• aktualisiert:

    Bad Neustadt

    Wetter: Grüne oder weiße Weihnacht?

    In letzter Zeit gab es durchschnittlich nur aller sieben Jahre "weiße" Weihnachten. Werden wir in diesem Jahr wieder eine solche stimmungsvoll-verschneite Landschaft an den Weihnachtstagen haben? Foto: Bernd Heim

    Früher vermied man beim so genannten "Small Talk" häufig Themen aus Religion und Politik und plauderte lieber über das Wetter. Dies jedoch ist in den heutigen Zeiten des Klimawandels recht heikel. Zudem geht es wie bei Gesundheit und Ernährung in der Debatte bei Wetter und Klima immer häufiger um das Individuum: Was kann jeder Einzelne tun, wie muss er sich verhalten?

    Wie dem auch sei. Seit alters her waren die Menschen in der Vorweihnachtszeit mit all ihren Sitten und Gebräuchen hinter'm warmen Ofen voller Neugierde auch auf das Wetter. Nachdem es an einigen Novembertagen schon Temperaturen um den Gefrierpunkt gab, blieb bis jetzt aber noch ein Winterintermezzo aus. Wird es nunmehr aber winterlich, kommen Frost, Eis und Schnee zu Dezemberbeginn?

    Seinen Namen bekam dieser Monat von den alten Römern. Unsere Vorfahren nannten ihn "Wintermond" oder "Schneemonat", auch die Bezeichnungen "Julmond", "Heilmonat" oder "Christmonat" waren einst geläufig. Bis zum  Tag der Wintersonnenwende am 21. Dezember werden nun die Tage immer kürzer und dunkler.

    Landschaft und Natur schon winterschläfrig

    Noch immer sind einige Bäume und Sträucher von ihren verfärbten Blättern geziert. Sind das etwa Anzeichen für einen wieder nur schmuddelig-nassen Winter? Ob diese Jahrhunderte alte Erfahrung  angesichts des sich aktuell vollziehenden Klimawandels mit all seinen Wetterkapriolen so zutreffen wird, scheint fraglich. Wie gestaltet sich das Wetter im Dezember, in der Hauptzeit von Plätzchen, Lebkuchen, Stollen und  Glühwein?

    Morgenerwachen an einem Dezembertag im nordöstlichen Grabfeld. Foto: Bernd Heim

    Dazu kann ein Blick zurück nicht schaden. Noch heute, im Zeitalter der Wettersatelliten und leistungsstarken Computer, lebt in der Bevölkerung eine Vielzahl von alten Wettersprüchen fort, die sich auf die Naturbeobachtungen der Altvorderen beziehen. Einst von Generation zu Generation recht einprägsam gereimt mündlich weitergegeben, werden diese jahrhundertealten Wetterweisheiten allgemein als "Bauernregeln" bezeichnet. Und demnach soll die Witterung im Dezember auch Hinweise über das zu erwartende Wetter im kommenden Jahr geben.

    Nicht von ungefähr lauten so einige gängige alte Wettersprüche: "Kalter Dezember, zeitiges Frühjahr", "Auf kalten Dezember mit tüchtigem Schnee folgt ein fruchtbar Jahr mit viel Klee", "Sturm im Dezember und Schnee - schreit der Bauer juchhe", "Wenn die Kälte in der ersten Adventswoche kam, hält sie zehn Wochen an“, "Grüne Weihnacht - weiße Ostern", "Je dicker das Eis um Weihnacht liegt, je zeitiger der Bauer Frühling kriegt". Aber: "Trockener Dezember - trockener Sommer", "Fließt im Dezember noch der Birkensaft, dann kriegt der Winter keine Kraft", "Stellt Donner sich im Dezember ein, wird's nächste Jahr nass und windig sein", "Viel Wind und Nebel in Dezembertagen schlechten Frühling und schlechtes Jahr ansagen" sowie"Ist der Dezember wild mit viel Regen, dann hat das nächste Jahr wenig Segen".

    "Grüne" oder "weiße" Weihnacht?

