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    Fladungen

    Rhön: Seit hundert Jahren unter Strom

    'Unter Strom': Museumsleiterin Ariane Weidlich, Landrat Thomas Habermann, Joachim Schärtl, Prokurist beim ÜW, und ÜW-Geschäftsführer Helmut Grosser (von rechts) an einem Mittelspannungsschalter, wie es ihn an Strommasten, in Schalthäusern und Trafostationen gibt.
    "Unter Strom": Museumsleiterin Ariane Weidlich, Landrat Thomas Habermann, Joachim Schärtl, Prokurist beim ÜW, und ÜW-Geschäftsführer Helmut Grosser (von rechts) an einem Mittelspannungsschalter, wie es ihn an Strommasten, in Schalthäusern und Trafostationen gibt. Foto: Eva Wienröder

    100 Jahre Überlandwerk Rhön GmbH sind eine wahre Erfolgsgeschichte. Im Fränkischen Freilandmuseum, das im Zuge der Corona-Lockerungen seit dieser Woche seine Pforten für die Besucher wieder geöffnet hat, gibt es eigens zum Jubiläum eine Ausstellung über den regionalen Stromversorger. Ergänzend zur Sonderschau "Strom für die Rhön. Überlandwerk Rhön 1920-2020" finden sich acht verschiedene Stationen zum Thema im Museumsdorf, welche die vielfältigen Anwendungsbereiche elektrischer Energie im Alltag veranschaulichen.

    Das Überlandwerk (ÜW) Rhön kann heuer stolz auf sein hundertjähriges Bestehen blicken. Dem Anlass gebührend, wollte man eigentlich das Jubiläumsjahr groß begehen. Und auch die Eröffnung der Sonderausstellung im Freilandmuseum hätte man gerne entsprechend gefeiert. Die Corona-Pandemie hat auch hier alles verändert. Aber so sang- und klanglos wollte man die Ausstellung nun doch nicht anlaufen lassen. So erfolgte die Übergabe am Mittwoch im kleinen Kreis von Verantwortlichen des Museums und des ÜW.

    Fladungen als "Wiege" des Überlandwerks

    Landrat Thomas Habermann schätzte sich in Doppelfunktion, als Vorsitzender des Museumszweckverbandes und als Aufsichtsratsvorsitzender der Überlandwerk Rhön GmbH, glücklich über die Ausstellung, und dass sie in Fladungen gezeigt wird. Es könnte keinen besseren Ort geben, schließlich sei Fladungen sozusagen "die Wiege" des ÜW und zugleich Mittelpunkt des Versorgungsgebietes, das sich bekanntlich länderübergreifend über die Rhön von Bayern, Hessen bis nach Thüringen erstreckt. Im Freilandmuseum könne man zudem gut zeigen, wie es vor 100 Jahren auf dem Land ausgesehen hat.

    Wolfgang Pfeiffer, Abteilungsleiter Stromvertrieb beim ÜW Rhön, Prokurist Joachim Schärtl, Landrat Thomas Habermann, Museumsleiterin Ariane Weidlich und ÜW-Geschäftsführer Helmut Grosser (von links) nahmen die Sonderausstellung anlässlich des 100-jährigen Bestehens des regionalen Stromversorgers in Augenschein.
    Wolfgang Pfeiffer, Abteilungsleiter Stromvertrieb beim ÜW Rhön, Prokurist Joachim Schärtl, Landrat Thomas Habermann, Museumsleiterin Ariane Weidlich und ÜW-Geschäftsführer Helmut Grosser (von links) nahmen die Sonderausstellung anlässlich des 100-jährigen Bestehens des regionalen Stromversorgers in Augenschein. Foto: Eva Wienröder

    Die Geschichte des ÜW sei auch ein Stück deutsche Geschichte mit gesellschaftlichen, politischen und technischen Facetten und ein Beispiel für die Entwicklung einer Region und ihren Schritt in die Neuzeit, so Habermann. Er erinnerte an die schwierigen Anfänge. Denn als zu Beginn des 20. Jahrhunderts in unseren Breiten flächendeckend eine elektrische Versorgung aufgebaut wurde, blieb die Rhön zunächst unberücksichtigt. Zu gering erschienen die Erfolgsaussichten für ein wirtschaftlich so riskantes Unterfangen in dem dünnbesiedelten Mittelgebirge. Doch die Bevölkerung hatte sich damit nicht zufrieden gegeben. Gemeinden aus allen Teilen der Rhön hatten sich daraufhin zusammengefunden und am 29. März 1920 die Überlandwerk Rhön GmbH mit Sitz in Fladungen gegründet, um sich ihre eigene Stromversorgung aufzubauen. "Not macht erfinderisch", so Habermann, der den damaligen Akteuren Respekt für ihren unternehmerischen Mut und ihren Weitblick zollte. Schließlich konnte mit der neuen Technologie auch der Wohlstand auf dem Land beginnen. Die Elektrifizierung kam der aufkommenden Industrie, der Landwirtschaft und vermehrt auch den privaten Haushalten zugute.

