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    Bad Neustadt

    Die Glosse: Alles Gute, Herr Bolsonaro

    Das Aufgespießt möchte heute am liebsten den brasilianischen Staatschef piesacken. Doch seine Cortona-Infektion bedeutet eine ganz andere Herausforderung:
    Typen wie er lassen sich den Mund nicht verbieten. Auf der anderen Seite macht auch das Coronavirus, was es will, wenn man es lässt. 
    Typen wie er lassen sich den Mund nicht verbieten. Auf der anderen Seite macht auch das Coronavirus, was es will, wenn man es lässt.  Foto: DPA/Eraldo Peres

    Es gibt mindestens zwei Politiker der demokratischen Welt, die unsere uneingeschränkte Antipathie genießen. Der eine heißt mit Vornamen Donald, der andere mit Nachnamen Bolsonaro. Zwei Populisten, denen Macht über alles zu gehen scheint. Der Brasilianer Bolsonaro zum Beispiel hält auf der einen Seite die traditionellen Werte der Familie hoch, um dann, wenn die Mikrofone stumm geschaltet sind, vulgäre Zoten über seine politischen Kontrahenten loszulassen.

    Wie viele Populisten, hält auch Bolsonaro nicht viel von Corona-Schutzmaßnahmen. Er redet die Pandemie klein, während die Infektionszahlen in die Höhe schnellen. Nun hat es den Mann nach eigenen Angaben selbst erwischt. Nun hat er noch Kraft genug, um gegen ein Corona-Hilfspaket für die indigene Bevölkerung und Schwarzbrasilianer ein Veto einzulegen, unter denen die Pandemie besonders grassiert.

    Schadenfreude mit pädagogischem Anspruch

    Aber seine mutmaßliche Infektion erregt doch die Gemüter. Ist man ein Kritiker seiner Politik, stellt sich sofort so etwas wie Schadenfreude ein. Nicht, weil man ihm Schlimmes wünschte, sondern weil man einen pädagogischen Effekt erhofft, dass der Schwadroneur das Virus etwas ernster nimmt und nicht nur als Bremse für irgendwelche Umfragewerte.

    Es machen aber auch sehr böse, Übles wünschende Kommentare die Runde, die dann doch auch zeigen, wie schnell man auf allen Seiten des Spektrums zur Sprache des Hasses findet. An dieser Stelle wird das Aufgespießt, das eigentlich mit großer Lust den brasilianischen Staatschef pieksen möchte, gezwungenermaßen zu einer Art Wort zum Sonntag. Wir müssen, ob wir wollen oder nicht, Bolsonaro an dieser Stelle gute Besserung wünschen. Die Feindesliebe ist nun mal eine größere Herausforderung, als sie Corona je sein kann.

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