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    Bad Neustadt

    Wie Lara Winkler mit 25 Jahren Richterin in Bad Neustadt wurde

    Winkler hat ihr Studium in kürzester Zeit durchgezogen. Doch wie reagieren die Streitparteien vor Gericht auf ihr junges Alter? Die neue Richterin im Interview.
    Lara Winkler ist neue Richterin für Zivilrecht am Amtsgericht in Bad Neustadt Foto: Corbinian Wildmeister

    Seit Oktober gibt es eine neue Richterin am Amtsgericht in Bad Neustadt. Lara Winkler spricht als Nachfolgerin von Lisa Sommer nun Urteile in Zivil- und Zwangsvollstreckungssachen. Winkler hat in diesem Jahr erst ihr Rechtsreferendariat beendet – und ist gerade mal 25 Jahre alt. Damit gehört  Winkler eindeutig zu den jungen Gesichtern in der bayerischen Justiz; nur zwei Richter auf Probe sind laut Justizministerium noch etwas später geboren. Wir haben mit Winkler darüber gesprochen, was sie an ihrem Beruf fasziniert, ob sie sich in Bad Neustadt wohl fühlt und wie Streitparteien vor Gericht auf ihr junges Alter reagieren. 

    Frage: Frau Winkler, war Richterin schon immer Ihr Traumberuf? 

    Lara Winkler: Ich glaube, die wenigsten Kinder wollen direkt Juristen werden. Als ich mich aber in der siebten oder achten Klasse bei den Streitschlichtern in der Schule engagierte, habe ich Spaß daran gefunden, meinen Mitschülern dabei zu helfen, ihre Konflikte beizulegen, und damit zu einem harmonischen Miteinander beizutragen. Da habe ich mir zum ersten Mal überlegt, dass Jura das Richtige für mich sein könnte. Außerdem hat das Jura-Studium den Vorteil, dass man damit viele verschiedene Berufe ausüben kann. Da muss man sich noch nicht direkt festlegen.

    Dann haben Sie sich aber auf die Justiz festgelegt. Was hat Sie daran gereizt?

    Winkler: Die Vielfältigkeit. Die meisten Rechtsanwälte sind doch sehr spezialisiert, sie machen entweder Zivilrecht oder Strafrecht. In der Justiz kann man beides machen. Man hat die Möglichkeit, immer mal zu wechseln und Neues auszuprobieren.

    Mit 25 Jahren sind Sie außergewöhnlich jung Richterin geworden. Wie schafft man das so schnell?  

    Winkler: Ich habe mit 18 Jahren angefangen zu studieren. Und dann hatte ich großes Glück, dass alles direkt geklappt hat. Im Jurastudium gibt es den sogenannten Freischuss. Wer schon nach acht Semestern das Staatsexamen mitschreibt, bekommt einen zusätzlichen Versuch. Deswegen habe ich von Anfang an zielstrebig darauf zugearbeitet, dass ich diesen Freischuss mitschreiben kann. Ich wollte einfach die zusätzliche Chance haben, das Examen noch einmal schreiben zu können. Dann habe ich es aber direkt im Freischuss geschafft. So kam es, dass ich gleich im Anschluss ins Referendariat gehen konnte. Das zweite Examen hat dann auch auf Anhieb geklappt. Aber es gehörte auch viel Glück dazu, dass das so reibungslos gelaufen ist.

    Hatten Sie vor Ihren ersten Verhandlungen die Sorge, dass Sie die Streitparteien wegen Ihres jungen Alters nicht ernst nehmen könnten?

    Winkler: Gedanken habe ich mir darüber schon gemacht. Aber jetzt in der Praxis muss ich sagen: Die Bedenken waren unbegründet. Wenn man da vorne sitzt mit der Robe, ist ganz klar, wer man ist und was man repräsentiert. Mir ist es bis jetzt nicht passiert, dass ich nicht ernst genommen wurde oder das auf mein Alter angespielt wurde.

    Was finden Sie persönlich an zivilrechtlichen Verfahren interessant? 

    Winkler: Zivilsachen sind für die Öffentlichkeit oft nicht so spannend wie strafrechtliche Verfahren. Da geht es zum Beispiel um Verkehrsunfälle und Mietstreitigkeiten. Aber gerade bei Streitigkeiten unter Nachbarn ist es gut, die Sache einvernehmlich regeln zu können. Denn die betroffenen Personen leben wahrscheinlich noch eine Weile nebeneinander. Bei einem Richterspruch ist häufig nur eine Partei zufrieden. Wenn die Nachbarn selbst einen Kompromiss finden und sich auf einen Vergleich einigen, dann ist das aus meiner Sicht oft die bessere Lösung. Deswegen versuche ich immer schlichtend einzuwirken und darauf hinzuarbeiten.

    Was ist der beste Tipp von Richter-Kollegen, den Sie bisher bekommen haben?

    Winkler: Nicht stressen lassen. In zivilrechtlichen Verhandlungen hat man immer einen Verkündungstermin. Das heißt, dass man nicht am Ende der Verhandlung aufstehen muss und ein Urteil sprechen, sondern man kann einen Termin dafür bestimmen. Das hat den Vorteil, dass man nach Verhandlungen, die dann doch oft stressig sind, noch einmal durchatmen und die Sache überdenken kann, bevor man das Urteil angeht.

    Sie kommen aus Hessen, haben in Würzburg studiert und waren im Referendariat in Schweinfurt. Wie gefällt es Ihnen bisher in Rhön-Grabfeld?

    Winkler: Derzeit wohne ich noch bei Würzburg und pendle nach Bad Neustadt. Aber es ist eine schöne Stadt. Am Anfang dachte ich nicht, dass es hier so viel gibt, aber in der Mittagspause kann man hier auf jeden Fall gut Essen gehen. Auch die Almhütte mit der Eisbahn gefällt mir. Auf dem Kreuzberg war ich noch nicht, seitdem ich Richterin bin. Aber als Kind bin ich dort oft gewesen.

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