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    Fladungen

    Wort zum Wochenende

    Pfarrerin Christel Kupfer
    Pfarrerin Christel Kupfer Foto: Gerhard Kupfer

    Liebe Leserin, lieber Leser,

    Viele denken bei diesem Zitat an Franz Beckenbauer und an den Fußball.  Aber darum dreht’s sich heute nicht. Um das Schaun und um das Sehen allerdings schon: Seit drei Tagen bereits tragen wir nun "Masken". Schutzmasken. Um die jeweils anderen zu schützen. Nicht um sich selbst zu verstecken.

    Schaun mer mal, dann sehn mer scho… – Ob's was bringt? Ob's was nützt? Immerhin fahren wir ja, wie so häufig betont wird, "auf Sicht"! Obwohl mir meine Sicht auf den ersten Blick eingeschränkter vorkommt. Denn Mimik, das Mienenspiel meines Gegenübers bleibt hinter der Maske verborgen, ist nicht zu sehen, nicht zu finden, geschweige denn zu deuten. Das einzige, was ich sehen kann, sind die Augen!

    Ist das vielleicht eine der Chancen dieser Zeit, dass wir Erwachsene es wagen und auch uns trauen müssen, einander wieder einmal, neu und interessierter, offener, fragender in die Augen zu schauen? Kleinkinder tun das ja! Ungeniert! Und sobald ein "Blick-Kontakt" entstanden ist, halten sie ihn und folgen auch jedem eigenen Blick-Wechsel. Als würde man sie an die Hand nehmen und führen.

    Schaun mer mal, dann sehn mer scho… Mich erinnert das an Worte aus dem Psalm 32, in dem Gott sagt: "Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten." Er sagt nicht: Ich nehme dich an die Hand, greife nach dir – oder auch: lasse mich greifen. Gott sagt: "ich will dich mit meinen Augen leiten." Ich zeige dir, wo du hinschauen und genauer sehen sollst.

    Und nun ist morgen mit dem 1. Mai "der Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde". Noch – ist an diesem Tag keine Demonstration erlaubt. Noch – ist an diesem Tag kein Gottesdienst möglich.

    Aber von den Augen Gottes kann ich mich heute schon leiten lassen: genau und genauer anderen in die Augen schauen, die Sehnsucht nach Leben entdecken, die schüchterne Dankbarkeit, die erstaunte Freude über eine Genesung, die verletzte Würde aber auch, den verwundeten Stolz, die Verunsicherungen – und was wohl kommt, zu sehen sein und sich zeigen wird…

    Ich wünsche Ihnen und all Ihren Lieben, dass Gottes Augen Sie leiten! Zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde – nicht erst und nicht nur am 1. Mai!

    Christel Kupfer

    Pfarrerin in Fladungen, Sondheim /Rhön und Stetten

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    Christel Kupfer

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