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    Oberstreu

    Liebst: „Glück ist gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis“

    Zum Abschied leise Servus: Zwölf Jahre lang war Matthias Liebst Bürgermeister von Oberstreu. Nun macht er Platz für seinen Nachfolger.
    Zum Abschied leise Servus: Zwölf Jahre lang war Matthias Liebst Bürgermeister von Oberstreu. Nun macht er Platz für seinen Nachfolger. Foto: Brigitte Gbureck

    Nach zwölf Jahren im Amt sagt Bürgermeister Matthias Liebst ade. Seit dem 1. Mai 2020 kann er sich voll seinem landwirtschaftlichen Betrieb widmen. In einem Gespräch erinnerte er sich noch einmal an einige herausragende Ereignisse der letzten Jahre.

    Große Aufregung gab es beispielsweise 2008, gleich zu Beginn seiner Amtszeit, über einen Jagdparcours, den Helmut Hofmann an der Standortschießanlage und im dahinter liegenden Wald errichten wollte. Nachdem die Oberstreuer wegen befürchteter Lärmbelästigung dagegen Sturm gelaufen sind, wurde der Antrag schließlich zurückgezogen. Ein Großprojekt war der Bau der Entlastungsstraße Mittelstreu mit einem Auftragsvolumen von knapp 5,5 Millionen Euro, wovon ein Eigenanteil von 2 Millionen bei der Gemeinde verblieb. Der Spatenstich erfolgte am 17. April 2009 durch Staatssekretär Bernd Weiß. Bei der Verkehrsfreigabe wurde Stefan Ledermann, der Vorgänger von Matthias Liebst, zum Ehrenbürger ernannt.

    Frühgeschichtliche Funde am Kolmberg

    2012 war das Jahr der Brücken. Die Mariabrücke wurde für etwa 100 000 Euro saniert und mit Prozession in festlichem Rahmen gesegnet. Auch die Fußgängerbrücke über die St 2445 in Oberstreu wurde repariert und ab Ende 2011 die Nepomukbrücke in Mittelstreu hergerichtet. Die Nepomukbrücke wurde vor der Übergabe vom Straßenbauamt saniert. Das Brückenfest auf der Brücke hat aber die Gemeinde finanziert.

    Mit Kosten von 554 000 Euro wurden im Baugebiet Kolmberg zwölf Bauplätze ausgewiesen. Nachdem frühgeschichtliche Funde gemacht wurden, fanden Grabungen auf Kosten der Gemeinde statt. Mittlerweile ist eine Freigabe aller zwölf Bauplätze erfolgt. Die Spielplätze ließ sich die Gemeinde 60 000 Euro kosten. Dazu kamen in Oberstreu der Erlebnisraum am Wasser (76 000 Euro) und in Mittelstreu das Wassertretbecken (63 000 Euro). 2020 ist der Spielplatz Holzweg für 40 000 Euro geplant.

    Matthias Liebst hatte auch mit Widrigkeiten zu kämpfen

    Ein größerer Brocken war die Sanierung der Mehrzweckhalle in Oberstreu mit Dachsanierung und einer Rampe mit Geländer, knapp 213 000 Euro wurden durch das Kommunale Investitionsprogramm (KIP) bezuschusst. Ein weiteres großes Projekt waren der Bauhof (knapp 130 000 Euro) und das Baugebiet Lohe in Mittelstreu mit neun Plätzen (370 000 Euro). Eine deutliche Kostensenkung brachte die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED.

    Freiwilliger Landtausch Oberstreu, Pfarrhaussanierung Oberstreu, Orgelsanierung, Wasser und Strom für den Festplatz Oberstreu, neuer Grünabfallplatz, Wiederherstellung der Wirtschaftwege – die Liste der Maßnahmen ließe sich beliebig fortsetzen. Bei allem hatte Bürgermeister Liebst aber auch mit Widrigkeiten zu kämpfen.

