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    Schönau

    "Situation im Wald ist alarmierend"

    Der Zustand der heimischen Wälder ist besorgniserregend. Forstdirektor Hubert Türich vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gab in einem informationsreichen Vortrag bei der Jahreshauptversammlung der Schönauer Jagdgenossen einen Überblick über den Umbau des Waldes infolge des Klimawandels.
    Der Zustand der heimischen Wälder ist besorgniserregend. Forstdirektor Hubert Türich vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gab in einem informationsreichen Vortrag bei der Jahreshauptversammlung der Schönauer Jagdgenossen einen Überblick über den Umbau des Waldes infolge des Klimawandels. Foto: Manfred Zirkelbach

    Forstdirektor informiert bei der Jahreshauptversammlung der Schönauer Jagdgenossen über den Zustand des Waldes infolge des Klimawandels. Große Schäden durch Trockenheit und Schädlinge.

    Ein recht überschaubarer Kreis war es, der sich im Schönauer Kolpingsaal zur diesjährigen Versammlung der Jagdgenossenschaft eingefunden hatte. Der Vorsitzende Armin Märkert begrüßte vor allem neben Bürgermeisterin Sonja Rahm auch Altbürgermeister Rudi Zehe und die beiden Jagdpächter Willi Holzheimer und Günter Fischer.

    In seinem umfangreichen Rückblick berichtete Märkert über die im vergangenen Jahr durchgeführte Reparatur zweier Flurwege, die von den Jagdgenossen mit insgesamt 11 563 Euro komplett finanziert wurden. Darüber hinaus stünden in den kommenden Jahren noch weitere Instandsetzungen an. Einiges Kopfzerbrechen bereite nach wie vor die Planung und Bereitstellung eines geeigneten Holzlagerplatzes. Die bisher ins Auge gefassten Plätze könnten wohl nicht verwirklicht werden. Gemeinsam mit der Gemeinde sei man weiterhin auf der Suche nach einem geeigneten Standort.

    Abschusszahlen für Rotwild sollen erhöht werden

    Für den Schutz des Waldes habe der Vorstand der Jagdgenossen nunmehr auch Verbindung mit den Verantwortlichen der Waldflurbereinigung aufgenommen, um an einigen Waldrändern Äsungsstreifen für das Wild anzulegen. Gemeinsam mit den beiden Jagdpächtern wies Märkert besonders darauf hin, Waldarbeiten während der Sommermonate zu unterlassen, um die Unterstände des Wildes möglichst zu schonen. Die Abschusszahlen sowohl für Reh- als auch für Rotwild seien erfüllt worden, besonders für das Rotwild sollten die Abschusszahlen weiter erhöht werden. Hierzu solle auf regionaler Ebene ein Rotwildmanagement erstellt werden, in welchem neben den Fachbehörden und Gemeinden auch die Jagdgenossenschaften einzubeziehen seien. Neben zwei Treibjagden im Herbst des letzten Jahres haben die Jagdgenossen auch wieder einen Grenzgang durchgeführt.

    Übersichtlich und gut geführt wird die Kasse der Genossenschaft von Klaus Baumgärtner. Im letzten Jahr ergab sich in der Kasse ein Minusbetrag, ausgelöst durch die Kosten der Wegereparatur. Kassenprüfer Norbert Rahm bescheinigte ihm eine solide Kassenführung.

    Alarmierende Situation im Wald

    "Die Situation im Wald ist alarmierend", begann Forstdirektor Hubert Türich seinen kurzen wie überaus inhaltsreichen Zustandsbericht des Waldes. Nicht nur die Hitze und die Trockenheit der letzten Jahre habe den heimischen Baumarten besonders zugesetzt. Der Wald leide zudem auch am vermehrten Auftreten von Schädlingen. Regelrecht abgestürzt seien im vergangenen Jahr die Preise für das eingeschlagene Holz, die Corona-Krise habe überdies dazu beigetragen, dass derzeit ein Überangebot bestehe. Die Nachfrage nach Holzprodukten, besonders in der Möbelindustrie, sei stark zurückgegangen, die Holzpreise dementsprechend eingebrochen. Der Holzeinschlag müsse daraufhin in verantwortbarer Weise kurzfristig ebenfalls zurückgefahren werden.

    Türich wies anhand verschiedener Aufzeichnungen auf die Folgen des Klimawandels hin, wobei die fehlenden Regenmengen in den letzten Jahren den Wäldern besonders zusetzten. Anhand von Standortkartierungen müssten nunmehr Anbauversuche sowohl mit heimischen als auch mit weiteren aus anderen Regionen stammenden Baumarten vorgenommen werden, wobei er feststellte: "Wir brauchen die Mischung von unterschiedlichen Baumarten in unseren Wäldern." Das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (ALEF) und auch die örtlichen Forstdienststellen sowie die Forstbetriebsgemeinschaft stünden allen Waldbesitzern jederzeit zur Beratung zur Verfügung.

    Unterstützung durch die Jagdgenossen

    Bürgermeisterin Sonja Rahm betonte in ihrem Grußwort die außerordentlich gute Unterstützung seitens der Jagdgenossen, der Jagdpächter und der Forstbehörden nach ihrem Diensteintritt seit Frühjahr des Jahres. Sie nannte den heimischen Wald als einen ganz besonderen "Schatz, welchen es zu hegen und zu pflegen" gelte.

    Die beiden Jagdpächter Willi Holzheimer und Günter Fischer äußerten sich sehr zufrieden über die Zusammenarbeit mit den Jagdgenossen und der Gemeinde. Sie wiesen wiederholt darauf hin, die Ruhezonen des Wildes nicht unnötig zu stören. Erfreut zeigten sie sich über die Mitteilung einiger Landwirte, die ihre Mähzeiten angezeigt hätten. Dadurch seien Kontrollgänge ermöglicht worden, um Rehkitze aus den Gefahrenzonen zu entfernen. Beide Jagdpächter baten darum, auch weiterhin Mähzeiten und Örtlichkeiten rechtzeitig bekannt zu geben.

    Jagdpacht wird als Rücklage einbehalten

    Nach dem Willen der großen Mehrheit der Versammlung wird der Jagdpacht auch im kommenden Jahr als Rücklage einbehalten. Das Geld steht dann für weitere Wegebaumaßnahmen zur Verfügung. Armin Märkert wies hierzu besonders darauf hin, dass sich die Genossenschaft vor allem als Solidaritätsgemeinschaft verstehen müsse. Hierzu gab es aus den Reihen der Versammlung allerdings auch Kritik zu hören. Finanzielle Unterstützung aus der Kasse gibt es in diesem Jahr für den Kindergarten, die Kirchenverwaltung, Kolping, DJK und Schwimmbadfreunde, die sich über eine Zuwendung von jeweils 200 Euro freuen können.

    Eberhard Märkert wurde schließlich von der Versammlung zum 2. Vorsitzenden gewählt, nachdem Kurt Rahm kürzlich von diesem Amt aus persönlichen Gründen zurückgetreten ist.

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