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    Willmars

    Willmars: Im Koffer steckt die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger

    Zahlreicher Helfer waren an der Erstellung der Gedenkstätte für die ermordeten jüdische Mitbürger in Willmars beteiligt. Zu Allerheiligen wurde nun übergeben. Foto: Eckhard Heise

    In Willmars ist - als erste Gemeinde des Landkreises Rhön-Grabfeld - zu Allerheiligen die Erinnerungsstätte für die deportierten jüdischen Mitbürger übergeben worden. Insgesamt fünf Ortschaften aus dem Landkreis beteiligen sich an der Initiative des Vereins "Denkort Deportationen", in deren Mittelpunkt die Errichtung einer zentralen Gedenkstätte in Würzburg steht.

    Als Standort hatte sich die Gemeinde für eine Fläche entschieden, auf der einst das Haus einer jüdischen Familie gestanden hatte, schilderte Bürgermeister Reimund Voß bei der Übergabe. Die Erinnerungsstätte besteht aus einer Stele mit einer Gedenktafel, die allen Deportierten jüdischen Glaubens gewidmet ist und aus einem symbolischen Koffer, auf dem die Namen von zehn ermordeten Bürgern aus Willmars vermerkt sind.

    Seit dem 18. Jahrhundert gab es eine jüdische Gemeinde

    In Willmars existierte bereits im 18. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde, berichtete das Ortsoberhaupt. 1816 waren fast 30 Prozent der Bevölkerung jüdischen Glaubens, 1910 noch etwas über zehn Prozent. Seit 1920 unterhielt die jüdische Gemeinde eine konfessionsgebundene Volksschule. An der Gemarkungsgrenze zu Neustädtles lag ein gemeinsam mit der Gemeinde Nordheim genutzter Friedhof. 1933 lebten 35 Juden in Willmars, mit der Deportation der noch verbliebenen zehn Juden erlosch im Jahre 1941 die jüdische Gemeinde.

    Bürgermeister Reimund Voß übergab das Mahnmal in Willmars seiner Bestimmung. Foto: Eckhard Heise

    Der von der Neustädtleser Künstlerin Pia Vielwerth entworfene Koffer erinnert an die Verschleppten, deren letzter Weg über den Hauptbahnhof und den Güterbahnhof Aumühle in die Vernichtungslager in Riga führte. Daher soll ein Pendant des Koffers an dem zentralen Mahnmal neben dem Würzburger Hauptbahnhof aufgestellt werden.

    "Laut für eine offene Gesellschaft eintreten"

    Benita Stolz vom Verein "Denkort Deportationen" berichtete, dass sich von den 300 unterfränkischen Gemeinden, in denen einst Juden ansässig waren, bisher 55 an der Initiative beteiligen. Die Bauarbeiten in Würzburg seien jetzt angelaufen, so dass sie hofft, dass die ersten Koffer im nächsten Frühjahr aufgestellt werden können. Diese Gepäckstücke sollen gerade in Zeiten eines wieder wachsenden Antisemitismus ermahnen, "laut für eine offene Gesellschaft einzutreten".

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