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    Mellrichstadt

    Warum die Edingershops Insolvenz anmelden mussten

    Die Edinger GmbH lieferte jahrelang Erfolgsgeschichten im Online-Handel. Nun mussten die Mellrichstädter Insolvenz beantragen. Die Geschäftsführung bleibt optimistisch. 
    In der Krise. Die Edinger Fachmarkt GmbH in Mellrichstadt musste ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung anmelden. Betroffen sind die Märkte in Mellrichstadt und Bad Königshofen sowie der Online-Handel. Foto: Archiv Julia Back

    Schlechte Nachrichten aus dem Streutal: Ende Januar musste die Edinger-Fachmarkt GmbH in Mellrichstadt ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen. Betroffen sind die beiden Standorte in Mellrichstadt und Bad Königshofen sowie der Online-Handel des Unternehmens, wie Geschäftsführer Oliver Edinger in einer Pressemitteilung informiert. Aktuell läuft der Betrieb mit der Zentrale im Gewerbegebiet Loh wie gewohnt weiter.

    41 Mitarbeiter betroffen

    Die Edinger GmbH beschäftigt in Rhön-Grabfeld 41 Mitarbeiter, die nun um ihren Job bangen. Allerdings bleibt Oliver Edinger optimistisch: „Ich bin überzeugt, dass das Unternehmen auch weiterhin eine Zukunft hat“, schreibt Oliver Edinger. Die entsprechenden Weichen sollen nun in einem „Sanierungsverfahren“ gestellt werden. „Eine Insolvenz in Eigenverwaltung zu erreichen, ist keine einfache Hürde, die Anforderungen sind hoch“, so der Geschäftsführer.

    Petra und Oliver Edinger führen ihr Unternehmen mit Herzblut. Foto: Archiv +Julia Back

    Im Gegensatz zu einer „Regelinsolvenz“, bei der ein Insolvenzverwalter eingesetzt werde, bleibe er bei der Eigenverwaltung aber persönlich verantwortlich für das weitere Verfahren. „Für eine erfolgreiche Sanierung ist das der beste Weg, davon bin ich überzeugt“, unterstreicht Edinger. Er spricht von einem enormen Kraftakt, den das Unternehmen nun bewältigen müsse. 

    Geschäftsführung gesteht Fehler ein

    Die Mitarbeiter würden „voll hinter dem Unternehmen und der Geschäftsführung“ stehen. Dafür sei er ihnen dankbar. „Das zeigt, dass auf menschlicher Ebene nicht so viel falsch gelaufen sein kann.“ Ziel müsse sein, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.

    Die aktuelle Startseite des Edinger-Onlinehandels. Foto: Screenshot Gerhard Fischer

    Fehler seien sicher gemacht worden, „sonst wären wir nicht in der Insolvenz“, gesteht Edinger ein. Die Unternehmensführung sei dafür verantwortlich, Krisen fernzuhalten. „Ich glaube aber fest daran, das Unternehmen so aufstellen zu können, dass es wieder erfolgreich ist.“ Auch die bereits zugesagte Unterstützung von Lieferanten und Geschäftspartnern mache „Mut für ein erfolgreiches Verfahren“. Zumal man mit Rechtsanwalt Jörg Franzke (Berlin) auf einen sehr erfahrenen Sanierungsberater zählen könne. Rechtsanwalt Frank Schmitt überwacht als Sachverwalter den Geschäftsbetrieb.

    Schwierigkeiten durch Online-Geschäft

    Der Einzelhandel in Mellrichstadt und Bad Königshofen habe sicher den geringsten Anteil an der jetzigen Situation, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Hauptgrund sei die zunehmende Konkurrenz im Bereich des Online-Handels mit Artikeln rund um Haus und Garten, die besonders in diesem Geschäftsbereich eine umfassende Neuausrichtung notwendig mache. "Alles, was außerhalb des Hauses im Garten gebraucht wurde, sind unser Umsatzbringer", formuliert es Oliver Edinger gegenüber dieser Redaktion. Natürlich müsse auch im Fachmarkt das Sortiment optimiert werden. „Was wird gebraucht? Was nicht? Was fehlt?“, seien die Fragen, die man sich stellen müsse.

    Betrieb läuft ganz normal weiter

    Wichtig sei es Oliver Edinger aber, zu betonen, dass sich bis auf kleinere Einschränkungen aktuell nichts für die Kunden ändere. „Bei uns kann wie gewohnt eingekauft werden, auch Gutscheine behalten ihre Gültigkeit – unsere Türen sind nach wie vor geöffnet.“ 

    Das vorläufige Verfahren laufe nun bis 31. März. Der weitere Weg sehe vor, den Geschäftsbetrieb „in den Normal-Modus“ zu versetzen. Dann müsse Gericht und Gläubigern ein Sanierungsgutachten mit konkreten Maßnahmen präsentiert werden. Bei Zustimmung erfolge der „finale Schritt“: die Umsetzung dieses Konzeptes. Sollte hingegen keine Zustimmung erfolgen, gehe es in die „Regelinsolvenz“. Auch dann werde weiter versucht, zu sanieren. „Statistisch gesehen weist die Eigenverwaltung aber eine viel höhere Erfolgsquote auf“, unterstreicht Geschäftsführer Oliver Edinger. Entscheidend für die nachhaltige und wirtschaftliche Erholung sei in jedem Fall, die Kunden „wie gewohnt zuverlässig und zur vollsten Zufriedenheit bedienen zu können“, so Oliver Edinger. 

    2017 sah sich das Unternehmen in einem Interview noch gut aufgestellt gegen die wachsende Online-Konkurrenz der großen Player wie Obi oder Hornbach. "Wir hatten rechtzeitig eine gute Größe erreicht und sind gut aufgestellt", sagte damals Oliver Edinger, der mit seiner Frau Petra das Unternehmen führt.  

    Die Edinger Fachmarkt GmbH
    Die Firmenwurzeln liegen im hessischen Lampertheim, wo es bis heute ein Edinger Warenhaus gibt. Die Rhöner Filialen in Mellrichstadt und Bad Königshofen mitsamt Online-Handel sind jedoch mittlerweile ein eigenständiges Unternehmen, das von Oliver Edinger geführt wird. In den Online-Handel ist man bereits 2001 eingestiegen, seit 2004 werden unter der Adresse edingershops.de die verschiedensten Produkte vom Gartenbedarf über Grills, Öfen, Werkzeug, Wellness-Produkte oder Hundezubehör verkauft.
    2007/2008 wagten die Edingers den großen Schritt. Der Erfolg im Online-Handel führt zum Neubau einer großen Logistikhalle am Ortsrand von Mellrichstadt in Richtung Stockheim. Drei Lagerhallen mit jeweils 1250 Quadratmetern und ein ebenso großer Lagerplatz schaffen Raum für die oft großvolumigen Produkte, die deutschlandweit, aber auch in ganz Europa, gehandelt werden. Über 50 000 Produkte in über einem Dutzend Onlineshops werden angeboten. 

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