    Besonders beliebt waren einst die Lostagsregeln, die sich auf bestimmte Namenstage von Heiligen der katholischen Kirche bezogen, an denen das "Los", also das künftige Wetterschicksal, angeblich bestimmt würde. Für den 1. Dezember, dem Tag des Heiligen Eligius, soll gelten: "Fällt auf Eligius ein harter Wintertag, die Kälte noch vier Monat' dauern mag." Wenn also zu dieser Zeit schon eine Schneedecke vorhanden ist, dann sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese länger liegen bleibt. Dann bekämen wir oft auch weiße Weihnachtstage und es könnte bis Neujahr frostig kalt bleiben. Aber: "Gibt's Regen am Bibianatag (2. Dezember), es noch vierzig Tage regnen mag."

    Und für den 4. Dezember , dem Sankt-Barbara-Tag bzw. dem Tag der  Schutzpatronin der Bergleute und der Kanoniere, soll gelten: "Geht Barbara im Klee, kommt das Christkind im Schnee". Des Weiteren: "St. Barbaras Zweiglein trägt man ins Haus und naht der Winter mit Sturmgebraus, und ist er da mit Schnee und Eis, erblüht im Glas ein Wunderreis." Früher schnitt man an diesem Tag einige Kirschzweige, die dann in der warmen Stube zu Weihnachten erblühten.

    Auch für den Nikolaustag (6. Dezember) gibt es zwei alte Wettersprüche: "Trockener Nikolaus, milder Winter rund um's Haus", jedoch: "Regnet es an Nikolaus, wird der Winter streng und graus". Ferner: "Ist Sankt Lazar (17. Dez.) nackt und bar, wird's ein gelinder Februar." Für den Tag des Heiligen Thomas (21. Dezember) heißt es: "Wenn Sankt Thomas dunkel war, gibt's ein schönes neues Jahr." Und für den 25. Dezember, also dem ersten Weihnachtsfeiertag, soll gelten: "Ist Weihnachten kalt, kommt der Winter hart und der Frühling bald". Aber: "Wenn's auf Weihnacht ist gelind, sich noch viel Kält' einfind", "Weihnacht im grünen Kleid hält für Ostern Schnee bereit" sowie "Ist's zu Weihnacht warm und lind, kommt zu Ostern Schnee und Wind." Ausgesagt wird damit, dass bei um die Weihnachtsfeiertage frostfreiem Wetter gewöhnlich danach eine kalte Witterung lange ins Frühjahr hinein währt.

    Außerdem glaubte man zu wissen: "Wie die Witterung am Heiligabend, pflegt sie bis Monatsende zu bleiben." Denn des Öfteren ist in der dritten Monatsdekade ein Warmlufteinbruch mit milder und regenreicher Meeresluft aus südwestlicher Richtung - ein "Weihnachtstauwetter". Ferner: "Wind in Sankt Silvesters (31. Dezember) Nacht, hat nie viel Wein und Korn gebracht", und weiterhin gibt es auch noch diese in einem  alten Wetterspruch zementierte und recht skeptisch ausfallende Wettervorschau: "Silvesterwind und warme Sonn' wirft jede Hoffnung in den Bronn' (Brunnen)."     

     Hundertjähriger Kalender    

    Und glaubt man den Prognosen des Hundertjährigen Kalenders, so soll es vom 1. bis 5. Dezember Schnee geben, es vom 6. bis 19. Dezember kalt sein, es vom 20. bis 28. Dezember vorwiegend regnerisch-kühl sein und es vom 29. bis 31. Dezember wieder schneien.   

    Auch wenn die alten Erfahrungswerte und Wetterweisheiten die Leistungen der modernen Meteorologie nicht ersetzen können, sollten sie doch immer einmal wieder in das Bewusstsein vor allem  jüngerer Menschen gehoben werden. Geht doch in der Hektik unserer schnelllebigen Zeit das Gespür für die Vorgänge in der Natur und die Fähigkeit der Beobachtung solcher Vorgänge verloren. Und schauen wir einmal, welche Trefferquote die alten Wetterprognosen dieses Mal haben werden und lassen wir uns einfach vom diesjährigen Dezemberwetter überraschen.

    Bernd Heim

    Fotos