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    Oberwaldbehrungen

    Wie eine Dorfkneipe zum Gemeinschaftsprojekt wurde

    Nach 21 Jahren nur noch fürs Foto hinter der Theke: Gitta Schilling neben Erwin Bohland, der an diesem Abend den Thekendienst im Dorfgemeinschaftshaus in Oberwaldbehrungen übernommen hat. Foto: Anja Behringer

    Hier trifft man sich auf einen Plausch beim Bierchen: Die Kneipe in Oberwaldbehrungen befindet sich im Dorfgemeinschaftshaus und ist zentraler Anlaufpunkt für die Leute aus dem Dorf. 21 Jahre lang hat Gitta Schilling hier die Gläser gefüllt und die Gäste bewirtet. Jetzt soll Schluss sein mit dem Kneipenbetrieb. Doch der Dorftreff bleibt den Oberwäldern erhalten: Der Feuerwehrverein hat die Initiative ergriffen und will den Treffpunkt mit Freiwilligen, die wochenweise Thekendienste übernehmen, erhalten.

    Das Dorfgemeinschaftshaus Oberwaldbehrungen wurde 1958 von der damals noch eigenständigen Gemeinde Oberwaldbehrungen gebaut, erzählt Steffen Malzer von der örtlichen Feuerwehr. Damals befand sich in dem Raum, in dem heute die Kneipe ist, die Heißmangel. Der jetzige Toilettenraum war der Bereich der Feuerwehr. Um die Jahre 1985/1986 sei die Feuerwehr umgezogen und die Kneipe wurde eingerichtet. "Die Kneipe gibt es jetzt seit mehr als 30 Jahren", konstatiert Malzer, dritter Bürgermeister der Stadt Ostheim, deren Ortsteil Oberwaldbehrungen seit 1972 ist.

    Gitta Schilling war zur Stelle

    Zunächst war die Dorfkneipe in der Hand des Sportvereins TSV Ober-Unterwaldbehrungen, der den Treffpunkt zu Beginn ebenfalls mit ehrenamtlichen Thekendiensten betrieb, so Malzer. Vor nunmehr gut 21 Jahren übernahm Gitta Schilling die Führung der Kneipe für den Verein. "Das war im September 97", erinnert sich Schilling. Sie war zunächst für den Sportverein tätig. 2007 übernahm der Feuerwehrverein die Kneipe, Gitta Schilling blieb die Wirtin.

    Selbst gast sein: Gitta Schilling kann sich jetzt in der Dorfkneipe in Oberwaldbehrungen auch einmal an die Theke setzen, statt wie bisher dahinter zu stehen. Foto: Anja Behringer

    Anfangs war montags, donnerstags und sonntags geöffnet, denkt Schilling zurück, in den letzten Jahren dann nur noch Donnerstagabend und Sonntag zum Frühschoppen. Die letzten 15 Jahre, so schätzt sie, kamen außerdem alle vier Wochen eine Gruppe Frauen montags zum Stammtisch. Schilling war für alles zuständig, was beim Betrieb einer Kneipe anfällt: Putzen, Einkauf und natürlich das Bewirten zu den Betriebszeiten. Sie war für das gesamte Dorfgemeinschaftshaus verantwortlich, neben der Kneipe auch für die Saalvermietung, ergänzt Malzer. "Das war eine tolle Zeit", begeistert er sich.

    Abschied mit Wehmut

    Auf die Frage, was die Kneipe in Oberwaldbehrungen ausmacht, ist Schillings Antwort klar: Die Dorfgemeinschaft. Es gehe darum, dass alle die Möglichkeit haben, sich einmal in der Woche zu treffen, meint sie. Gerne auch bei Schafkopfrunden, bei den Frauen ebenso wie bei den Männern. Die Entscheidung, aufzuhören, sei ihr nicht leicht gefallen. Altersbedingt will sie allerdings nun nicht mehr hinter der Theke stehen. Mit 66 Jahren werde es ihr langsam zu viel. Dennoch ist auch Wehmut dabei: "Man muss sich erst daran gewöhnen, das ist klar."

    Gitta Schilling (Vierte von links) kann die Kneipenabende in Oberwaldbehrungen nun am Tisch der Frauen genießen. Foto: Anja Behringer

    Da die Kneipe die zentrale Anlaufstelle im Dorf ist, herrschte in den Reihen der Feuerwehr Einigkeit: Sie soll erhalten bleiben. Und so übernimmt der Verein nun den Betrieb in Eigenregie. Als Voraussetzung hatten sich die Verantwortlichen überlegt, dass mindestens 15 bis 20 Mann bereit sein müssten, Thekendienste zu übernehmen. Bei der Infektionsschutzbelehrung, die alle brauchen, die mithelfen wollen, waren dann sogar 32 Leute, freut sich Malzer.

    Viele wollen mithelfen

    Die Kneipenführung sei ein richtiges Gemeinschaftswerk, die Organisation bis dahin "war eigentlich fast zu einfach", findet er. Die Liste mit den Thekendiensten sei schon fast voll bis Ende dieses Jahres. Wieder geöffnet wurde die Kneipe das erste Mal am 18. Januar, einem Freitag. Das hat sich geändert: Statt wie bisher donnerstags, wird jetzt freitags ab 20 Uhr geöffnet. Und was sagt Gitta Schilling zum Engagement des Vereins? Sie freut sich, dass es weitergeht und wünscht den Feuerwehrleuten, dass alles so klappt wie geplant.

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