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    Wechterswinkel

    Wo Federbälle einen Raum zum Klingen bringen

    Ein besonderer Hingucker in der aktuellen Ausstellung im Kloster Wechterswinkel sind die Federbälle. Bildhauer Dierk Berthel (Mitte) stellte sein Werk den Besuchern beim „Langen Donnerstag“ vor.
    Ein besonderer Hingucker in der aktuellen Ausstellung im Kloster Wechterswinkel sind die Federbälle. Bildhauer Dierk Berthel (Mitte) stellte sein Werk den Besuchern beim „Langen Donnerstag“ vor. Foto: Klaus-Dieter Hahn

    Nach einem Arbeitstag in der Sommerhitze in heißen Büros, mit Berechnungen und Telefonaten am Abend dann bei angenehmen Temperaturen im Innenhof des Klosters Wechterswinkel mit seiner besonderen Atmosphäre sitzen – das tut gut. Wenn dann noch zu den sanften Gitarrenklängen von Carlo Hilsdorf man mit Dierk Berthel  und Dr. Astrid-Hedrich-Scherpf über Kunst plaudern kann - dann ist das ein Stück echter Lebensqualität.

    Man muss dem Rannunger Bildhauer Dierk Berthel, dessen Ausstellung „unfinished spaces“ aktuell im Kreiskulturzentrum zu bewundern ist, an diesem Abend einfach recht geben, wenn er sagt: „Bildende und darstellende Kunst sind systemrelevant. Ohne Kunst ist schwer zu überleben. Ein Leben ohne Kunst ist ziemlich trostlos !“

    Denkweise und das Schaffenswerk des Künstlers

    Mit Dierk Berthel und der Kreiskulturmanagerin Astrid Hedrich-Scherpf sind zu diesem „langen Donnerstag“ Gäste, Kunstinteressierte und Künstler gekommen, denen der Bildhauer und die Leiterin der Kreiskulturagentur tiefe Einblicke in die Denkweise und das Schaffenswerk Berthels geben. Der Rannunger ist gleichzeitig auch Vorstand des Landesverbands Bayern im Berufsverband Bildender Künstler ist.

    Bei einer Führung durch die Ausstellung – unter Einhaltung der strengen Hygiene- und Abstandsvorschriften – wird immer wieder das Grundprinzip Berthels deutlich: Der Raum ist für den Bildhauer das Allerwichtigste. Ihn will er für seine und mit seiner Kunst  gestalten und verändern !“ Und so hat er sich mit seinen Kunstwerken auch an dem mit seinen Stützbalken und Bruchsteinwänden schwierigen und dominanten Ausstellungssaal im „Kloster Wechterswinkel“ zunächst einmal richtig gerieben. Und letztlich ihn aber auch mit seinen Ringfiguren und deren „eingefrorenen Wippbewegungen“ mit spielerischer Leichtigkeit erobert.

    Berthel verwendet oft heimisches Holz

    Prägnant sind seine aus verschiedenen Materialien geschaffenen Werke, wobei er oft heimisches Holz  verwendet. Bei seinen „Federbällen“ führt Dierk Berthel  Klang und Skulptur im Raum zusammen, denn Musik, Klang und Skulptur seien Raum, so der Künstler. Er hinterlegt er die dort ausgestellten „Federbälle“ mit Klängen, die er während  seiner Arbeit im Atelier aufgezeichnet hat. Ein einfacher Ringstab an der Wand, der in seinem Atelier eher ein Schattendasein gefristet hat und Nebendarsteller war, übernimmt nun eine Hauptrolle, da er als „Sprungbrett zu den Ringfiguren“ wurde, die auch als sechsfarbige Holzschnitte an der Natursteinwand im Ausstellungssaal hängen und mäandernd aus dem Rahmen herausgleiten.

    Künstler Dierk Berthel (links) und Kreiskulturmanagerin Dr. Astrid Hedrich-Scherpf stellten mit Visier  die Werke der aktuellen Ausstellung am Langen Donnerstag im Kloster Wechterswinkel vor.
    Künstler Dierk Berthel (links) und Kreiskulturmanagerin Dr. Astrid Hedrich-Scherpf stellten mit Visier die Werke der aktuellen Ausstellung am Langen Donnerstag im Kloster Wechterswinkel vor. Foto: Klaus-Dieter Hahn

    Für Dierk Berthel stellte sich die Frage: „Was macht die Skulptur mit dem Raum  und mit dem Betrachter ?“ Im Innenhof des Klosters präsentiert die Kreiskulturmanagerin nicht nur den kürzlich erschienenen Ausstellungskatalog, sondern auch die Vita des in Schweinfurt geborenen Künstlers. Nach seiner Ausbildung zum Steinbildhauer hatte er als Meisterschüler die Fachschule für Bildhauer in Aschaffenburg besucht. Seit 1986 ist er freischaffend tätig ist.

    Der Künstler will mit dem Raum sprechen

    Zahlreiche Ausstellungen und Preise unterstreichen sein Können. Im munteren Dialog zwischen den beiden wird deutlich, dass der Titel der Ausstellung „unfinished spaces“  nach Hedrich-Scherpf als „unfertige, veränderbare Räume“ interpretiert werden kann, was allerdings für Dierk Berthel nichts anderes als „Freiheit“ bedeutet. Er selbst gesteht, dass die klassische Bildhauerei nicht sein Ding ist. „Ich bin nicht Bildhauer, um eine Skulptur auf einen Sockel zu stellen. Ich will mit dem Raum sprechen und ihn mit meiner Skulptur verändern und gestalten. Ich arbeite für mich und meine Skulptur und nicht in erster Linie für den späteren Betrachter!“

    Bis Sonntag, 6.09.2020, kann die Ausstellung im „Kloster Wechterswinkel“ zu den üblichen Öffnungszeiten (mittwochs bis sonntags 13 – 17 Uhr) besucht werden. Führungen finden immer sonntags statt. Dazu ist allerdings eine Voranmeldung bis Freitag, 12 Uhr, bei der Kreiskulturagentur unter kulturagentur@rhoen-grabfeld.de, per facebook-Direktnachricht oder telefonisch unter 09771 94675 nötig. Ein weiterer „langer Donnerstag“ ist für den 3. September um 19 Uhr anberaumt. Auch dafür muss man sich zuvor anmelden.

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