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    Bad Neustadt

    Die Glosse: Gedenkminute für die Männerwallfahrt

    Wenn die Männerwallfahrt abgesagt ist, dann gerät das Herz des Glossisten in Wallung.
    Keine Männerwallfahrt in diesem Jahr? Das ist undenkbar. An diesem Samstag wären sie fleißig unterwegs in der fränkischen Flur Richtung Vierzehnheiligen.
    Keine Männerwallfahrt in diesem Jahr? Das ist undenkbar. An diesem Samstag wären sie fleißig unterwegs in der fränkischen Flur Richtung Vierzehnheiligen. Foto: Hanns Friedrich

    Dieses Jahr wird ein wallfahrtloses Jahr. Nichts geht auf dem Kreuzberg, nichts geht in Richtung Vierzehnheiligen. Keiner bedauert das mehr als jene Männer, die sich eigentlich gestern von Bad Königshofen aus auf den Weg gemacht hätten. Die Männerwallfahrer.

    Man sollte froh sein, dass es die überhaupt noch gibt in den Zeiten der Gleichberechtigung und der Gendergerechtigkeit. Inklusion wird dort nämlich klein geschrieben und Ehefrauen sind tabu. Seltsam, wo es doch beim Wallen auch um eine Form der Leidensbereitschaft geht. 

    Raps reimt sich auf ...

    Nun, wir waren noch nie dabei bei einer Männerwallfahrt. Man erfährt das eine oder andere vom Hörensagen. Gerühmt werden beispielsweise die Schnaps-, pardon: Rapsfelder gleich hinter Obereßfeld, die die Herzen der Wallfahrer höher schlagen lassen. Für viele Männer war schon das Seßlacher Dunkle auf halbem Wege so etwas wie eine religiöse Offenbarung, alles weitere auf der Wallfahrt dann Zugabe.

    Man wundert sich, weshalb eine solche Männerwallfahrt überhaupt untersagt werden musste. Die Herren sind von Kopf bis Fuß eingerieben mit Franzbranntwein, der es noch mit jedem Klinik-Desinfektionsmitel aufnehmen kann, was seine Rezeptur betrifft. Einen Mundschutz braucht es doch bei Rhöner Männern auch nicht, die schweigen doch locker die Kilometer durch und schützen so ihre Atemwege.

    Meterwurst statt Polnischer

    Man hätte die Teilnehmer mit Meterwurst, die von einem Wallfahrer zum nächsten führt wie eine Seilschaft, statt mit kurzen Polnischen ausrüsten können. Dann hätten die Wallfahrer erstens leicht die Abstandsregel einhalten können und zweitens etwas zum Festhalten nach dem Zwischenstopp in Seßlach beim Dunklen.

    Wir werden also auch in diesem Jahr die Bilder vermissen, wenn die Frauen ihre Männer nach der Rückkehr glücklich in die Arme nehmen. Natürlich sind sie glücklich über gesunde Rückkehrer. Denn das steigert die Chance, dass sie auch im nächsten Jahr einmal für zwei Tage von der Bildfläche verschwunden sind.

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