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    Fladungen

    Wort zum Wochenende: "Ich freue mich an..."

    Pfarrerin Christel Kupfer.
    Pfarrerin Christel Kupfer. Foto: Gerhard Kupfer

    Liebe Leserin, lieber Leser,

    ich sitze am Schreibtisch und suche nach passenden Worten für einen Arbeitstext. Und mein Blick schweift suchend aus dem Fenster, ohne dass ich wirklich sehe, wie wunderbar bunt und prächtig es dort blüht. Oder ich fahre, die Zeit im Nacken, noch schnell hierhin oder dorthin. Und das so ganz besondere Sommerlicht gerade dieser Tage entgeht nicht nur meinen Augen, sondern auch meiner Seele. Oder ich sitze beim Abendessen, blättere aber schnell nochmal nebenbei durch diesen oder jenen Zeitungsartikel – und weiß später weder was ich gegessen habe, noch habe ich das Gefühl, satt geworden zu sein.

    Und immer wieder ertappe ich mich dabei, um wie viel leichter es mir fällt, mich auf Zeiten wie Dinge in der Zukunft zu freuen, als gerade hier und jetzt an genau dem, was mir in diesem Augenblick begegnet, ich entdecken und sehen könnte, "Freude an Leib und Seele" zu empfinden. Also habe ich mir dieser Tage selbst so etwas wie ein "Ferienprogramm 2020" zusammengestellt, geeignet für daheim wie unterwegs, für draußen wie drinnen und jedes Wetter und auch für alle Generationen, ob jeweils allein für sich oder mehrere bis alle gemeinsam. Immer wenn ich mich bei dem Gedanken "Ich freu' mich auf…" ertappe, schaue ich mich um und auch ein bisschen in mich hinein und suche ein "Ich freu' mich an…"

    Fast eine Woche Erfahrung (mit Erfolg wie mit Scheitern!) habe ich jetzt – und auch schon einige "Ich freu' mich an": Ein seltenes Wolkenbild. Wie ein Sonnenstrahl durchs Schlüsselloch leuchtete –ganz kurz nur, aber ich hab’s gesehen. Wie mich jemand mit den Augen angelächelt hat. Wie lecker der frische Salat schmeckt. Und tags zuvor das Tortenstück bei der lieben Bekannten. Die zutraulichen Laute und das Näherkommen der Kuhfamilie in der Nachbarschaft.

    Und für den ganzen August darf mit dem Monatsspruch auch noch die Freude an mir selbst dazu kommen. Denn dazu lädt der Psalm 139 ein: "Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele."

    Christel Kupfer

    Pfarrerin für Fladungen, Sondheim vor der Rhön und Stetten

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    Christel Kupfer

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