• aktualisiert:

    Oberelsbach

    Rhön: Wo fühlen sich Wildbienen wohl?

    Eine Wildbiene sucht nach Nektar auf einer Blüte einer Magerwiesen-Margerite.
    Eine Wildbiene sucht nach Nektar auf einer Blüte einer Magerwiesen-Margerite. Foto: Symbolbild Patrick Pleul/dpa

    Mit Sonnenhut und Kescher ist Sonja Schröck in diesen Tagen in Oberelsbach und Weisbach unterwegs: Sie untersucht, welche Wildbienenarten in den beiden Dörfern vorhanden sind und welche Lebensräume sie bevorzugen. Bereits Anfang April war Schröck in den beiden Projektdörfern unterwegs und hat Pfosten mit Nisthilfen aufgestellt. Die Pfosten wurden mit Schilfrohr gestopft und nur einen Monat später sind bereits zahlreiche Röhrchen von Insekten bewohnt.

    Sonja Schröck ist Doktorandin an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und forscht im Rahmen ihres Dissertationsprojektes am Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie zum Thema "Wildbienen in den Dörfern Mainfranken und Rhön". Dabei handele es sich um echte Grundlagenforschung, da die Bedeutung von Dörfern für die rund 550 Wildbienenarten bisher kaum untersucht seien. "Wir wissen recht gut, wie die Landwirtschaft und die Artenvielfalt zusammenhängen. Aber welche Rolle das Dorf spielt, das einen wichtigen Teil der bayerischen Kulturlandschaft darstellt, wissen wir bislang kaum. Dabei sind die Dörfer sehr strukturreich: Streuobstwiesen, Trockenmauern, alte Holzscheunen und Bauerngärten bieten wertvolle Lebensräume für Insekten." Doch auch im Dorf sei zunehmend der Verlust von Strukturvielfalt festzustellen: Flächenversiegelung, pflegeleichte Grünflächen und gut aufgeräumte Gärten bedeuteten einen Rückgang der Artenvielfalt im ländlichen Raum.

    200 Flächen werden untersucht

    Insgesamt vierzig Dörfer mit jeweils fünf verschiedenen Flächen untersucht Sonja Schröck, davon zwanzig Dörfer rund um Würzburg und zwanzig Dörfer in den beiden Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld. Betreut wird das Forschungsprojekt von Professor Ingolf Steffan-Dewenter und Dr. Andrea Holzschuh. "Ich untersuche auf insgesamt 200 Flächen, welche Auswirkungen der Strukturreichtum für die Wildbienenarten hat. Welche Blütenpflanzen und Nistplätze bevorzugen sie? Wie kann man die Artenvielfalt im Dorf fördern? Meine Forschungsergebnisse sollen zur Diskussion anregen und konkrete Pläne zur Förderung der verschiedenen Bienenarten liefern", betont Schröck, die Biodiversität und Ökologie in Göttingen studiert hat.

    Die Auswahl der Projektdörfer erfolgte statistisch anhand von Geoinformationsdaten. Es handelt sich bei den ausgewählten Flächen um in sich abgeschlossene Dörfer, mit 800 bis maximal 3000 Einwohnern, die unterschiedliche Flächenanteile wie Acker- und Landflächen aufweisen und unterschiedlich in die Landschaft eingebunden sind. Mainfranken sei dabei eher strukturärmer, die Rhön strukturreicher.

    Im Landkreis Rhön-Grabfeld ist unter anderem die gesamte Kreuzbergallianz mit jeweils einem Dorf vertreten. Das neu entstandene Biodiversitätszentrum Rhön in Bischofsheim, das Teil des Bayerischen Landesamtes für Umwelt ist, fördert das Forschungsprojekt mit einem Betrag von 380 000 Euro.

    Der Markt Oberelsbach ist die einzige Gemeinde im Forschungsprojekt, von der gleich zwei Dörfer untersucht werden. "Es freut mich, dass unsere Gemeinde mit Weisbach und Oberelsbach Teil des Forschungsprojektes ist. Als Umweltgemeinde im Biosphärenreservat Rhön sind wir an den Ergebnissen sehr interessiert und möchten helfen, für die Artenvielfalt im ländlichen Raum zu sensibilisieren. Es reicht nicht, dass die Landwirtschaft Maßnahmen ergreift. Sondern jeder und jede kann mit ihrem Garten, ihrem Balkon, der Streuobstwiese mit Totholz und der alten Sandsteinmauer zur Artenvielfalt beitragen. Wir brauchen weniger deutsche Gründlichkeit in unseren Gärten, dann summt und brummt es wieder", erklärt Bürgermeisterin Birgit Erb und lädt Sonja Schröck schon heute ein: "Wir freuen uns auf Ihren Abschlussbericht und werden gerne die kommunalen Grünflächen auf Ihre Ratschläge hin überprüfen."

    Welche Nist- und Futterplätze brauchen Wildbienen? Sonja Schröck, Doktorandin, untersucht zehn Flächen in Weisbach und Oberelsbach. Birgit Erb, Erste Bürgermeisterin, Markus Henneberger, staatlich geprüfter Techniker für Garten- und Landschaftsbau und Kathrin Scholz, Beauftragte für Bildung für nachhaltige Entwicklung, sind gespannt auf erste Ergebnisse.
    Welche Nist- und Futterplätze brauchen Wildbienen? Sonja Schröck, Doktorandin, untersucht zehn Flächen in Weisbach und Oberelsbach. Birgit Erb, Erste Bürgermeisterin, Markus Henneberger, staatlich geprüfter Techniker für Garten- und Landschaftsbau und Kathrin Scholz, Beauftragte für Bildung für nachhaltige Entwicklung, sind gespannt auf erste Ergebnisse. Foto: Marion Eckert

    Auch der staatlich geprüfte Techniker für Garten- und Landschaftsbau, Markus Henneberger, sowie die BNE-Beauftragte (Bildung für nachhaltige Entwicklung) Kathrin Scholz, sind gespannt auf die Ergebnisse der Wildbienen-Studie. "Die Forschungsergebnisse könnten in künftige Workshops im Rhöner Bauerngarten einfließen oder Teil der Vortragsreihe "Oberelsbacher Gespräche" werden. Die Umweltgemeinde Oberelsbach setzt sich dafür ein, wissenschaftliche Forschung und Praxis miteinander zu verknüpfen und konkrete Umsetzungstipps einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen", so Scholz.

    Etwa einmal im Monat wird man Sonja Schröck in den Dörfern mit Sonnenhut und Kescher antreffen. Noch bis September fängt sie an windstillen, sonnigen Tagen Wildbienen. Die Arbeit im Büro und im Labor beginnt danach: Dann werden die Bienenarten bestimmt und Statistiken erstellt. Auf drei Jahre ist das Projekt angelegt, das eine Kooperation zwischen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt darstellt.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Rhön-Grabfeld-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!