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    Alsleben

    Wie Kurt Mauer einmal im Russen-Jeep an die DDR-Grenze fuhr

    Wenn Rosi und Kurt Mauer in ihrem eigens angelegtem Erinnerungsalbum zur Grenzöffnung 1989 blättern, werden sofort Erinnerungen wach.
    Wenn Rosi und Kurt Mauer in ihrem eigens angelegtem Erinnerungsalbum zur Grenzöffnung 1989 blättern, werden sofort Erinnerungen wach. Foto: Hanns Friedrich

    Wenn Rosi und Kurt Mauer in ihrem Album zur Grenzöffnung 1989 blättern, werden sofort Erinnerungen wach. "Weißt Du noch, wie wir das erste Mal drüben in Gompertshausen gefeiert haben? ... was für eine Begrüßung... mit dem Russenjeep sind wir zurück gefahren worden...  unbeschreibliche Tage und Wochen..."

    Der damalige stellvertretende Bürgermeister Kurt Mauer hatte kürzlich als besondere Leihgabe dem Museum für Grenzgänger ein Schildchen überlassen, das Gompertshäuser Jugendliche bei ihrem ersten Besuch in Alsleben im Dezember 1989 mitführten. Darauf wird symbolisch die Wiedervereinigung gefordert, die dann bekanntlich auch schneller als erwartet kam.

    Eine kleine Linde ist jetzt ein stattlicher Baum

    Im Gespräch erinnert Kurt Mauer an den geschichtsträchtigen Ort an der thüringisch-bayerischen Landesgrenze zwischen Alsleben und Gompertshausen. "Dort haben wir eine Linde gepflanzt. Heute ist es ein stattlicher Baum."

    Der 9. Dezember 1989 ist nicht nur den Mauers im Gedächtnis,sondern sicher auch vielen Bürgerinnen und Bürgern aus Alsleben, denn an diesem Tag öffnete sich das Grenztor zur thüringischen Nachbargemeinde. Die Gompertshäuser mit ihrem Bürgermeister Erich Götz wurden an der Grenze mit Musik und kurzen Ansprachen begrüßt, danach in Alsleben festlich bewirtet.

    Weiter Weg zur Landesgrenze

    Da es doch ein weiter Weg von der Landesgrenze nach Alsleben ist, hatte das Busunternehmen Menzel aus Unteressfeld kostenlos einen Bus zur Verfügung gestellt, der zweimal fahren musste, erinnert sich Kurt Mauer.

    Gefeiert wurde die Wiedervereinigung im Alslebener Sportheim, das an diesem Tag "aus allen Nähten platzte." An das Ende der Teilung erinnert auch ein von Paul Pannek aus Metallgitterplatten des ehemaligen Eisernen Vorhangs geschaffenes, mächtiges Kreuz.

    Als der Schmied nicht lange fackelte

    Dann zeigt Kurt Mauer auf ein Bild, das ein offenes Grenztor zeigt und erzählt vom unkomplizierten Einschreiten des Gompertshäuser Schmiedes Erich Siebensohn, der nicht lange fackelte und mit seinem Handwerkszeug die Scharniere am Grenzzaun und dann das gesamte Schloss entfernte. Das war am 15. Juni 1990, als die DDR Behörden die Öffnung der Grenztore offiziell genehmigte.  

    In den ersten Wochen nach der Grenzöffnung im Dezember 1989 und in den Monaten 1990 wurden die Kontakte vertieft, man half auch kommunalpolitisch. Jugendliche aus Gompertshausen wurden in der Alsleben Musikkapelle ausgebildet und haben dort später auch einige Zeit mitgespielt.

    Das war am Dreikönigstag 1990 als man einen Gegenbesuch in Gompertshausen machte. Vorbei am Grenzturm ging es nach Gompertshausen.
    Das war am Dreikönigstag 1990 als man einen Gegenbesuch in Gompertshausen machte. Vorbei am Grenzturm ging es nach Gompertshausen. Foto: Hanns Friedrich

    Der Dreikönigstag 1990 ist Rosi und Kurt Mauer heute noch in besonderer Erinnerung. Kurt Mauer zeigt auf eine Bild, das ihn mit einer Aktentasche am Grenzführungsturm in Gompertshausen zeigt. "Kalt war's, Schnee lag und da sind wir das erste Mal rüber zum Gegenbesuch." Lachend erinnert Kurt Mauer an die Sperrstunde 22 Uhr, die man kurzerhand im gegenseitigen Einvernehmen mit den Grenzbeamten um eineinhalb Stunden verlängerte.

    Für den damaligen Bürgermeister Kurt Mauer war es ein besonderes Erlebnis, dass ihn die Grenztruppen der DDR im russischen Jeep von der Ortsmitte Gompertshausen bis zum Gemarkungsgrenze fuhren. "Dem NVA-Offizier habe ich damals für eine unvergessliche Fahrt bedankt, denn das hätte ich mir nie träumen lassen, so einmal zur Grenze gefahren zu werden", sagt Mauer. 

    Der 9. Dezember 1989: An diesem Tag öffneten sich die Grenztore zwischen dem thüringischen Gompertshausen und Alsleben. Mit Transparenten wurden die Gäste am Grenzzaun begrüßt. Repro-Foto: Friedrich
    Der 9. Dezember 1989: An diesem Tag öffneten sich die Grenztore zwischen dem thüringischen Gompertshausen und Alsleben. Mit Transparenten wurden die Gäste am Grenzzaun begrüßt. Repro-Foto: Friedrich Foto: Hanns Friedrich

    Kurt Mauer erinnert an seine Ministrantenzeit, als es Mutproben an der damaligen Grenze zur DDR gab, denn dort war der Grenzzaun nur wenige Meter entfernt.  "Wenn Gottesdienst an der Ursulakapelle war, dann sind wir anschließend schon einmal auf DDR-Gebiet ins sogenannte Niemandsland gelaufen ", erinnert sich Mauer. 

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