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    Bad Königshofen

    Was am und im Krankenhaus vor dem Abriss noch zu retten ist?

    Die Türgriffe aus Bronze gestaltet an den Eingangstüren des ehemaligen Kreiskrankenhauses Bad Königshofen.
    Die Türgriffe aus Bronze gestaltet an den Eingangstüren des ehemaligen Kreiskrankenhauses Bad Königshofen. Foto: Hanns Friedrich

    Bezirksheimatpfleger Professor Klaus Reder hatte die "Kunstwerke" schon immer im Blick. Er vermutet, dass die Bronze-Türgriffe am Haupteingang, von denen jeder anders gearbeitet ist, von Hedwig Köth geschaffen wurden. Sie sei in der damaligen Zeit vor allem für ihre Batikarbeiten in der Kunstszene bekannt gewesen. Reder bat den Vorsitzenden des Vereins für Heimatgeschichte im Grabfeld, Hanns Friedrich,  dass diese Kunstwerke noch vor dem Abriss des Gebäudes abmontiert werden.

    Wappen und Kreuz nicht mehr aufzufinden 

    Gemeinsam mit Bauhofleiter Markus Schunk wurden die acht großen Türgriffe abmontiert und gesichert. Nicht mehr vorhanden, das zeigte sich bei einem Rundgang durch das Haus, ist ein Wappen des damaligen Landkreises Königshofen sowie ein großes Kreuz, das einst im Eingangsbereich hing. Gesichert werden sollen noch die Urkunden, die 1963 in den Grundstein gelegt wurden.

    Bezirksheimatpfleger Professor Klaus Reder begutachtete einen der acht Türgriffe. Seiner Vermutung nach wurden diese von Hedwig Köth geschaffen, die als Batikkünstlerin in Bad Königshofen bekannt war.
    Bezirksheimatpfleger Professor Klaus Reder begutachtete einen der acht Türgriffe. Seiner Vermutung nach wurden diese von Hedwig Köth geschaffen, die als Batikkünstlerin in Bad Königshofen bekannt war. Foto: Hanns Friedrich

    Ob die Türgriffe von Köth oder einem anderen Künstler aus dem damaligen Landkreis stammen, ist noch unklar. Christine Wehe (Merkershausen) verwies bei den offenkundigen Emaille-Arbeiten auf den Trappstädter Künstler Husemann. Nun sollen weitere Nachforschungen angestellt werden, wer letztendlich die Bronze-Griffe geschaffen hat. 

    Massenhaft Sondermüll

    In den nächsten Monaten kommt nun einiges an Spezialarbeiten auf das Abrissunternehmen zu. Zunächst wird der Innenbereich entkernt. Bei einem Blick in das Haus kann man sich vorstellen, was alles entsorgt werden muss. In den Zimmern, vor allem im Eingangsbereich, wo früher  Sprechstunden statt-, sich Arztzimmer und Verwaltung befanden, liegen nach wie vor Patientenkarteien achtlos herum - Bücher, Broschüren und Arztbriefe ebenso. Auch medizinisches Gerät, Akten und vieles mehr, was in einem Krankenhaus zu finden war, ist Sondermüll. 

    Verwüstungen, wohin man schaut. Auf das Abrissunternehmen kommt einiges an Arbeit in den nächsten Monaten zu.
    Verwüstungen, wohin man schaut. Auf das Abrissunternehmen kommt einiges an Arbeit in den nächsten Monaten zu. Foto: Hanns Friedrich

    Abgeklärt werden musste mit dem Landratsamt, wie asbest- und mineralfaserhaltige Stoffe entsorgt werden. "Sogar die Türen sind belastet", sagt Ingenieur Christian Leicht. "Es handelt sich um Baustoffe, wie man sie in den 1960er-Jahren verwendet hat." Er verweist auch auf die Notwendigkeit, vor dem Abriss die Statik zu prüfen, um sicherzustellen, dass bei einem Teilabriss  restliche Gebäudeteile stehen bleiben und nicht unkontrolliert zusammenbrechen. Da das Gebäude im Bereich der Heilwasser-Schutzzone liegt, müssen vor allem auch die Wasserleitungen sorgfältig getrennt werden. Um hier kein Verschmutzungsrisiko einzugehen, bleibt der zweite Tiefkeller erhalten. Dort steht das Grundwasser derzeit rund 70 Zentimeter hoch.

    Vor 56 Jahren wurde der Grundstein für das Kreiskrankenhaus in Bad Königshofen gelegt. Dieser Grundstein soll nun noch vor dem Abriss gesichert werden.
    Vor 56 Jahren wurde der Grundstein für das Kreiskrankenhaus in Bad Königshofen gelegt. Dieser Grundstein soll nun noch vor dem Abriss gesichert werden. Foto: Hanns Friedrich

    Nachdem das Wasser abgepumpt ist, soll der Keller auf einer Höhe von 1,30 Metern mit Naturmaterial aufgefüllt werden. Das kann Steinbruch-Schotter sein, auf keinem Fall recyceltes Material. Diese Verfüllung werde notwendig, um ein Aufschwimmen des Kellers zu verhindern. Er erstreckt sich unter dem gesamten Gebäude.

    Die Baustelle für den Neubau des Kreiskrankenhauses in den 1960 er Jahren. Hier erkennt man die Tiefe des Erdaushubes, in  dem damals der sogenannte "Tiefkeller" entstand.
    Die Baustelle für den Neubau des Kreiskrankenhauses in den 1960 er Jahren. Hier erkennt man die Tiefe des Erdaushubes, in dem damals der sogenannte "Tiefkeller" entstand. Foto: Hanns Friedrich

    "Nimmt man die Last weg, könnten sich Teile des Kellers heben und das dort stehende Wasser unkontrolliert abfließen. Das wiederum könnte zu Beeinträchtigung des Heilwassers führen", erläutert Leicht. Alles Maßnahmen, wie sie schon beim Bau der nebenan gelegenen Sparkasse getroffen wurden. Etwa 12 000 Kubikmeter Schutt werden anfallen. Der Abriss  wird sich wohl bis ins Frühjahr 2020 hinziehen.

    Zur Chronik des Hauses
    In den Jahren 1963 bis 1964 wurde das Haus erbaut und hatte 117 Betten. Es gab eine Chirurgische und eine innere Abteilung sowie Säuglings- und Entbindungsstation. Im Keller waren ein großes Becken für Wasser- und weitere Therapieräume vorhanden, ebenso der Küchenbereich, darunter Heizungsanlage und Vorratsräume. 
    Nach der Schließung der Klinik im Jahre 2003 erwarb Dr. Franz  Pullmann das gesamte Areal vom Landkreis und eröffnete Jahre später eine Praxis mit Notfallambulanz.
    Seit 2011 stand das Krankenhaus leer. Seither wurde das Gebäude von Rowdies heimgesucht. 2017 kaufte die Stadt das Areal. Nach dem Abriss des vorderen Gebäudes und der jetzigen ehemaligen Klinik entsteht dort der Neubau der Finanzamt-Außenstelle Nürnberg-Süd.
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