    Ein Stück Technikgeschichte

    Vom Stromversorger waren Geschäftsführer Helmut Grosser, Prokurist Joachim Schärtl und Wolfgang Pfeiffer, Abteilungsleiter Stromvertrieb, zur Übergabe der Ausstellung gekommen und gaben Erläuterungen zu Geschichte und Technik.

    Grosser griff mit Habermann auf, wie vom ÜW schwierige Zeiten gemeistert wurden. Etwa als nach Schließung der Zonengrenze durch die DDR 1952 die Stromlieferungen aus dem thüringischen Breitungen eingestellt wurden und das ÜW in der Folge innerhalb weniger Wochen ein leistungsfähiges Netz mit Zuleitungen aus Bayern und Hessen errichtet hatte. Nach dem Fall der Mauer 1989 begannen die großen Bemühungen, die alte Gebietskulisse wiederherzustellen und das Thüringer Versorgungsgebiet zurückzugewinnen. Seit Dezember 1993 werden dort die Kunden wieder beliefert.

    "Das Fundament des ÜW war so gut angelegt, das Unternehmen besteht in den Grundfesten noch wie bei seiner Gründung vor einem Jahrhundert", stellte Grosser stolz fest. So ist das ÜW heute nach wie vor zu 100 Prozent in kommunaler Hand und die Gesamtkompetenz in Sachen Energie wurde beim ÜW gehalten. Für die Zukunft sei man nach den Worten des Geschäftsführers gut gerüstet. Landrat Habermann führte in diesem Zusammenhang an, wie wichtig eine Grunddaseinsvorsorge vor Ort sei. "Das hat uns Corona deutlich gezeigt", so der Landkreischef.

    Gewinn für das Museum

    Die Idee für das Ausstellungsprojekt mit dem Freilandmuseum hatte ÜW-Prokurist Joachim Schärtl. Museumsleiterin Ariane Weidlich bezeichnete die Zusammenarbeit mit dem ÜW als wunderbare Kooperation und Gewinn für das Museum. In diesem Zuge hat das Museumsdorf für das Trafohäuschen aus Brunnhartshausen vom ÜW eine technische Ausstattung erhalten und es wurde eine historische Wegebeleuchtung von der Brücke am Eingang bis zum Brauhaus eingerichtet. Zudem findet sich auf dem Gelände ein Original Doppelstrommast, der früher einmal in Oberfladungen gestanden hat. So könne man Strom im Zusammenhang darstellen. Neben dem "Rhönzügle" habe das Museum nun ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, wie Weidlich anmerkte.

    Im Zuge der Kooperation mit dem Überlandwerk Rhön hat das Fränkische Freilandmuseum auch eine technische Ausstattung für die Trafostation erhalten. Es freuen sich (von links) Museumsleiterin Ariane Weidlich, Landrat Thomas Habermann und ÜW-Geschäftsführer Helmut Grosser.
    Im Zuge der Kooperation mit dem Überlandwerk Rhön hat das Fränkische Freilandmuseum auch eine technische Ausstattung für die Trafostation erhalten. Es freuen sich (von links) Museumsleiterin Ariane Weidlich, Landrat Thomas Habermann und ÜW-Geschäftsführer Helmut Grosser. Foto: Eva Wienröder

    Die Ausstellung im Obergeschoss des Eingangsgebäudes gibt einen chronologischen Abriss zur Geschichte des ÜW Rhön von den Anfängen bis hin zum heutigen, modernen Unternehmen, verbunden mit einem Ausblick in die Zukunft, und sie zeigt Exponate zur technischen Entwicklung. Und, "ein ganz wichtiger Aspekt", so führte Weidlich aus, die Ausstellung gibt auch den Menschen, die hinter den Entwicklungen stehen, ein Gesicht. Darüber hinaus gibt es auf dem Museumsgelände acht Stationen, etwa zur Stromnutzung in der Landwirtschaft und im Haushalt.

    Ausstellung ist reich bebildert

    Die reich bebilderte Ausstellung wurde von Anita Kuisle vom Büro für Technikgeschichte, München, konzipiert. Neben ihr galt der besondere Dank der ÜW- und der Museumsverantwortlichen Robert Köhler von der Werkstatt für Gestaltung, Augsburg, sowie Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert für die Unterstützung und zur Verfügungstellung weiteren Bildmaterials.

    Die Laufzeit der Ausstellung wurde angesichts der coronabedingten verspäteten Eröffnung bereits verlängert. Über das Jahr 2020 hinaus wird sie auch in der nächsten Saison im Freilandmuseum gezeigt. Dann wird auch der große Aktionstag "Unter Strom" nachgeholt, der ursprünglich für den 5. Juli 2020 geplant war.

    Infos zur Ausstellung gibt es auch im Internet: https://freilandmuseum-fladungen.de/de/ausstellungen/sonderausstellung-strom-rhoen

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