• aktualisiert:

    Bad Neustadt

    Viele Corona-Probleme auch für Familien im Landkreis

    Ausschuss für Jugendhilfe und soziale Angelegenheiten beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kindertageseinrichtungen und Wohlfahrtsverbände.
    Schwierige Zeiten brachte der Lockdown für Kinder mit sich, die Spielplätze, wie hier auf diesem Symbolbild,  nicht mehr besuchen durften. 
    Schwierige Zeiten brachte der Lockdown für Kinder mit sich, die Spielplätze, wie hier auf diesem Symbolbild,  nicht mehr besuchen durften.  Foto: Heiko Becker

    "Es ist viel leichter, eine Corona-Teststrecke einzurichten, als einigermaßen gleiche Verhältnisse in Schulen und Kitas zu schaffen." Selbstkritisch stieg Landrat Thomas Habermann in das Hauptthema der konstituierenden Sitzung des Ausschusses für Jugendhilfe und soziale Angelegenheiten in der Stadthalle in Bad Neustadt ein. Hier ging es um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kindertagesstätten und Wohlfahrtsverbände. Habermann dankte dabei allen, gerade auch den Eltern, die dazu beigetragen haben, dass "wir insgesamt gut gefahren sind", obwohl es auch verständliche Kritik gegeben habe.

    Große Verunsicherung für die Klientel der Suchtberatung

    In den Berichten von Caritas und Diakonie mit ihren Beratungsstellen sowie dem Amt für Jugend und Familie gibt es eine Gemeinsamkeit. Die ersten Tage nach dem Lockdown Mitte März gestalteten sich extrem schwierig, weil in vielen Fällen nicht klar war, was unter Corona-Bedingungen noch erlaubt war und was nicht. Bis auf Notfälle und in der Flüchtlingsberatung wegen der häufigen Terminangelegenheiten wurden die persönlichen Kontakte eingestellt.  Wobei sich die Sprachbarrieren  bei der Beratung mit Schutzmasken noch verstärkten, wie die Kreiscaritas-Geschäftsführerin Angelika Ochs in ihre Bericht vermerkte.

    Für die Klientel in der Suchtberatung habe der Lockdown eine große Verunsicherung mit sich gebracht, die auch zu Rückfällen geführt habe. Auch in der Erziehungsberatung zeigten sich zum Teil große Probleme. "Bei Familien, die schon vorher belastet waren, kam es schnell zu deutlichen Eskalationen", heißt es in dem Bericht unter anderem. Zum Teil sei es sogar zu Einweisungen in die Psychiatrie gekommen. Während seit Mitte Mai unter Schutzmaßnahmen auch wieder persönliche Beratungen möglich sind, gilt das nicht für Selbsthilfegruppen. Sie müssen nach wie vor pausieren.

    Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit rücken wieder in den Fokus

    Schon seit einigen Wochen sind bei der von der Diakonie getragenen Schuldner-und Insolvenzberatung die wirtschaftlichen Auswirkungen des Lockdowns zu spüren, wie Helmtrud Hartmann darlegte. Erstmals nach Jahren seien Themen wie Kurzarbeit, Kündigung und Arbeitslosigkeit wieder in den Fokus getreten und werden wohl in der nächsten Zeit den Beratungsalltag bestimmen.  Auch sie ging auf die Mehrbelastung des Personals ein. Die ausschließliche telefonische Beratung habe eine sehr hohe Konzentration notwendig gemacht, auch wegen teilweise sehr schlechten Internetverbindungen bei Whatsapp-Anrufen, fehlenden oder rudimentären Sprachkenntnissen. 

    Neben der Sorge um die Kinder und Familien, zu denen der Kontakt plötzlich weggebrochen war, beschäftigte das Jugendamt aber auch die Sicherheit des Personals der vielen Kitas, wie Jugendamtsleiterin Helga Stockheimer-Fries festhielt. Einige Wochen dazu habe es keine greifbaren staatlichen Regelungen gegeben, was zu großer Unsicherheit und Angst beim Personal und den ehrenamtlich agierenden Trägervereinen geführt habe. Erst auf Veranlassung des Landrates wurden von Betriebsärzten im Bedarfsfall Risikoanalysen durchgeführt. Extrem zugenommen hat die Zahl der notbetreuten Kinder im Landkreis, nämlich von 21 Mitte März auf 2400 Mitte Juni. Aktuell werden 3265 von 4830 Kindern eingeschränkt betreut.    

    Drastischer Anstieg der Telefonberatungen im Frauenhaus 

    Keine größeren Auswirkungen auf die Kundschaft stellte Romy Straub von der Tafel Bad Neustadt fest. Alle hätten sich vor der Schließung gut aus den Vorräten versorgen können.

    Das Frauenhaus in Schweinfurt registrierte kurz nach Ausrufen der Ausgangsbeschränkungen nur sehr wenige Aufnahemeanfragen, dafür aber dreimal so viele telefonische Beratungen. Insgesamt sei die Zeit etwas ruhiger als sonst verlaufen, was sich aber mittlerweile wieder geändert habe, heißt es in dem Bericht. 

    Weil aufgrund der mangelnden technischen Ausrüstung keine Onlineberatung möglich war, steht die Behebung des Problems ganz oben auf der Liste der Anlaufstelle sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen in Schweinfurt.  Einen wesentlichen Anstieg an Anfragen habe man nicht feststellen können, heißt es im Bericht, woraus man aber nicht schließen könne, das es nicht doch sexuelle Gewalt in Familien gegeben habe.     

    Auch wenn die vorerst schlimmste Phase bewältigt ist, warten doch die nächsten Herausforderung  schon. "Wie geht es weiter in den Sommerferien, in denen es heuer keine Zeltlager und ähnliches für die Kinder gibt", fragte sich Landrat Thomas Habermann. Und noch immer ist die Frage strittig, mit welchen Krankheitssymptomen ein Kind mit welcher ärztlichen Bescheinigung die Kita besuchen darf.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Rhön-Grabfeld-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!