    Schließung der Grundschule als großer Verlust

    Da ist der schleppende Fortgang der Dorferneuerung zu nennen, wobei voller Euphorie in das Thema eingestiegen wurde. Enttäuscht zeigen sich dabei die Mitglieder der Vorstandschaft der Dorferneuerung, die von der Bevölkerung angesprochen würden. Aus verschiedenen Gründen hat das Brauhaus Oberstreu die Gemeinde verlassen.

    Und seit Jahren wird versucht, in Oberstreu ein Gewerbegebiet auszuweisen, mittlerweile ist man aber laut Liebst auf einem guten Weg. Als herben Verlust bezeichnet Liebst auch den Verlust der Grundschule in Mittelstreu. Mit zwei jahrgangsgemischten Klassen wurde zum Schluss gearbeitet, wogegen sich aber ein Teil der Eltern gewehrt hatte.

    Viele interessante Menschen kennengelernt

    Mittlerweile werden die Ober- und Mittelstreuer Grundschüler in Mellrichstadt beschult. Er selbst habe bisher nur Gutes von der Schule gehört, die Kinder seien dort sicher gut aufgehoben. Es sei aber dennoch einfach ein Verlust für ein Dorf, wenn „die Schule nicht im Dorf“ bleibt. Rückblickend meinte Matthias Liebst, dass er in Oberstreu mit einem Vertrauensvorschuss einen guten Start als Bürgermeister gehabt habe.

    Er sei gern zu Familienfeiern gegangen, wo es für ihn immer eine Freude gewesen sei, sich mit älteren Leuten zu unterhalten und aus ihrem reichen Erfahrungsschatz und ihren Erlebnissen zu hören. Gern unterhielt er sich auch mit Bürgern mit Migrationshintergrund, wenn sie aus ihrer Heimat erzählt und ihre Lebensgeschichte geschildert hatten. Das Schöne am Amt sieht er darin, dass er viele interessante Leute kennengelernt hat und auch von Bürgern mit vielen fachfremden Themen konfrontiert wurde und damit seinen Horizont erweitert hat.

    Hoffnung auf einen Schub bei der Dorferneuerung

    Dem neuen Gremium und dem neuen Bürgermeister wünscht Matthias Liebst, dass die Dorferneuerung einen deutlichen Schub nach vorne erfährt. Ansonsten seien die Vorzeichen gut, zum Ende des Jahres werde die Gemeinde Oberstreu schuldenfrei sein. Der neue Bürgermeister könne auf Finanzen von über drei Millionen Euro zurückgreifen, das sei eine sehr gute Basis für ihn. Und in Mittelstreu kann der nächste Bauabschnitt Lohe erschlossen werden, wenn der erste Abschnitt weitgehend verkauft ist. In Oberstreu ist noch eine gewisse Anzahl von Bauplätzen verfügbar.

    Die Leute hätten ihn schon gefragt, was er mit der neu gewonnenen Zeit anfangen will, meinte Matthias Liebst und schmunzelte dabei. Ihnen sagt er: „Ich möchte wieder auf normalem Niveau arbeiten dürfen“. Neben dem Bürgermeisteramt betreibt er nämlich noch einen landwirtschaftlichen Ackerbaubetrieb und ist dort gut beschäftigt. Sein Sohn, der hauptberuflich in der Industrie tätig ist und der in den Gemeinderat gewählt wurde, werde ihn unterstützen, wenn er Zeit hat.

    Praktischerweise wohnt er daheim am Hof. Matthias Liebst betonte, dass im Gemeinderat immer ein gutes Klima geherrscht habe, wozu er als besonnener und ausgleichender Bürgermeister wohl auch beigetragen hat. „Man muss auch unangenehme Sachen vergessen können“, meinte er und zitierte dazu noch seine Mutter: "Glück ist gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis“.

    In einer früheren Version des Artikels war zu lesen, dass Matthias Liebst 30 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde Oberstreu gelenkt hat. Das ist nicht richtig. Liebst war zwei Amtsperioden, also zwölf Jahre lang, Bürgermeister der Streutalgemeinde. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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