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    Stockheim

    Wellküren: Wenn das Krächzen des Nonnenhorns erklingt

    Musikalische Multitalente sind die drei Well-Schwestern. Foto: Eckhard Heise

    Quasi ihr Comeback feierten die Wellküren, das selbsternannte Emanzipationstrio aus Oberbayern, in Stockheim. Hieß es noch vor zwei Jahren, dass die drei Schwestern das Finale der langjährigen Arbeit des Kulturvereins bilden, waren sie jetzt wieder da, der Auftakt und der Publikumsrenner bei den wiederbelebten Kultur- und Oldtimertagen.

    Zum siebten Mal gastierten die drei Well-Frauen in Stockheim und sind damit schon so etwas wie die Hauskapelle, wie sie selbst feststellten. Der Unterschied ist allerdings, dass ein Dauerunterhalter mit der Zeit erlahmt – die drei Wellküren jedoch ganz und gar nicht.

    Schonungslose Abrechnung auf musikalische Art

    Ein volles Haus ist bei Moni, Burgi und Bärbi quasi obligatorisch und das Publikum wurde auch nicht enttäuscht. Schließlich können die drei auf unglaubliche Erfolge hinweisen, denn mit Stubnmusik haben sie Strauß erledigt, Wackersdorf verhindert, Empfängnisverhütung betrieben - und Söder, den werden sie auch noch klein kriegen. Schonungslos rechnen sie mit allem ab, weswegen sie auch die Stubida-Bewegung, "Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes", gegründet haben.

    Da gibt es denn auch keine musikalischen Tabus. Kammermusik ist ohnehin nur die hochdeutsche Übersetzung von oberbayerischer Stubnmusik. So kann denn auch eine Mozart-Sonate auf Hackbrett, Gitarre und Harfe gespielt werden. Ennio Morricones "Lied vom Tod" wird auf dem Nonnenhorn zum grausigen Krächzen des todgeweihten Schurken. Als Kontrast wird im nächsten Moment sittsame alpenländische Volksmusik auf Hackbrett, Gitarre und Harfe vorgetragen.

    Mit ihrem berühmt-berüchtigten Nonnenhorn lassen die drei Well-Schwestern das Blut in den Adern gefrieren. Foto: Eckhard Heise

    Geradeaus-Polemik statt oberflächlicher Clownerie

    Doch wehe, wenn zum Gstanzl angestimmt wird. Ein liebliches Volkslied wird zum wütenden Choral dreier Gesangsfurien. Während sich mit hinterfotzigen Attacken Bärbi und Burgi noch im Zaume halten, ergießt sich Moni mit zusammengekniffenen Augen in einer cholerischen Schimpftirade. Die Heile-Welt-Musik der Almbauern wird zur schmachvollen Satire überkommener Traditionen.   

    Mit der Wucht eines alpenländischen Gewitters fallen die drei über das Publikum her. Geradeaus-Polemik ist angesagt und nicht banale oberflächliche Clownerie. Als spöttelnde Instrumental-Satirikerinnen sind sie die Umkehrung urbajuwarischen Lebensgefühls. Etwas dezenter geht es bei den weiteren kulturellen Veranstaltungen im Laufe der Woche zu. Höhepunkt für die Oldtimerfreunde ist das Treffen am nächsten Sonntag.

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