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    Bastheim

    Schwierige Situation im Bastheimer Wald

    Erster Waldbegang mit dem neuen Gremium: Bürgermeister Tobias Seufert und die Bastheimer Gemeinderäte ließen sich von Forstdirektor Hubert Türich und Revierförster Andreas Hennig über die Situation im Wald im Besengau informieren.
    Erster Waldbegang mit dem neuen Gremium: Bürgermeister Tobias Seufert und die Bastheimer Gemeinderäte ließen sich von Forstdirektor Hubert Türich und Revierförster Andreas Hennig über die Situation im Wald im Besengau informieren. Foto: Forstreferendar Moritz Kraus

    Die gute Nachricht vorweg: „Dem Bastheimer Wald geht es nicht schlecht.“ Zu dieser Erkenntnis kam Forstdirektor Hubert Türich anlässlich des Waldbegangs mit den neuen Gemeinderäten und Bürgermeister Tobias Seufert. „Bastheim darf durchaus hoffnungsvoll in die Zukunft schauen, es ist nicht alles verloren.“

    Gut zwei Stunden waren der Bürgermeister und die Gemeinderäte mit Hubert Türich und Revierförster Andreas Henig in „ihrem Wald“ unterwegs, ließen sich Problempunkte zeigen, aber auch positive Entwicklungen.

    In der anschließen Sitzung in der Besengau-Scheuer stand vor allem das Thema Finanzen im Mittelpunkt der Diskussion. Seit Jahren müsse ein Defizit in der Waldwirtschaft getragen werden, doch im Jahresbetriebsplan werde stets eine „schwarze Null“ angepeilt. Das ärgert die Bürgervertreter. Gemeinderat Theo Behringer wünschte sich, dass künftig die tatsächlichen Ergebnisse der Vorjahre zur Grundlage für die jeweiligen Jahrespläne genommen werden.

    Welche Beträge werden dem Forst noch angerechnet?

    Wie Türich erläuterte, liege genau hier die Problematik. Die Förster können nur die ihnen bekannten Zahlen aus dem Forstbetrieb in die Planung aufnehmen. Er sprach von einer Naturalplanung, die aufzeige, welche Kosten durch junge Pflanzen, Zaunbau und weiteres entstehen und welche Einnahmen über die Holzvermarktung erwartet werden. Nicht bekannt sei den Förstern, welche Beträge durch die Kämmerei zum Forst hinzugebucht werden. Wenn Bauhofmitarbeiter auch im Wald tätig seien, sei diese Größenordnung den Förstern nicht bekannt, schlage sich aber in der Jahresabrechnung in nicht unerheblicher Weise in Form von Personalkosten nieder.

    „Natürlich sollen der Gemeinde ehrliche Zahlen vorgelegt werden“, betonte Türich. Er schlug daher vor, dass in der nächsten Planung diese Zahlen aus der Kämmerei ebenfalls dem Gremium vorgelegt werden. Türich blickte noch weiter: „Wir wissen auch nicht, ob es zum Beispiel eine Jagdpacht gibt, die dem Wald zugerechnet werden könnte.“

    Informativer Rundgang durch den Gemeindewald

    Der Waldbegang war im Ortsteil Braidbach gestartet. Für die erstmals gewählten Gemeindevertreter erläuterte Türich zunächst die Rahmendaten des rund 400 Hektar großen Gemeindewalds, der zu über 50 Prozent aus Nadelholz bestehe. Damit sei Bastheim in der Region als mittelgroßer Waldbesitzer zu betrachten. Natürlich gehen auch die aktuellen Probleme wie Trockenheit, Hitze und Schädlingsbefall nicht am Gemeindewald Bastheim vorbei. Insbesondere die Fichte leide aktuell unter den klimatischen Bedingungen, auch wenn es in diesem Jahr nicht ganz so heiß und trocken sei wie in den Vorjahren.

    Wie sehr Dürre und in der Folge Borkenkäfer dem Wald zusetzen und Bäume vermehrt absterben lassen, war am Waldbild unschwer zu erkennen. Die Forstleute zeigten den Gemeinderäten ein sogenanntes „Käferloch“. Die Fichten mussten aufgrund von massivem Borkenkäferbefall gefällt werden. Dort, wo nur noch einzelne Kiefern stehen, könne sich Konkurrenzvegetation wie Brombeeren und Gräser schnell ausbreiten und junge Bäume am Wachsen hindern. Die Forstmänner befürchten folglich, dass die an diesem Standort geplante Pflanzung von Buchen und Esskastanien in den kommenden Jahren gegen diese Begleitvegetation geschützt werden müsse.

    Verbiss bei ungeschützten Flächen deutlich erkennbar

    Anders präsentierte sich das nächste Waldbild. Hier hatte die Gemeinde vor etwa fünf Jahren unter dem bestehenden Schirm aus Kiefern und Fichten Buchen, Ahorn und Esskastanie eingesät. Ein Zaun, der die Fläche vor Wildverbiss schütze, erlaube zudem auch anderen Baumarten wie Eiche, Eberesche und Wildkirsche, ungestört zu wachsen.

    Zu guter Letzt wurde eine vierte Fläche in Augenschein genommen. Bei vergleichbarer Ausgangslage habe die Gemeinde hier vor bereits neun Jahren unter dem Fichten- und Kiefern-Altholz eine Kultur mit 7000 Buchen angelegt, allerdings ohne Zaun. Deutlich der Unterschied zwischen der vor Verbiss geschützten und der ungeschützten Fläche: Die Buchen auf der ungeschützten Fläche sind zwar etwa gleich hoch, doch deutlich älter als die gesäten Buchen im Zaun. Die aufkommende Fichtennaturverjüngung drohe zudem, bei anhaltendem Verbiss an den Buchen, diese zu überwachsen.

    Holzpreise im Keller

    Viele rote „K“ auf den Altfichten vermittelten den Gemeindevertretern einen Eindruck, wie schnell und verheerend sich der Borkenkäfer ausbreiten kann. Diese Bäume müssen gefällt und aus dem Wald entfernt werden. Die Vermarktung gestalte sich bei den aktuell gefallenen Holzpreisen allerdings schwierig. „Wir müssen aufarbeiten, bekommen aber nicht das Geld, was es kostet und was das Holz eigentlich wert ist“, fasste Türich die wirtschaftlich Problematik zusammen. Dennoch stehe Bastheims Wald in dieser schwierigen Situation nicht allzu schlecht dar, wurde der Forstdirektor nicht müde zu betonen.

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