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    Wülfershausen

    Wülfershausen: Hat der Bürgermeister korrekt gehandelt?

    Ganz so dick sind die Papierstapel im Zuge der Dienstaufsichtsbehörde gegen Bürgermeister Wolfgang Seifert zwar nicht, aber trotzdem sorgen die Umstände bei der Kündigung des ehemaligen Gemeindeförsters Marcel Kälber in Wülfershausen für gehörig Aufregung.  Foto: Silas Stein

    Warum genau Wolfgang Seifert den ehemaligen Gemeindeförster Marcel Kälber bei der Polizei angezeigt hat, erschließt sich dem Außenstehenden auf den ersten Blick nicht. "Wir haben die Mechanismen des Rechtsstaates zur Aufklärung genutzt", formuliert der Bürgermeister im Gespräch mit dieser Redaktion. Viel mehr will Seifert, der sich in der Sache von Rechtsanwalt Steffen Vogel vertreten lässt, mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht sagen.

    Ob er über das Ziel hinausgeschossen ist, sollen jetzt die Dienstaufsichtsbeschwerde seines Amtsvorgängers Peter Schön und die Fachaufsichtsbeschwerde klären, die Marcel Kälber über seinen Anwalt eingereicht hat. Der Unterschied zwischen den beiden Rechtsschutzmöglichkeiten besteht darin, dass sich die Fachaufsichtsbeschwerde gegen eine Entscheidung richtet, während die Dienstaufsichtsbeschwerde das dienstliche Verhalten einer Person kritisiert. 

    Transparenz bei den Holzgeschäften ist die zentrale Frage

    Beide Schreiben liegen derzeit im Landratsamt, wo Olga Wilhelm, die Abteilungsleiterin für kommunale und soziale Angelegenheitenmit dem Fall betraut ist. Bei der Beurteilung der Beschwerden geht es für sie um die zentrale Frage, inwieweit der Vorwurf an Kälber zutrifft, dass Abrechnungvorgänge bezüglich der Geschäfte im Forst nicht transparent genug ausgeführt worden seien. Nach Klärung dieser Frage werde sich zeigen, ob Seiferts Verhalten gerechtfertigt gewesen ist.

    In der Vergangenheit sei mehrfach von der Verwaltung der VG Saal und auch der Rechnungsprüfung eine geänderte Verfahrensweise bei den Holzabrechnungen gefordert worden, sagt Seifert, und betont, dass er schon kurz nach seinem Amtsantritt im Januar 2018 darauf aufmerksam gemacht wurde und Kälber auch darauf angesprochen habe. Auch Willi Irtel, der nach Peter Schöns Rücktritt im Oktober 2017, vorübergehend die Amtsgeschäfte führte, hatte von der Saaler Verwaltung einen Hinweis erhalten und Kälber darüber informiert.  

    Gemeindeförster entlassen, ohne Gemeinderat zu informieren

    Seifert hat Kälber dann Anfang dieses Jahres gekündigt, ohne den Gemeinderat zuvor zu informieren. Kälber hatte zwar dagegen geklagt, damit aber keinen Erfolg, weil eine Schutzklage unter anderem eine Mindestzahl an Beschäftigten voraussetzt, die die Gemeinde nicht aufweist. Bei dem Arbeitsverhältnis handelte es sich um eine geringfügige Beschäftigung, die der Diplom-Forstingenieur neben seinem Hauptberuf seit 2007 erledigt hatte. Marcel Kälber ist Mitglied der Geschäftsführung in einem Unternehmen, das weltweit mit Furnieren handelt und ist oft auch unterwegs.  Das war er auch, als am 23. August 2018 drei Polizeifahrzeuge vor seinem Wohnhaus in Wülfershausen hielten, um die vom Amtsgericht Schweinfurt angeordnete Hausdurchsuchung durchzuführen.

    Gesucht hatten die Beamten ein so genanntes Holzaufnahmegerät, das die Gemeinde 2008 auf Vorschlag von Kälber angeschafft hatte. Das Gerät hatte er zudem bei Seiferts Vorgänger Schön 2017 als defekt gemeldet hatte und erklärt, das Teil entsorgt zu haben. Was Schön in der Dienstaufsichtsbeschwerde auch bestätigt. Dazu führt er aus, dass er diesen Umstand Seifert per E-Mail mitgeteilt habe. Seifert wiederum weiß von keinem einzigen Mail von Schön.

    Gesucht hatte die Staatsanwaltschaft das Holzaufnahmegerät auch deshalb, weil nach Seiferts Anzeige der Verdacht bestand, dass Kälber das Gerät noch weiter nutzt und Holz aus dem Gemeindewald unter Preis oder kostenlos anderweitig weiterverkauft habe. Das ganze ergab für die Staatsanwaltschaft den Verdacht auf "Untreue in Tatmehrheit mit veruntreuender Unterschlagung".   

    Verfahren gegen den Förster wurde eingestellt

    Gefunden wurde bei der Hausdurchsuchung nichts Belastendes. Weil auch sonst keine Beweise gegen ihn auftauchten, wurde das Ermittlungsverfahren gegen Kälber am 20. Februar dieses Jahres eingestellt.  Und dies, ohne ihn auch nur vernommen zu haben, betont Kälber und sagt:"Ich hege keine Rachegedanken, möchte aber meine Reputation wiederhaben." Seit der Hausdurchsuchung gehe es ihm psychisch nicht gut. Noch mehr aber leide seine Frau darunter. Die Fachaufsichtsbeschwerde gegen den Bürgermeister dient ihm dazu, dass jeder im Dorf wissen soll, dass er sich nichts habe zu Schulden kommen lassen. "Ich habe den Wald in zwölf Jahren in einen hervorragenden Zustand gebracht und einen leichten Gewinn erwirtschaftet", betont Kälber, der sich um den Stammholzverkauf gekümmert hatte. Den Brennholzverkauf erledigten zwei Gemeinderäte. Es handelt sich dabei um rund 200 Hektar Gemeindewald.    

    Tatsächlich hat der Gemeinderat in all den Jahren keinerlei Kritik an der Arbeit von Kälberaufkommen lassen. Im Gegenteil - die Arbeit sei immer gelobt worden, betont Seiferts Amtsvorgänger Peter Schön in seiner Beschwerde. Negativ kreidet er Seifert auch einen Hausfriedensbruch vom Mai 2018 an, der von Kälbers Frau zwar angezeigt, aber von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden ist. Gar einen Angriff auf die "Kommunale Selbstverwaltung der Gemeinde" und gegen ihn in seiner Zeit als Bürgermeister von 2002 bis 2017 sieht Schön, weil jetzt gegen Unbekannt wegen nicht abgerufener Zuschüsse im Waldbau ermittelt werde. Wie die Gemeinde die Waldwirtschaft organisiere sei schließlich ihre Sache. Zuschüsse können, müssen aber nicht beantragt werden.    

    Rupert Wolf aus Saal wurde zum neuen Forstbetriebsleiter berufen. Außerdem wurde zum 1. Februar die Forstbetriebsgemeinschaft Fränkische Rhön mit der Waldwirtschaft beauftragt.

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