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    Mellrichstadt

    Mellrichstadt: Schmerzende Eingriffe werden nötig

    Nach der Hälfte des 20-jährigen Betrachtungszeitraums lieferte Wilhelm Schmalen (links) einen Zwischenbericht zur Bewirtschaftung des Mellrichstädter Waldes bei Bürgermeister Michael Kraus ab.
    Nach der Hälfte des 20-jährigen Betrachtungszeitraums lieferte Wilhelm Schmalen (links) einen Zwischenbericht zur Bewirtschaftung des Mellrichstädter Waldes bei Bürgermeister Michael Kraus ab. Foto: Eckhard Heise

    Als "außerordentliche" Sitzung deklarierte Bürgermeister Michael Kraus die jüngste Zusammenkunft des Land- und Forstausschusses. Die Dringlichkeit ließ es schon erahnen, dass schlechte Nachrichten anstehen. Die Vermutung bewahrheitete sich, mehr als es den Mitgliedern lieb sein dürfte. Denn inzwischen dramatisieren sich die Zustände im Wald, so dass die Forstbediensteten längst in einen Wettlauf mit der Zeit eingetreten sind.

    Betriebsleiter Michael Merkel und Andree Link, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Obere Rhön, führten die Mitglieder des Ausschusses zunächst an den Kirschgarten. "Dieses Waldbild neben dem Radweg nach Oberstreu werden sie in ein paar Jahren nicht mehr haben", stimmte Link die Mandatsträger ein. Selbst für das Laienauge waren die Schäden an Fichten - die zum Teil schon gefällt sind oder noch dürr stehen – unübersehbar. Jetzt komme noch das Eschensterben dazu. Doch wie soll dem begegnet werden, erkundigten sich die Forstleute bei den politischen Entscheidungsträgern.

    Vermarktung ist nicht wirtschaftlich

    In dem stark frequentierten Bereich bestehe eine erhöhte Verkehrssicherungspflicht, erklärten die Fachleute. Das Fällen sei sehr schwierig, weil das Bergen wegen der Topografie und der örtlichen Gegebenheiten sehr aufwendig sei – wirtschaftlich sei eine Vermarktung ohnehin nicht. Die Bäume liegen lassen, sei nur schwer der Öffentlichkeit zu vermitteln, ebenso wie ein radikaler Eingriff. Das Gremium einigte sich schließlich, Fichten liegen zu lassen und geschädigte Laubbäume "punktuell" zu entnehmen und zu bergen, um den Veränderungsprozess hinauszuziehen.

    So wie jetzt wird es am Kirschgarten in wenigen Jahren nicht mehr aussehen, prophezeiten die Forstexperten und kündigten massive Eingriffe an.
    So wie jetzt wird es am Kirschgarten in wenigen Jahren nicht mehr aussehen, prophezeiten die Forstexperten und kündigten massive Eingriffe an. Foto: Eckhard Heise

    Schon fast nach Resignation klangen die Ausführungen zu zwei weiteren Bereichen. Auf die Roßriether Lahn wurde nur im Vorbeifahren ein Blick geworfen. Merkel erklärte, dass die Waldbetreuer bei der Bekämpfung des Borkenkäfers inzwischen "nicht mehr hinterherkommen". Das hänge unter anderem damit zusammen, dass sich die Waldabteilung vor allem im Privatbesitz befinde. Zum Bergen befallener Stämme müssten private Grundstücke überquert werden, was rechtlich problematisch sei und erst vom Eigentümer genehmigt werden müsse.

    Der Bürgermeister sah das Problem und befand, dass das Dilemma nur durch eine dauerhafte Gesamtlösung beseitigt werden kann. "Dazu müssen aber die Waldeigentümer mit ins Boot geholt werden".

    Bedrückendes Beispiel des Klimawandels

    Als besonders eindrucksvolles und bedrückendes Beispiel des Klimawandels präsentierten die Forstverantwortlichen den Bereich um die Schanz. Weil das Mahnmal wie der Kirschgarten von vielen Menschen besucht wird, muss auf die Sicherheit besonders geachtet werden. Aus diesem Grund wurden erst vor kurzem sämtliche vertrocknete Buchen gefällt, die wegen herabfallender Äste eine erhöhte Gefahr darstellen, schilderte Merkel. Kurz vor dem Ortstermin habe er noch einmal einen Kontrollgang unternommen und zu seinem Schrecken habe er schon nach diesem kurzen Zeitraum erneut Kandidaten entdeckt, deren Schicksal ebenfalls besiegelt sei.

    Erschreckend sei die rasante Entwicklung, konstatierten die Fachleute. Der Waldumbau mit der Berücksichtigung von Arten, die mit den veränderten Bedingungen besser zurecht kommen, werde bereits seit Jahren praktiziert. Jetzt kommen die Betreuer nicht umhin, das Tempo weiter zu forcieren. Das könnte bedeuten, dass andere Bereiche der Waldbewirtschaftung zurückgefahren werden.

    Darunter soll jedoch der Einschlag nicht leiden. Wilhelm Schmalen, Abteilungsleiter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, erinnerte an den Beschluss des Gremiums, den Hiebsatz heraufzusetzen. Damit sei eine nachhaltige Bewirtschaftung immer noch gewährleistet, betonte der Forstmann und verwies auf einen Zwischenbericht zu der auf 20 Jahre angelegten Forsteinrichtung, den er an den Bürgermeister übergab.

                      

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