen Thein vom Büro für Faunistik und Umweltbildung berichtete. Sein Team habe Freude daran, am Projekt Wildkatze beteiligt zu sein, erklärte er. Immerhin sollen 300 Lockstöcke im ungefähr wöchentlichen Turnus bis April abgegangen und behandelt werden. In einem Raster ist das Muster zu sehen: In jedem Abschnitt befinden sich drei Lockstöcke.

    Holzlatte mit Baldriantinktur besprüht

    Die Prozedur ist denkbar einfach: Eine sägeraue Holzlatte wird in den Boden gesteckt und mit Baldriantinktur besprüht. Die Katzen und Kater lieben diesen Geruch über alles und reiben sich daran, das Ergebnis, Haare der Tiere, werden beim nächsten Kontrollgang abgesammelt und in beschrifteten Tüten dem Labor zugeschickt. Dann werden die Stöcke abgeflammt, um keine Resthaare zurückzulassen, und erneut eingesprüht. Wie Thein berichtete, ist die Methode eigentlich eine zufällige Entdeckung am Rande der ursprünglichen, recht umständlichen Nachweismethode, bei der die Katzen in Lebendfallen gefangen und mit Sendern bestückt wurden. Man bemerkte, dass der Holzstab, der durch seine Duftsignale die Tiere anlocken sollte, Haare aufwies. So entstand die Idee, auf eine Methode umzusteigen, die die Tiere weniger stört und geringere Eingriffe in die Natur verursacht.

    Der Lockstock wird mit Baldriantinktur präpariert, die daran hängengebliebenen Haare werden abgesammelt, wie hier Jürgen Thein (Mitte) und die beiden Helfer von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Christian Zehner und Lars Burzer, demonstrieren.
    Der Lockstock wird mit Baldriantinktur präpariert, die daran hängengebliebenen Haare werden abgesammelt, wie hier Jürgen Thein (Mitte) und die beiden Helfer von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Christian Zehner und Lars Burzer, demonstrieren. Foto: Regina Vossenkaul

    Der Bundorfer Forst ist mit seiner Strukturvielfalt, Deckungsmöglichkeiten und Wasser ein idealer Lebensraum für die Wildkatze, die dort schon mehrfach nachgewiesen wurde, berichtete Heither. Dem stimmte Rhön-Grabfelds Landrat Thomas Habermann zu, der auf die Hauptnahrung der Wildkatze, die im Wald unbeliebten Mäuse hinwies. "Ein schönes Tier" nannte Habermann die Wildkatzen, er fragte sich allerdings, ob sie sich anders verhalten als normal, wenn sie im Untersuchungsgebiet von so vielen Lockstöcken abgelenkt werden.

    Naturpark als Lebensraum ausgesucht

    Die Katzen seien nicht nur schön, sondern auch intelligent, weil sie sich den Naturpark Haßberge als Lebensraum ausgesucht haben, pflichtete Wilhelm Schneider, Landrat des Landkreises Haßberge, bei. Er wies auf den Wildkatzen-Lehrpfad zur Vermittlung von Wissen und Sensibilität bei Ebern hin, der auch gern von Kindergärten und Schulen besucht wird. Die Ergebnisse des Monitorings seien sehr interessant, meint auch Schweinfurts Landrat Florian Töpper, zumal die Bevölkerung ein immer größeres Interesse an den Vorgängen in der Natur zeige. Er bedankte sich für die Durchführung des Projekts, das er gern unterstützt.

    Im Jahr 2004 hatte Thein mit der Anwendung der Lockstoffmethode begonnen, damals gelang der Nachweis von je einer Katze in Rhön-Grabfeld und in den Haßbergen. Heute gebe es 10 bis 20 Tiere pro 10 000 Hektar Wald, da sei noch Luft nach oben, so Thein. In Naturschutzgebieten sei die Population zehnmal so hoch. Der größte Feind der Tiere sei nicht der Jäger, der die Wildkatze eventuell mit einer streunenden Hauskatze verwechseln könnte, wie Habermann auf Anfrage versicherte, sondern der Straßenverkehr. Das Abschießen von Katzen sei gesellschaftlich nicht akzeptiert, so der Landrat.

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